1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Vertrauen schmeckt besser

EHEC-Skandal

29.05.2011

Vertrauen schmeckt besser

Copy of IMG_2112.tif
2 Bilder
Georg Mayer aus Bibertal spürt die Verunsicherung vieler Kunden.

Kunden sind verunsichert, regionale Erzeuger fühlen sich bestätigt

Krumbach Genauer als sonst gehen die Blicke auf die Hinweisschilder, die den Herkunftsort verraten. Gurken aus Spanien will niemand. Aber die gibt es auf dem Wochenmarkt am Alten Rathaus in Krumbach sowieso nicht. Angesagt ist Gemüse aus der Region. Das bestätigen die Anbieter, die die Verunsicherung der Kunden nach den Todesfällen durch die lebensgefährlichen EHEC-Erreger spüren.

„Es fragen viel mehr Leute nach“, sagt Georg Mayer vom Zacherhof in Bibertal, der in einem Wagen und auf einem langen Tapeziertisch Gemüse ausgelegt hat. Die Nachfrage nach selbst produzierten Waren habe insgesamt zugenommen. „Die Leute wissen, wem sie vertrauen können“, sagt er. Mit dem Lebensmittelskandal ändere sich hoffentlich das Kaufverhalten – regionale Erzeugnisse statt Supermarkt-Ware, deren Herkunft oft nur schwer nachzuvollziehen ist. Die Handelswege bezeichnet Christian Mayer vom gleichnamigen Lebensmittelladen, der nur wenige Hundert Meter vom Wochenmarkt entfernt ist, als „verzwickt“.

Die Gurke werde in Spanien gepflanzt, aufgezogen, dann geerntet und komme schließlich nach Hamburg, um dann in ganz Deutschland ausgeliefert zu werden. „Wenn da mal eine Palette umfällt und verunreinigt wird, dann kann das doch niemand mehr nachvollziehen“, kritisiert er. Deshalb baut er auf kurze Wege.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Entsprechend pflegt er seine Geschäftsphilosophie, die er sehr persönlich nimmt: „Regional ist erste Wahl“, steht am Schaufenster von SB Mayer. Damit hat er eine Nische gefunden, die Kunden schätzen. Schon öfter sei er gefragt worden, ob er sein Geschäftsmodell nicht auch in anderen Städten aufziehen will. Will er aber nicht. Mayer setzt auf Krumbach. Und auf Waren aus der Region. Das Gemüse stammt von der Klostergärtnerei Ursberg, Eier aus dem Kammeltal und goldgelb glänzende Nudeln von einem Erzeuger aus Malching. Freilich hat er auch die Produkte der großen Hersteller im Sortiment. Der Kunde verlangt eben danach. Den Schwerpunkt setzt er jedoch auf die Region. Das honoriere der Kunde – der könne sich den Erzeuger vor Ort anschauen, das schaffe Vertrauen.

Für Mayer bedeutet die Geschäftsphilosophie mehr Arbeit. Schließlich wollen die Kontakte gepflegt werden. Rund 30 Lieferanten hat er. Wie andere Kollegen nur aus der Liste eines Großhändlers zu bestellen, das kommt für ihn nicht infrage. Ebenso hält er wenig davon, Erdbeeren im Winter anzubieten. Ökologisch sinnvoller sei es, saisonal zu kaufen. Das bestätigt Georg Mayer vom Zacherhof in Bibertal. Saisonales Gemüse hat sogar einen Vorteil: Es ist günstiger. Christian Mayer nimmt eine kleine Brotzeitgurke aus einer Kiste und schwärmt: Eine schnell gezüchtete Gurke könne nicht mithalten, die sei wässrig und habe absolut keinen Geschmack. Der Kaufmann wird deutlich: „Industrielle Ernährung ist ein Fiasko!“ Er hofft, dass durch den neuen Lebensmittelskandal die Wertschätzung von Lebensmitteln noch mehr ins Bewusstsein der Verbraucher rückt. Mayer: „Lieber weniger und gut als viel und billig.“ Die Einstellung müsse über den Kauf von Gurken hinausgehen.

Der Absatz ist am Wochenmarkt-Stand der Gärtnerei Kleber in den ersten Stunden verhalten. Vielleicht ist die Verunsicherung ein Grund, vielleicht auch das Wetter, sagt Sabine Rittler. Wer kommt, dem erklärt sie in jedem Fall gleich die Herkunft des Gemüses. Die Gurken kommen nicht aus Spanien, die sind von der Reichenau.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
schoblocher_130119.JPG
Krumbach

Die Kraft des Lichts im Wasserschloss in Krumbach

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen