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Krumbach

17.06.2017

Wie Flüchtlinge und Zuwanderer in Krumbach Deutsch lernen

Lehrerin Münevver Yilmaz-Kaczerowski (stehend) bringt ihren Schülern im Beruflichen Fortbildungszentrum die ersten deutschen Sätze bei.
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Lehrerin Münevver Yilmaz-Kaczerowski (stehend) bringt ihren Schülern im Beruflichen Fortbildungszentrum die ersten deutschen Sätze bei.
Bild: Angelika Stalla

Im Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft in Krumbach lernen Flüchtlinge und Zuwanderer Deutsch. Dabei geht es um mehr als nur Sprache.

„Wer will an die Tafel schreiben?“, fragt Lehrerin Münevver Yilmaz-Kaczerowski. Fünf Hände schnellen nach oben. „Paul ist im Wasser“, entsteht dort in Druckbuchstaben. Das Wort „ist“ muss noch unterstrichen werden. Sonst ist die Lehrerin zufrieden. Die junge Frau aus der ersten Reihe durfte schreiben. Mit dem Satz „Paul und Klara sind im Wasser“ geht es weiter. Der Mann aus der letzten Reihe war dafür an der Tafel. „Sind“ muss er unterstreichen. Eine Person ist im Wasser, mehrere sind im Wasser. Alles klar?

Münevver Yilmaz-Kaczerowski muss ihren erwachsenen Schülern allerdings nicht nur den Unterschied von Einzahl und Mehrzahl und die verschiedenen Formen von „sein“ nahe bringen. Sie unterrichtet in der Außenstelle der Beruflichen Fortbildungszentrun der Bayerischen Wirtschaft (bfZ) einen Alphabetisierungskurs, das heißt den ersten Kurs verbrachten die Erwachsenen, die vorher teilweise nie oder nur kurz eine Schule besucht hatten, mit dem Erlernen der Buchstaben. So lernen sie Deutsch und Lesen und Schreiben.

Im bfZ in Krumbach gibt es derzeit zwei Alphabetisierungskurse für Zuwanderer und Flüchtlinge, mit jeweils 14 und 15 Teilnehmern. Außerdem finden dort zwei Integrationskurse mit 25 und 18 Teilnehmer statt. „Erwachsene von 23 bis 62 Jahren, aus Syrien, Eritrea, Rumänien, Ungarn, Thailand, China, der Türkei, Russland, Serbien...“, beschreibt Claudia Cervenka, die Leiterin der Außenstelle, die Bandbreite der Teilnehmer. „Die einen wollen später studieren, die anderen wollen nur einkaufen können“, erläutert sie weiter. Das bedeute „viel Mühe“ für die Lehrkräfte, die dem gerecht werden wollten. Um die unterschiedlichen Herkunftsländer ist sie jedoch froh, da die Teilnehmer so gezwungen sind, Deutsch miteinander zu reden. Eine andere gemeinsame Sprache haben sie nicht. Ansonsten ist es so wie wohl auch sonst im Leben: Manche lernen leicht und schnell, andere tun sich schwer mit Sprache, viele seien willig und eifrig, aber es gebe immer auch einen, der versuche sich durchzumogeln.

Teil der Kursgebühr muss aus der eigenen Tasche bezahlt werden

Wer ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland will, brauche jedoch unter anderem den Nachweis für einen Deutschtest, mindestens auf dem Niveau B1, und muss einen Test in politischer Bildung absolvieren, erläutert Monika Steinle, die in der Außenstelle die Seminarleitung hat. Auch viele Arbeitgeber würden den Deutschtest auf der Ebene A2/B1 verlangen, weiß Außenstellenleiterin Cervenka. In bestimmten Berufen, wie etwa der Altenpflege, werde ein höheres Sprachniveau (B2) verlangt. Für ein Studium müssen die Kenntnisse noch weiter reichen. Sprachenlerner beginnen mit dem Niveau A1, weiter geht es mit A2, B1, B2, C1 und dann C2. Um das Niveau B1 zu erreichen, geht man von 600 Stunden Deutschunterricht aus. Dazu kommen 100 Stunden Orientierungskurs. Je nachdem, muss zumindest ein Teil der Kursgebühr aus der eigenen Tasche bezahlt werden. In den Kursen im bfZ geht es jedoch nicht nur um Sprache. Was Claudia Cervenka und Monika Steinle sofort klarstellen: Der gegenseitige Respekt muss da sein, von Anfang an. Regeln, die in Deutschland herrschen, müssen von allen akzeptiert werden. Für Männer, vor allem aus dem arabischen Raum, sei es nicht immer einfach hinzunehmen, dass Frauen in Deutschland auf der gleichen Stufe wie Männer stehen. Das werde jedoch gleich klargestellt.

Und auch Disziplin werde geübt. „Ich erwarte, dass alle jeden Tag da sind. Wer krank ist, muss eine Krankmeldung bringen“, stellt Monika Steinle klar. „Wir üben Arbeitsleben“, sagt Claudia Cervenka. Steinle ergänzt: „Ich will, dass die da raus gehen und etwas gelernt haben.“ Auf einer Linie sei das bfZ mit Jobcenter und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Das helfe bei der Umsetzung. Ein Poster mit den Gruppenregeln, wie etwa „kein Mobbing“, „keine Beleidigungen“ oder „pünktlich sein“, hängt zur Erinnerung in den Kurszimmern.

Im Integrationskurs von Andrea Schmid-Kuhn geht es dann auch richtig zur Sache. Eine Diskussion über das Thema „Gesamtschule“ steht auf der Tagesordnung. Die Kursteilnehmer sollten Stellung beziehen. „Müssen denn alle alles lernen und müssen alle wissen, was ein Logarithmus in der Mathematik ist“, fragt eine Teilnehmerin, die in ihrer Heimat eine Gesamtschule besucht hat und nichts für das Konzept übrig hat. Andere sehen die Gesamtschule als Chance für alle.

Weiter geht die Diskussion im Kurs in Richtung, ob Kinder den ganzen Tag in der Schule betreut werden sollen. Sehr unterschiedlich präsentieren sich auch hier die Meinungen. „Ich sehe die Kinder dann den ganzen Tag nicht“, sagt ein Mann. „Wenn du arbeitest, musst du aber Babysitter zahlen“, hält eine andere Teilnehmerin dagegen. Im Alphabetisierungskurs wird noch nicht diskutiert. „Das ist Opa“, aber „das ist Opas Bart“, erklärt Münevver Yilmaz Kaczerowski. „Das ist Paul“, „das ist Pauls Brille“, geht es weiter. Die Kursteilnehmer sollen jetzt selber Sätze bilden.

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