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Krumbach

03.01.2020

Was Krumbach mit Rio und Havanna verbindet

Kunst und gute Laue: Doris Graf im Jahr 2016 unterwegs in den Straßen von Salvador da Bahia/Brasilien.
6 Bilder
Kunst und gute Laue: Doris Graf im Jahr 2016 unterwegs in den Straßen von Salvador da Bahia/Brasilien.
Bild: Sammlung Graf

Plus Menschen zeichnen Bilder ihrer Stadt. Die aus Krumbach stammende Künstlerin Doris Graf berichtet, was sie weltweit erlebt hat und was sie für Krumbach plant.

Diese im wahrsten Wortsinn bunten Bilder hat sie immer noch vor sich, die tanzenden Menschen, ihre Fröhlichkeit, in den Straßen von Maputo. In Maputo? Doris Graf muss dann doch lachen. Die Nachfrage, wo denn Maputo liege, überrascht sie nicht. „Das wusste ich bis vor Kurzem selbst nicht“, sagt die Künstlerin. Maputo, das ist die Hauptstadt von Mosambik, eines bitterarmen Staates in Südostafrika, eine ehemalige portugiesische Kolonie. 2018 war Doris Graf mit einer ihrer großen Kunstaktionen dort zu Gast. Menschen, die Bilder ihrer eigenen Stadt zeichnen: Das ist für die aus Krumbach stammende Doris Graf fast eine Art Lebensthema geworden.

Kunst und gute Laue: Doris Graf im Jahr 2016 unterwegs in den Straßen von Salvador da Bahia/Brasilien.
Bild: Sammlung Graf


„City x“ nennt sie ihr Projekt. Die Stadt x: Hier ist die Auswahl inzwischen weltweit. Mit ihren Aktionen begann Doris Graf 2012 in Stuttgart, wo sie seit Langem mit ihrer Familie lebt, sie war unter anderem in Bergamo/ Italien, in Brasilien (in Rio de Janeiro oder auch Sao Paulo) zu Gast. Und jetzt – in Krumbach. Ihre Aktionen: Es sind Zeichnungen, die gewissermaßen die Welt verbinden und nun gibt es eine Art Brücke zur mittelschwäbischen Heimat von Doris Graf. Krumbach: Das ist ihr aktuelles Projekt, das vor einigen Monaten angelaufen ist. Menschen aus Krumbach und Umgebung zeichnen Bilder ihrer Stadt. Das Ergebnis wird dann im Herbst dieses Jahres im Mittelschwäbischen Heimatmuseum zu sehen sein.

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Der Gedanke ihrer Aktion ist gleichermaßen einfach und faszinierend. Menschen, Jung, Alt, Kinder, Erwachsene, Senioren, Frauen, Männer zeichnen mit Buntstiften Bilder ihrer Stadt. Zeichnen: Das ist auch das Eintauchen in eine andere Welt, eine Art Gegenwelt zur omnipräsenten Digitalisierung. „Ich habe keine Zeit“ oder „ich habe nicht viel Zeit“: Das sind oft erste Reaktionen, wenn Doris Graf den Menschen Stift und Papier entgegenhält und sie um eine Zeichnung bittet. Doch meistens gelingt es ihr dann rasch mit einigen freundlichen Worten, die Menschen für ihre ungewöhnliche Aktion zu gewinnen.

Künstlerische Botschafterin für Baden-Württemberg: Die gebürtige Krumbacherin Doris Graf in Rio de Janeiro während ihrer Aktion 2012.
Bild: Sammlung Graf

Wiederholt hat Doris Graf von einem 14-jährigen Schüler in Rio erzählt, der zunächst auf keinen Fall irgendetwas zeichnen wollte. Und dann hat er, nicht gerade zur Freude seiner Lehrerin, eine dicke Zigarre gezeichnet und sich dabei richtig „cool“ gefühlt.

Doch die „dicke Zigarre“, das deutet auch ein wenig die Abgründe dieser Welt an. Die in vielen Orten herrschende Korruption, Verbrechen, Gewalt, Armut. In Rio war Doris Graf beim Kreativforum („Creativity World Forum“) mit ihrer Aktion offiziell künstlerische Botschafterin für das Bundesland Baden-Württemberg. 500 Bilder entstanden dort. Es sind teils sehr fröhliche, emotionale Zeichnungen, aber auf einigen Bildern sind beispielsweise auch Pistolen zu sehen. Später war sie in Sao Paulo zu Gast. Entstanden sind, wie sich Doris Graf erinnert, viele „graue Bilder“. Eine großes Projekt gab es in Ulm, ein besonderer Höhepunkt war für sie die Aktion in Havanna/Kuba, die 2017 begann. Doris Graf hat in einem Land, in dem das offene Wort gefährlich sein kann, sofort eine gewisse Vorsicht, eine auffallende Zurückhaltung bei den Menschen gespürt. Die Schattenseiten des Alltags werden in solchen Situationen oft in symbolhaften Andeutungen ausgedrückt. Graf erzählt von einer Zeichnung, auf der viele Fliegen zu sehen waren. Wohl auch ein Sinnbild für den Schmutz, der zum täglichen Begleiter des Alltags wird. Rund 1000 Zeichnungen sind in Kuba entstanden.

Der Spiegel der digitalisierten Welt

Was bleibt von all diesen Zeichnungen und Bildern? In einer Art zweiten Stufe wird dies für Doris Graf dann zum zentralen Thema. Sie macht sich gewissermaßen eine Art Gesamtbild all der entstandenen Zeichnungen, greift Wesentliches in ihren nachfolgenden, eigenen künstlerischen Arbeiten auf. Ihre Werke, die aus den Zeichnungen entstehen, konstruiert sie digital am Computer. Die Symbole, die dabei entstehen, erinnern auch stark an die vielen sogenannten Piktogramme, die seit Langem unseren Alltag prägen.

Doris Graf hat in ihren Arbeiten nicht selten den Menschen den Spiegel ihrer durchdigitalisierten Welt vorgehalten, in der die klassische Sinneswahrnehmung wie Hören, Sehen, Riechen, Tasten eine immer geringere Rolle spielt. Doch auffallend ist, dass im Zuge ihrer Zeichenaktionen auch ihre Drucke bisweilen immer bunter geworden sind und in eine mitunter unterkühlte Welt immer mehr Wärme Einzug hält. Graf betrachtet die digitale Dimension der Gegenwart kritisch, aber sie sagt auch, dass eine Aktion wie ihre nur in dieser Welt mit ihren scheinbar grenzenlosen Verbindungskanälen möglich ist – und dies Menschen zusammenführt.

Ihre Arbeiten entstehen bei einem aufwendigen Ultrachrome-Druckverfahren mit einer Art Spezialtinte auf Metall oder auch Acrylglas. Im Rahmen ihrer Krumbacher Aktion sind in den letzten Monaten über 300 Bilder entstanden. Sie war zu Gast im Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasium, beim Jugendfestival, auf der Gewerbeschau KRU oder auch im Bürgerhaus im Rahmen der Kunstnacht.

Im Lauf des Sommers möchte sie sich intensiv mit den Krumbacher Zeichnungen beschäftigten. Es seien zum Teil sehr fröhliche Bilder geworden. Da gibt es beispielsweise Zeichnungen von der Faust-Skulptur im Krumbacher Stadtgarten, vom Freibad oder auch von Fußball und Tennis spielenden Kindern, aber natürlich auch vom alten Rathaus in der Innenstadt. Das markante rot-weiße Krumbacher Wappen spielt vielfach eine Rolle. All das ist die Ausgangsbasis für Doris Grafs großformatige Drucke (geplant sind bis zu zehn), die bis zur Ausstellung (im Herbst im Heimatmuseum) entstehen.

Sponsoren für die Aktion werden gesucht

Doris Graf hofft, dass sie für die Vollendung der Aktion noch Sponsoren finden kann, die sich gerne unter der E-Mail-Adresse dodograf@web.de bei ihr melden können. Bei der Suche nach Sponsoren wird Doris Graf von ihrem Bruder Tobias Ehrmann (vielen auch bekannt als Vorsitzender des Krumbacher Musikvereins) unterstützt. Wenn Doris Graf über die vielen spannenden Begegnungen mit Kindern und ihre Zeichnungen berichtet, dann erzählt die 51-jährige, gebürtige Krumbacherin immer wieder auch über ihre eigene Kindheit in dem kleinen Ort Tafertshofen. Von den vielen Tieren, die es dort gab oder auch vom Völkerballspielen. Die unverfälschte Lebensfreude von Kindern, ihre erfrischende Neugier, ihr Enthusiasmus: Auch das ist die bleibende Botschaft von Doris Graf. An vielen Orten der Welt und in Krumbach gleichermaßen.

Auch während des Jugendfestivals im Krumbacher Stadtgarten im Spätsommer 2019 konnten Menschen ihr Bild von Krumbach zeichnen.
Bild: Doris Graf
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