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Krumbach

29.09.2019

Von Krumbach nach Südafrika: Ein Etappenziel ist erreicht

Motorrad und Fahrer sind wohlbehalten am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, dem südwestlichsten Punkt des Kontinents, angekommen.
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Motorrad und Fahrer sind wohlbehalten am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, dem südwestlichsten Punkt des Kontinents, angekommen.
Bild: Sammlung Thalhofer

Armin Thalhofer aus Krumbach bereist mit seinem Motorrad die Welt. Was ihn in Afrika sehr nachdenklich gemacht hat.

Afrika hat er mittlerweile so gut wie hinter sich gelassen. Es soll bald weitergehen nach Südamerika. Der Krumbacher Armin Thalhofer ist seit Anfang April diesen Jahres rund um die Welt unterwegs. Der 53-Jährige will mit seiner BMW 1200 GS Adventure in zwei Jahren die Welt bereisen. Er und seine „Dicke“, so nennt er sein Motorrad, sind derzeit in Kapstadt. Wir haben mit ihm gesprochen.

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Wo sind Sie derzeit? Wie sah Ihre Route nach Südafrika aus? Welche Länder haben Sie durchfahren?

Thalhofer: Vor ein paar Tagen habe ich mein erstes großes Etappenziel, das Kap Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas erreicht und bin jetzt in Kapstadt. Vom Norden bin ich über Israel und Jordanien auf der Ostroute durch Ägypten, den Sudan, Äthiopien, Kenia, Uganda, Ruanda, Tansania und Sansibar nach Malawi gefahren. Von dort aus bin ich dann über Sambia und Botswana in den Westen nach Namibia und dann runter nach Südafrika. Insgesamt habe ich nun mit meinem Motorrad 16 Länder durchquert.

Von Krumbach nach Südafrika: Ein Etappenziel ist erreicht

Wie viele Kilometer haben Sie hinter sich gebracht?

Knapp 30000.

In Sansibar haben Sie einen neuen Reifen gebraucht? Wie viele Reifen sind denn schon weg?

Thalhofer: Auf Sansibar habe ich auf die Lieferung eines neuen Hinterreifens aus Nairobi gewartet, der jetzt gerade so bis Kapstadt gereicht hat. Es war der dritte Reifen hinten und auch der zweite Vorderreifen ist nun am Ende. Tauschen werde ich beide in Buenos Aires, dorthin bekomme ich einen neuen Satz geliefert.

Wie sind die Straßen in Afrika? Wie lange braucht man dort für 100 Kilometer?

Thalhofer: Die Straßen waren sehr unterschiedlich. Von perfekten Teerstraßen über mit teils pkw-großen Schlaglöchern gespickten Asphaltpisten, Lehm- und extrem rutschigen Matschpisten, Schotter und felsigen Strecken und vor allem in Namibia oftmals übelste Wellblechpisten mit immer wieder sandigen Abschnitten und auch Tiefsand. Vor allem der Tiefsand war eine große Herausforderung mit meiner Dicken, der mich so manches Mal an den Rand meiner Kräfte gebracht hat. Wie lange ich für 100 Kilometer benötigt habe, kann ich so pauschal nicht beantworten. Es war eben immer sehr stark vom Untergrund abhängig. Im Sudan und Namibia konnte ich teils 500 Kilometer am Tag mit weniger als fünf Stunden reiner Fahrzeit auf Asphalt zurücklegen. In Kenias Bergen auf felsigem Untergrund und im Matsch oder in Namibia im tiefen Sand schaffte ich manchmal keine zehn Kilometer in einer Stunde.

Sanisbar ist ein Ort zum Relaxen

Wo war es bisher am schönsten?

Thalhofer: Es war an so vielen Orten unbeschreiblich schön und vor allem in jedem Land anders. So beeindruckten mich die unglaublich weiten Wüstengebiete in Ägypten und im Sudan ebenso, wie Giraffen, Zebras, Elefanten und Hippos in Kenia und Uganda. Sansibar war der ideale Ort zum Relaxen. Am allermeisten beeindruckt hat mich jedoch die Landschaft und die Einsamkeit in Namibia. Nie zuvor hatte ich einen so vielfältigen Wechsel an Landschaftsformen und Farben wie dort und nirgends war ich so lange unterwegs, ohne auf eine Menschenseele zu treffen, wie im Nordwesten des Landes. Namibia ist das absolute Highlight meiner bisherigen Reise.

Und was war am bewegendsten?

Thalhofer: Am bewegendsten waren für mich die beiden Momente, als ich vor ein paar Tagen das Kap der Guten Hoffnung und das Kap Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas, und damit mein erstes ganz großes Etappenziel erreicht habe.

Die Trockenheit ist ein Problem

Gab es Dinge, die Sie nachdenklich werden ließen?

Thalhofer: Ja, zwei Dinge. Zum einen die teils extreme Armut, die in manchen Gegenden Afrikas vorherrscht. In vielen Regionen leben die Menschen tatsächlich noch in einfachsten Lehmhütten mit Strohdächern, ohne fließend Wasser und ohne Strom. In der Gegend um Kapstadt wird einem die große Kluft zwischen Arm und Reich bewusst. Da befindet sich auf der einen Seite des Highways ein Neubaugebiet mit schicken Häusern, auf der anderen Seite dagegen sind Slums mit unzähligen einfachen Wellblechhütten. Das Zweite war die extreme Trockenheit, vor allem in Sambia, Botswana und Namibia. Dort sind die letzten Regenzeiten nahezu ausgefallen. In Sambia leiden die Menschen Hunger, in Botswana verenden ganze Hippo-Herden im Okavango Delta und in Namibia verkauft die Regierung Tiere der Bauern ins benachbarte Ausland, da nicht mehr genügend Wasser und Futter für diese vorhanden ist. Sollte die nächste Regenzeit wieder nicht normal verlaufen, wird das zu einem ernsthaften Problem für diese Regionen. Wenn man das alles aus nächster Nähe erlebt beziehungsweise mit eigenen Augen sieht, stimmt einen das sehr nachdenklich. Ich werde mich an der Universität in Kapstadt noch mit einem deutschen Professor für Klimaforschung treffen, um mehr über die Auswirkungen des Klimawandels in Afrika zu erfahren.

Gibt es einen Platz, der Ihnen gar nicht gefallen hat?

Thalhofer: Außer den Grenz- und Zollgebäuden in Israel und Ägypten eigentlich nicht. Nein, ohne Spaß, mir hat es bisher überall gefallen und ich bin ein wenig traurig, dass ich nicht mehr Zeit für Afrika habe. So musste ich aus Zeitmangel den Südwesten Namibias ausfallen lassen, habe davor Sambia und den Norden Botswanas nur zum Transit genutzt, von Südafrika habe ich auch kaum was gesehen und Mosambik und Lesotho musste ich schon sehr bald von meiner Wunschliste streichen. Ich hätte gut und gerne noch weitere drei oder mehr Monate hier verbringen können.

Gab es für Sie gefährliche Situationen?

Thalhofer: Der Straßenverkehr, vor allem in Ägypten, Äthiopien und Kenia, war nicht ungefährlich. Schlaglöcher, Tiere und Menschen auf der Fahrbahn und rücksichtsloses Verhalten sind in diesen Ländern die Regel. Ich musste tatsächlich drei- oder viermal aufs Bankett ausweichen. Sonst habe ich bisher keinerlei negative Erfahrungen gemacht. Weder unfreundlichen Araber, noch Steine werfenden Kinder in Äthiopien, keine Kriminalität in den schwarzafrikanischen Ländern. Nichts von all dem, vor dem ich vor meiner Reise immer gewarnt wurde.

In Ihrem Newsletter berichten Sie auch immer wieder über andere Reisende. Sind Sie immer noch allein unterwegs?

Thalhofer: Ja, die meiste Zeit. Insgesamt war ich vielleicht vier Wochen mit anderen Reisenden unterwegs. Ich habe die Zeiten sehr genossen, da durch die gemeinsamen Interessen der Gesprächsstoff nie ausgeht und man auch wertvolle Informationen bekommt. Ich reise aber in der Tat sehr gerne alleine, da man so viel leichter mit Einheimischen ins Gespräch kommt und jeden Tag alles für sich selbst entscheiden kann, aber auch muss.

In Namibia haben Sie mit Freude einen Schweinebraten gegessen. So steht es zumindest in Ihrem Newsletter. Schwingt da ein bisschen Heimweh mit?

Thalhofer: Ja, das war in Swakopmund, der deutschesten aller Städte in Namibia und der war tatsächlich lecker. Heimweh? Das habe ich nicht wirklich. Ich bin oft via Video-Call mit Familie und Freunden in Kontakt, dann ist die Heimat gefühlt gar nicht so weit weg.

Unfälle, Krankheiten… Es kann ja so einiges schief gehen, wenn man unterwegs ist. Ihnen ist hoffentlich noch nichts schief gegangen?

Thalhofer: Glücklicherweise ist noch nichts wirklich schief gegangen. Ich hab mir lediglich einmal Rippen und Rücken geprellt und hatte ein geschwollenes Fußgelenk nach unvermeidbaren Stürzen im Sand. Das Material leidet mehr unter den Bedingungen, aber bis auf ein paar Kleinigkeiten funktioniert alles bisher problemlos.

Südamerika steht als Nächstes auf dem Plan. Wie kommen Sie hin? Wie kommt das Motorrad hin?

Thalhofer: Ja, in ein paar Tagen geht es nach Buenos Aires in Argentinien. Meine Dicke fliegt getrennt von mir per Luftfracht ein paar Tage früher. Von dort geht es dann zuerst runter nach Patagonien und dann ganz hoch bis nach Kolumbien. Und das absolute Highlight für mich ist, dass ich diesen Kontinent gemeinsam mit meinem Sohn für rund sechs Monate erkunden kann.

Gibt es ein abschließendes Resümee für Afrika?

Thalhofer: Afrika ist faszinierend und die Menschen, die ich getroffen habe, egal welcher Hautfarbe, Religion oder Kultur, waren allesamt äußerst hilfsbereit, interessiert und vor allem gastfreundlich, obwohl oft sehr arm aber scheinbar trotzdem glücklich. In Afrika gibt es ein Sprichwort das besagt: Die glücklichsten Menschen sind die Armen, die nicht wissen, dass es Reiche gibt. So bleibt für mich vor allem die Erkenntnis: Die wirklich wichtigen Dinge sind gar keine Dinge!

Zur ersten Etappe von Armin Thalhofer: Von Krumbach aus mit dem Motorrad um die Welt

Mehr zu der Tour auf seiner Homepage.



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