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Neuburg/Kammel

03.07.2020

Wie zwei Mädchen eine Wasserfledermaus in Neuburg retteten

Sahra (links) und Ronia retteten mithilfe eines Floßes eine Wasserfledermaus aus misslicher Lage in Neuburg/Kammel.
Bild: Sonja Eser

Plus Eine Fledermaus zappelte in einem Baum an einem Angelhaken über der Kammel. Der Angelhaken hatte die Lippe des Tiers durchbohrt. Wie die Rettungsaktion lief.

Zwei zwölfjährige Freundinnen machten in Neuburg in der Nähe des Kammelstrandes vergangene Woche eine erstaunliche Entdeckung. An einem Ast mitten über der Kammel sahen Sahra und Ronia in knapp zwei Metern Höhe über dem Wasser an einem Angelhaken etwas baumeln. Hin und wieder zappelte das unbekannte Etwas. Kurzerhand begaben sie sich auf ein kleines am Ufer gelegenes Floß und ruderten in Richtung Flussmitte. Sie wollten herausfinden, ob sie dem Wesen helfen können.

Es war ein schwieriges Unterfangen und ein richtiger Balanceakt, das Floß auf der richtigen Position zu halten und sich gleichzeitig so hoch zu strecken, dass die Angelschnur mitsamt dem Tierchen zu erreichen war. Schließlich gelang es den Mädchen, die Schnur zu greifen, ein kleiner Ast brach ab, wodurch sich die Angelschnur entwirrte. Die Fledermaus flatterte mitsamt der Angelschnur auf einen weiter unten gelegenen Zweig. So konnten die beiden das kraftlose Tier, in dessen Lippe fest der Angelhaken steckte, auf das Floß bergen.

Der Papa half bei der "Operation" des Tieres

Zurück an Land versuchten die beiden Mädchen vorsichtig, die Fledermaus vom Angelhaken zu befreien. Als dies nicht gelang, kamen Sahras Geschwister Jule und Lenni mit einer Schere und einem Kübel zu Hilfe, durchtrennten die Angelschnur, legten das Tierchen vorsichtig in den Kübel und transportierten es zu ihrem Vater, der mithilfe einer Zange den Angelhaken entfernen konnte, ohne dass das Tier Schaden nahm.

Wie zwei Mädchen eine Wasserfledermaus in Neuburg retteten

Das Kinderrettungskommando brachte die Fledermaus dann wieder in die Nähe des Fundortes an der Kammel und setzte sie auf einen Ast, auf dem sich das Tier sogleich in die typische Schlafstellung begab und dort den ganzen Tag über in leicht veränderten Positionen im Schatten und Schutz des Dickichts verharrte.

Am nächsten Morgen war die Fledermaus nicht mehr da

Da die Fledermaus am nächsten Morgen fort war, gehen die Kinder davon aus, dass sie sich von ihrer Gefangenschaft gut erholt hat und nachts wieder aktiv geworden ist – in Freiheit. Die Rettungsaktion war geglückt.

Diese kleine Wasserfledermaus hing an einer abgerissenen Angelschnur an einem Angelhaken, der sich durch ihre Lippe gebohrt hatte. Zwei zwölfjährige Mädchen bargen in Neuburg/Kammel das Tier und befreiten es aus seiner misslichen Lage. Es handelt sich um ein adultes Tier.
Bild: Sonja Eser

„Die Mädchen haben absolut richtig gehandelt und haben ein Herz für Tiere gezeigt“, freut sich der Naturschutzbeauftragte am Landratsamt Günzburg, Ottmar Frimmel über die Rettungsaktion. Die Mädchen hatten nach einem Bericht in unserer Zeitung zunächst gedacht, es handle sich um eine Mopsfledermaus, die sie gerettet haben, aber Frimmel hat das Tier nach dem Foto eindeutig als Wasserfledermaus, eine Waldfledermausart, bestimmt. Die Fledermausbestimmung sei nicht so einfach, erklärt Frimmel. Es gebe Merkmale im Gesicht und auch die Ohren seien zur Bestimmung wichtig. Der Lebensraum helfe auch bei der Bestimmung der Art, so jagten Abendsegler etwa weit oben. Wissenschaftler bestimmen Fledermäuse oft über Netzfänge, wonach die Tiere dann sehr genau angeschaut werden können. Oder sie bestimmen mit technischem Gerät die Rufe der Tiere, die sich in den Frequenzhöhen unterscheiden.

Wo die Wasserfledermaus jagt

Wasserfledermäuse seien bei uns recht häufig, leben in Gewässernähe und jagen dicht über dem Wasser fliegend Insekten. Da sei es sehr plausibel, dass die gefundene Fledermaus von dem Angelhaken erwischt worden sein kann. Auch Frimmel denkt, dass das Tier überlebt haben dürfte. Man sehe auf dem Foto zwar nicht, ob es ein männliches oder weibliches Tier sei, doch sei das Zurücksetzen ins Revier richtig. Ein Weibchen versorge nämlich mitunter dort noch ein Jungtier, das im Quartier hänge und auf die Versorgung durch das Muttertier warte. Käme das Muttertier nicht zurück, verende das Jungtier.

Frimmel rät, wenn jemand verletzte oder vermeintlich verlassene Tiere findet, zunächst einmal die Finger wegzulassen und einen Fachmann zu kontaktieren. Jungvögel etwa würden auch außerhalb des Nestes von den Elterntieren versorgt, und sollten nicht angefasst werden, damit sie ihren Eigengeruch behielten. Natürlich komme es vor, dass Katzen diese dann fingen, genau so wie Fledermausjungtiere. „Das aber sei dann der Lauf der Natur.“ Wer Fragen rund um solche Tierfunde hat, wird von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Günzburg beraten und gegebenenfalls an den richtigen Experten weitergeleitet.

Wo verletzte Fledermäuse gepflegt werden

Im Falle von Fledermäusen gebe es etwa die Fledermausauffangstation auf Gut Morhard (Landsberger Straße 144, 86343 Königsbrunn, Telefon 08231/3406666), die sich um verletzte Tiere kümmere, auch wenn diese, etwa nach Flügelbrüchen, nicht wieder ausgewildert werden können.

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