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Bad Wörishofen

19.05.2016

Was ist los mit den Traditionscafés?

Das Traditionscafé Matzberger ist derzeit nicht in Betrieb und scheint verkauft worden zu sein.
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Das Traditionscafé Matzberger ist derzeit nicht in Betrieb und scheint verkauft worden zu sein.
Bild: Helmut Bader

Die Sommersaison startet und die Gäste stehen vor verschlossenen Türen. Nur ein Café strahlt nach der Renovierung bereits wieder in neuem Glanz.

Wenn jetzt die Sommersaison beginnt und wieder viele Gäste in die Kneippstadt strömen, stehen sie bei zwei Traditionscafés in der Innenstadt, dem Matzberger und Fischer, vor verschlossenen Türen. Da ist die Verwunderung schon groß und ruft oft Erstaunen hervor. Das Café Wittelsbach hingegen strahlt nach der Renovierung der Außenfassade in neuem Glanz.

Bad Wörishofen ohne das Café Matzberger ist eigentlich fast nicht vorstellbar. Bei schönem Wetter zu Füßen des Kneippdenkmals und am großen Platz zu sitzen, gehört für viele Besucher der Stadt zum Pflichtprogramm. Doch jetzt hängt seit etlichen Wochen ein Schild an der Türe „Wir machen Betriebsurlaub“. Doch so lange kann eigentlich kein Betriebsurlaub dauern. Was ist also los mit dem Traditionscafé? Im Jahre 1893 von dem damals 21-jährigen Max Matzberger gegründet, gehört das Haus ganz einfach zum Stadtbild dazu, zumal es seit dem Jahre 1903 das jetzt noch bestehende Ambiente im Jugendstil abbildet. Selbst zu Kriegszeiten war das „Matzberger“ Treffpunkt für die Fliegerpiloten, die am damaligen Flugplatz stationiert waren und ihre glückliche Rückkehr im Matzberger feierten. Lange Zeit hatte es später die Familie Weinfurtner gepachtet, anschließend kurzzeitig die Firma Schwermer. 2008 wurde das im Besitz von Marie-Louise Ecoffey, geborene Matzberger, befindliche Café generalsaniert, erhielt innen ein völlig neues Ambiente und wurde von Sebastian Kreuzer und der „Matzberger Gastronomie GmbH“ geführt. Doch ihm war offensichtlich kein wirtschaftlicher Erfolg mehr beschieden. Wie aus direkt betroffenen Kreisen zu erfahren war, ergibt sich jetzt aber eine neue Situation. Nachdem ein zuletzt im Gespräch gewesener Pächter abgesprungen ist, scheint es nun so zu sein, dass das gesamte Gebäude zum Verkauf steht oder schon verkauft ist. Der neue Besitzer möchte sich anscheinend selbst um einen Pächter kümmern, womit zumindest die Chance besteht, dass die Café-Tradition an dieser Stelle erhalten bleibt.

Auf Tradition blickt auch das Café Fischer zurück. Schon in den Fünfziger-Jahren machte es sich einen Namen als Tanzpalast für Einheimische und Gäste. Viele Bälle fanden dort statt und nicht wenige Beziehungen, die später zur Heirat führten, fanden dort ihren Anfang. Gleichzeitig war es beliebtes Café im Zentrum der Stadt. Jetzt aber heißt es: „Wegen Renovierung geschlossen“. Und das ausgerechnet mit dem Beginn der Sommersaison, wo man gerne auch draußen sitzen möchte. Offensichtlich hat es Probleme mit dem letzten Pächter gegeben, der das Haus unter dem Namen „Das Neue Café Fischer“ vor nicht allzu langer Zeit wieder eröffnet hatte. Jetzt soll anscheinend doch eine größere Renovierung in Gang gesetzt werden. Ob es dann wieder familienintern betrieben oder erneut verpachtet wird, ist offenbar noch nicht entschieden.

Erfreulicheres gibt es vom Café Wittelsbach zu berichten. Hier wurde vom Besitzer die Außenfassade renoviert. Florian Lerf betreibt das Café seit nunmehr bereits sieben Jahren. Er selbst hat die Inneneinrichtung und die Terrassenbestuhlung erneuert, was er als absolut notwendig betrachtet, und das Haus somit wieder attraktiver macht. Da schickte es sich auch noch besonders, dass sein Vater Günther Lerf bekannter Maler in der Stadt ist. Er frischte die ebenfalls noch im Jugendstil erbaute und erhaltene Frontseite farblich neu auf und brachte ganz oben auch den ehemaligen Schriftzug „Wittelsbach“ wieder an. Von Gästen und vorüberflanierenden Passanten gab es bereits viel Lob für die Gestaltung. Interessant auch, was Lerf zur Café-Situation insgesamt erläutert: „Das Geschäft allein mit Café und Kuchen ist immer schwieriger geworden, weil in vielen Hotels dies oft schon kostenlos mit angeboten wird. Deshalb bieten wir schon seit einiger Zeit auch kleineres Essen und Ähnliches mit an, um überleben zu können.“

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