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Oberrohr

13.08.2020

Theo Waigels Plädoyer für Europa – gerade jetzt

Aktualisiert durch ein Vorwort hat Theo Waigel die zweite Auflage seiner jetzt als Taschenbuch herausgekommenen Autobiografie mit dem Titel „Ehrlichkeit ist eine Währung.“
Bild: Hans Bosch

Plus Theo Waigel hat die Taschenbuchausgabe seiner Autobiografie aktualisiert. In der neuen Fassung spielt auch die Corona-Pandemie eine Rolle.

Es sind nur fünf Seiten Vorwort, um die Theo Waigel sein Buch „Ehrlichkeit ist eine Währung“, das im Herbst 2019 erschienen ist, in dessen Neuauflage erweitert hat. Und doch veränderte sich bis zum Mai 2020 unsere Erde grundlegend politisch und zusätzlich durch die weltweite Corona-Pandemie so, dass er sich veranlasst sah, seine „Erinnerungen“ im handlichen Kleinformat zu aktualisieren. Seine Sorge: „Das Projekt Europa ist nie vollendet und steht immer wieder vor neuen Risiken und Aufgaben. Auch für die Zukunft muss gelten: Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung.“

Überhaupt hat es dieses zusätzliche „Vorwort zur Taschenbuchausgabe“ in sich. Waigel verdeutlicht darin gleich zu Beginn den Grund, warum er die 61 Briefe des in den letzten Kriegsmonaten gefallenen Bruders Gustl an den Anfang seines Buches gestellt hat. In ihnen habe dieser seiner Sehnsucht nach heimatlicher und religiöser Geborgenheit Ausdruck verliehen. Heute ist Waigel davon überzeugt, dass diese Werte auch für ihn nicht vergebens waren. Seine Erkenntnis: „Aus diesem Schicksal und dem von Millionen Kriegstoter habe ich für mein politisches Leben den Auftrag abgeleitet, mich mit aller Kraft für die europäische Idee, für die Versöhnung von Nationen und Europa einzusetzen.

Es wundert Waigel nicht, dass sich die meisten Zuschriften aus allen Bevölkerungsschichten in ganz Deutschland, die er von Lesern seiner Rückschau erhalten hat, mit den Briefen seines 13 Jahre älteren Bruders befassten. Dadurch sei ihm klar geworden: „Das Schicksal dieses jungen Menschen und die Tragik einer Zeit, die noch nicht mal ein Menschenalter zurückliegt, scheinen die Leser stärker berührt zu haben als die Berichte von Konferenzen, Verträgen und politischen Prozessen.“

Diese Erinnerungen beschäftigen sich außerdem lediglich mit der Vergangenheit, schreibt Waigel in der Neuausgabe. Aber: „Seit Ende 2019 hat sich die Welt dramatisch verändert“. Er meint damit die Corona-Pandemie, die national nicht zu lösen sei. Die Folge: „Sie ist eine globale Herausforderung und bedarf einer gemeinsamen europäischen Antwort.“ Corona ist für Waigel aber nicht das einzige derzeitige weltweite Problem: „Angesichts der zunehmend unberechenbaren Politik der USA, der Hegemoniepolitik Russlands im Nahen Osten und dem Versuch Chinas, in Afrika Vormacht zu erobern, kann nur eine gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik die Rolle Europas in der Weltpolitik sichern.“

Bemerkenswerte Worte und Erkenntnisse im Verlauf eines halben Jahres. Und dies vom ehemaligen Bundesfinanzminister, CSU-Vorsitzenden und heimatverbundenen Schwaben. Für seine eigene Autobiografie benötigte er 350 lesenswerte Seiten und ist sich doch sicher, dass die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugendzeit, die Eltern und Geschwister viele Leser für interessanter halten als die Gespräche und Erlebnisse mit Regierenden aus aller Welt, auch wenn es sich um Namen wie Franz Josef Strauß, Helmut Kohl und Angela Merkel, Prinzessin Diana oder Francois Mitterrand, Michail Gorbatschow und George Bush handelt.


Was Waigel zu Hygiene-Demos sagt:

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Zur Vorstellung des Buches in Krumbach:

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Gedanken zum Mauerfall:

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