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Ursberg

08.11.2019

Ursberg: Warum die Altenpflege die junge Sarah begeistert

Die einjährige Ausbildung zur Pflegehelferin öffnete Sarah Kattler aus Neuburg den Weg in die Altenpflege. Mittlerweile ist sie staatliche anerkannte Altenpflegerin und denkt schon weiter.
Bild: Manuel Liesenfeld

Die Frau aus Neuburg steigt nach der Mittelschule mit einer einjährigen Ausbildung ein. An ihrer Arbeit schätzt sie viele Dinge – eine Sache aber besonders.

Zunächst sollte es nur ein Versuch sein. „Ich wollte sehen, ob das was für mich ist“, sagt Sarah Kattler. Gerade hatte sie die 9. Klasse der Mittelschule abgeschlossen. Nun ging es um ihre berufliche Zukunft. „Büro hätte mir schon Spaß gemacht. Aber noch lieber wollte ich mit Menschen arbeiten“, das wusste die 23-Jährige spätestens nach ihrem FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) im Hol- und Bringdienst einer Klinik. „Da war diese Dankbarkeit besonders der alten Menschen. Sie freuten sich über meine Unterstützung. Und das freute mich wiederum.“ Nach dieser Erfahrung ist sie sicher: „Das ist mein Beruf.“

Rund sieben Jahre später hat sich ihre Entscheidung mehr als bestätigt: Jetzt ist Sarah staatlich anerkannte Altenpflegerin. Den Weg dorthin ebnete ihr die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin – ein Einstieg ist das Berufsfeld, das ihr sehr wertvolle Erfahrungen ermöglichte und ihr eine Fülle von Weiterbildungsmöglichkeiten und Spezialisierungen im Berufsfeld erschloss.

Ihr Mittelschulabschluss berechtigte Sarah zunächst nicht zum direkten Start in die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft. Direkt kann man diesen Weg nur ab dem Real- und einem höheren Schulabschluss oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung einschlagen. Sarah brauchte eine Zusatzqualifikation. Optimal für die junge Neuburgerin war das Angebot der Berufsfachschule für Altenpflegehilfe des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg. Denn hier gibt es die einjährige Ausbildung zur Pflegefachhelferin in der Altenpflege. Sie vermittelt Kenntnisse, die für eine qualifizierte Pflege und Betreuung von Senioren unter Anleitung einer Pflegekraft erforderlich sind: die Grundpflege, der professionelle Umgang mit den Klienten in den Wohnbereichen, Achtung und Würde gegenüber alt gewordenen Menschen.

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Abwechslung und Flexibilität

Es sind Abwechslung und Flexibilität, die Sarah so an ihrem Beruf faszinieren. Wie ein Arbeitstag verläuft und welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen sie vor allem einsetzen muss, das bestimmen oft die Bewohner, für die sie da ist. Beim Thema Demenz wird das besonders greifbar. „Da ist oft kein Tag wie der andere“, berichtet Sarah. Menschen mit Demenz sind Stimmungsschwankungen ausgesetzt. Da entscheidet die Tagesform. Sarah muss gerade in diesen Momenten angemessen, professionell und vor allem fürsorglich handeln.

In der öffentlichen Diskussion bestimmt das Thema Pflege oft kolportierte Stereotypen: Pflegekräfte seien vor allem dazu da, alten Menschen „den Hintern abzuwischen“ und dafür zu sorgen, dass sie wenigstens „satt und sauber“ seien. „Am Anfang war es komisch, inkontinente Klienten zu waschen und neu anzuziehen“, gibt auch Sarah zu. „Aber es gehört dazu, man gewöhnt sich daran und schließlich wird das zur Gewohnheit.“ Für sie hat das etwas mit Würde und Wohlbefinden ihrer Klienten zu tun. Deshalb springen die Vorurteile gegen ihren Berufsstand viel zu kurz, weiß sie. Eine Pflegekraft sieht den ganzen Menschen, legt Wert auf eine gute Kommunikation mit ihm wie mit den Angehörigen und achtet darauf, dass sich Klienten in ihrer Umgebung wohlfühlen. Natürlich spielt auch das Thema Tod eine Rolle. Viel Erfahrung damit hat Sarah zwar noch nicht gesammelt. Aber in einer Praxisphase in einer Wohngruppe hat sie schon gemerkt, wie nahe ihr der Abschied von einer Bewohnerin gegangen ist. „Man baut eine innige Verbindung auf“, sagt sie.

„Es ist wichtig, dass ich meine eigenen Emotionen kenne und einen guten Kontakt zu mir selbst habe“, sagt Leopold Rasch, stellvertretender Schulleiter der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Ursberg. „Unsere Schülerinnen und Schüler lernen deshalb, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen können. Wichtig ist, jeden Tag zu reflektieren“, so der erfahrene Dozent.

Und dann gibt es leider immer noch ein weiteres Thema: das liebe Geld. Denn trotz vieler Beteuerungen von Politikern, die Finanzierung der Pflege und damit die Rahmenbedingungen für das Personal zu verbessern, erleben vor allem die Auszubildenden in der Pflege ihre Bezahlung im Vergleich zu anderen Sozialberufen immer noch als zu niedrig. Gerade auch, um die Attraktivität der Pflegeausbildungen zu steigern, brauche es hier attraktivere Angebote an junge Menschen, insbesondere in der Ausbildung zur Altenpflegehelferin, ist Leopold Rasch überzeugt.

Nachdem Sarah die Ausbildung zur Pflegefachhelferin in der Altenpflege mit einer guten Mischung aus Unterricht an der Berufsfachschule und lehrreichen praktischen Einheiten in der Kurzzeitpflege der Kreisklinik Krumbach erfolgreich abgeschlossen hatte, wollte sie mehr. Denn jetzt konnte sie die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft als staatlich anerkannte Altenpflegerin in Angriff nehmen, in der die fachlichen Disziplinen, die im Helferkurs nur angeschnitten werden konnten, vertieft werden. Sarah hätte aufgrund ihres guten Zeugnisses und ihres Engagements auch direkt ins zweite Ausbildungsjahr einsteigen können. Ihr war es allerdings wichtig, den ganzen Kurs von Anfang an zu belegen, um sich ein sehr gutes Fundament zu erarbeiten.

Sie teilt mit ihnen das Leben in der Wohngruppe

Nachdem auch diese Ausbildung gemeistert ist, arbeitet Sarah nun seit drei Jahren als staatlich anerkannte Pflegefachkraft in der Fachpflege Ursberg des Dominikus-Ringeisen-Werks. Hier leben Menschen mit geistiger Behinderung, wenn neben der pädagogischen Begleitung die Pflege sehr wichtig ist. Sarah gefällt es, dass sie bei den Bewohnern zu Hause arbeitet und mit ihnen das Leben in der Wohngruppe teilt. Aber sie denkt auch hier schon wieder weiter. Ein flexibles System ermöglicht ihr, sich sowohl fachlich zu spezialisieren als sich auch für eine spätere Leitungsfunktion zu qualifizieren. Für Sarah käme als Nächstes eine Fortbildung zur Praxisanleiterin für Auszubildende in ihrem Wohnbereich infrage. Vielleicht arbeitet sie in nicht allzu ferner Zukunft auch einmal als „verantwortliche Fachkraft für Pflege“, im Sozialdienst oder als Einrichtungsleitung. Und selbst das muss nicht das Ende der Fahnenstange sein. Qualifizierte Fachkräfte in der Pflege können auch ohne Abitur studieren: Der Kompetenzerweiterung sind so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Wer in der Pflege arbeiten will, muss fachlich qualifiziert sein. Dazu gehört aber auch eine reife Persönlichkeit, betont der stellvertretende Schulleiter. Persönlichkeitsbildend sind die mannigfachen Ausbildungswege, die in dieses Berufsfeld führen, allemal. Denn neben der Fachkompetenz zählt eine gute und gesunde Haltung den Klienten gegenüber. Die Grundlagen für einen mitunter herausfordernden Beruf sind Empathie, Zugewandtheit, Tatkraft und Respekt. Pflege: Das ist bestimmt nichts für jedermann. Wer hier arbeitet, wird als kompletter Mensch gefordert und – wenn er will – auch gefördert. Denn für diejenigen, die in der Pflege arbeiten, erschließt sich ein weites Berufsfeld mit vielerlei Möglichkeiten sich zu entwickeln und sich zu verwirklichen.

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