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Krumbach

19.07.2019

Wenn die Motorradfahrt auf Krumbacher Parkplatz endet

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In eine Kontrolle geraten: Das wird von den Betroffenen in der Regel als unangenehm empfunden. Meist laufen sie aber in einer freundlichen Atmosphäre ab wie hier am Bleicher Berg in Krumbach. Und wenn dann nichts zu beanstanden ist, dann wird es gleich noch freundlicher.
Bild: Peter Bauer

Plus Die Polizei kontrolliert Motorräder am Bleicher Berg und so mancher muss wegen Mängel sein Gefährt stehen lassen. Die Ehefrau wird zum „Rettungsanker“.

Der mürrische Blick seiner Ehefrau lässt ahnen, dass das folgende Gespräch heikel verlaufen könnte. Die Frau ist mit ihrem Wagen auf den Parkplatz am Bleicher Berg gekommen, um ihren Gatten abzuholen. Er ist mit seinem Motorrad in eine Polizeikontrolle geraten und das bleibt nicht ohne Folgen. Die Polizisten nehmen die Maschine genau unter die Lupe, finden etliche technische Details, die nicht den Vorschriften entsprechen. Die Weiterfahrt wird sofort unterbunden. Wie jetzt nach Hause kommen? Der Motorradfahrer erreicht über sein Handy seine Frau. Sie kommt. Aber dann ihr Blick. Der folgende Abend zuhause könnte für den Motorradfahrer noch ungemütlich werden.

Freitagnachmittag auf einem Parkplatz am Bleicher Berg/B 16 nördlich von Krumbach: Insgesamt zehn Polizisten sind bei einer vierstündigen Kontrollaktion im Einsatz. Drei von ihnen sind Mitglieder der „Kontrollgruppe Motorrad“ der Verkehrspolizeiinspektion Kempten, sie verstärken an diesem Tag die Kräfte der Krumbacher Polizeiinspektion. Es ist selbstredend, dass sich die Mitglieder der Kontrollgruppe rund ums Motorrad bestens auskennen und ihr Fachwissen ist bei einer solchen speziellen Kontrolle sehr wichtig. In den Gesprächen, die sich entwickeln, merken die Kontrollierten sehr schnell, dass ihnen hier nicht Laien gegenüberstehen. Nicht zuletzt das trägt dazu bei, dass die meisten Gespräche in einer insgesamt freundlichen Tonlage verlaufen.

Die Weiterfahrt wird unterbunden

In eine Kontrolle geraten: Die ersten Reaktionen zeigen, wie unangenehm, auch mitunter peinlich dies den Kontrollierten ist. Ein Fahrer aus dem Kreis Dillingen klopft immer wieder nervös mit seinen Fingern auf seinen Helm herum, den er zunächst gar nicht abnehmen mag. „Bitte nehmen Sie doch Ihren Helm ab, dann können wir uns besser unterhalten“, sagt einer der Polizisten. Der grauhaarige, schlanke, großgewachsene Fahrer ist wohl um die 70 Jahre alt. An seinem Motorrad beanstanden die Kontrolleure, dass ein sogenannter DB-Killer, ein Geräuschdämpfer, fehlt. Das ist, wie einer der Polizisten erklärt, ein solch bedeutender Verstoß gegen die Vorschriften, dass die Weiterfahrt sofort unterbunden wird.

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Der „Rettungsanker“? Auch in diesem Fall die Ehefrau. Aber der Mann hat kein Handy dabei. Doch die Polizei ist „Freund und Helfer“, der Mann kann mit einem Polizeihandy zuhause anrufen, erreicht seine Frau und hofft, dass der Sohn eventuell den fehlenden Geräuschdämpfer vorbeibringen kann, dann könnte der Mann nach Hause fahren. Doch der Sohn ist auf einer Baustelle beschäftigt. Sichtlich genervt sucht sich der ältere Herr schließlich einen Platz auf einer Bank. Irgendwann am Abend wird wohl seine Frau oder sein Sohn vorbeikommen und ihn abholen. Doch der Tag ist für ihn natürlich „gelaufen.“

Viele Verstöße gegen die Vorschriften

Wie oft es bei Motorrädern Mängel in der Ausstattung gibt, zeigt allein die Tatsache, dass von drei Motorrädern, die in einer Viertelstunde kontrolliert werden, zwei nicht den Vorschriften entsprechen. Bei einem jungen Mann sind die Reifen abgefahren. Er erzählt, sichtlich schlecht gelaunt, dass er bereits einen Werkstatttermin vereinbart habe – und jetzt, kurz zuvor, in eine Kontrolle gerät. „Das Motorrad muss eben zu jeder Zeit in einwandfreien Zustand sein“, betont Claus Schedel, stellvertretender Leiter der Krumbacher Polizeiinspektion, der an diesem Tag auch vor Ort ist. Die Verstöße werden von der Polizei fotografisch erfasst – auch mit Blick auf mögliche spätere gerichtliche Auseinandersetzungen. Für den jungen Mann mit den abgefahrenen Reifen bedeutet dies 75 Euro Buße und ein Punkt in der „Verkehrssünderkartei“. Die drei Mitglieder der Kontrollgruppe Motorrad sind mit Motorrädern aus Kempten nach Krumbach gekommen. Schwere und gleichermaßen gut aussehende Maschinen, die auch so manchen der Kontrollierten beeindrucken. Mitunter entwickeln sich dann sozusagen am „Rand der Kontrolle“ auch regelrechte Fachgespräche. Von einem Motorrad, das mit vielen prachtvoll blinkenden Zusatzteilen versehen ist, sind die Beamten regelrecht begeistert. Es sind keine Serienteile – aber alles ist vorschriftsgemäß. So soll es sein und der Fahrer erklärt, dass er darauf auch sehr achtet.

Unsinnige Käufe im Internet

Das ist aber nicht immer der Fall, im Gegenteil. Oft kaufen die Fahrer irgendwelche Teile über das Internet wie etwa Fußrastenanlagen oder Auspuffzubehör – die aber eben nicht passend für die jeweilige Maschine sind. Im Internet bestellen vor allem jüngere Fahrer. Aber deutlich wird bei den Kontrollen, dass die Leidenschaft Motorradfahren keineswegs auf die Jugend beschränkt ist. Unter den Kontrollierten sind auch viele ältere Fahrer, zumeist sind es Männer. Nicht wenige sind am Bleicher Berg, wo maximal 100 Stundenkilometer erlaubt sind, deutlich zu schnell unterwegs. Kontrolliert werden im Rahmen der vierstündigen Aktion am Freitagnachmittag auch andere Fahrzeuge. Ein Pkw-Fahrer ist mit 139 Stundenkilometern unterwegs – „ganz knapp am Fahrverbot vorbei“, erklärt Claus Schedel. Ein Pkw-Fahrer wird – nachmittags gegen 15 Uhr – mit einem beachtlichen Alkoholpegel erwischt. 1,1 Promille zeigt der Alkomat. Das heißt Blutprobe in der Klinik. Nicht zuletzt Fälle wie dieser zeigen, wie wichtig Kontrollen für die Sicherheit im Straßenverkehr sind. Und glücklicherweise sind an diesem Tag die Verstöße insgesamt nicht zu gravierend und auch damit die Sanktionen nicht zu hart. Aber den einen oder anderen „Anpfiff“ zuhause, den wird es wohl noch geben.

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