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28.01.2020

Wohin mit der Gülle im milden Winter?

Bio-Bauer Franz Donderer demonstriert hier das derzeit aktive Bodenleben. Regenwürmer würden sich über „natürliche Nahrung“ freuen und sie in die Erde einarbeiten.
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Bio-Bauer Franz Donderer demonstriert hier das derzeit aktive Bodenleben. Regenwürmer würden sich über „natürliche Nahrung“ freuen und sie in die Erde einarbeiten.
Bild: Karl Kleiber

Ansicht Warum dürfen Landwirte nicht Gülle ausbringen, wenn es günstig ist? Kritik eines Bio-Bauern

Aichen/Landkreis Wie Biobauer Franz Donderer aus Aichen, so fahren gerade in den letzten Januartagen viele Landwirte unter großem Ärger und mit enormem Diesel- und Geldaufwand ihre Gülle von einer Grube zur anderen. Grund für diese Aktivitäten ist, dass viele Hofgruben randvoll sind und somit die Gülle zur weiteren Lagerung in Flur- oder oft weit entfernte Mietgruben verfrachtet werden müsse, da die Ausbringung von November bis Februar per deutscher Dünge-Verordnung verboten ist. So erzählt es der aufgebrachte Bio-Bauer in einem Gespräch.

Unter den Landwirten herrscht Aufruhr. Landauf, landab protestieren die Bauern, treffen sich zu Demonstrationen. Vor allem gegen die aus ihrer Sicht überbordenden Regulierungen richtet sich die Wut. Zumal viele der neuen Regeln und Verordnungen am eigentlichen Ziel vorbeigingen, wie Donderer, Biolandbau-Pionier aus Aichen mit 39-jähriger Erfahrung, erzählt. So sei die dreimonatige Güllesperrfrist nicht mehr zeitgemäß und haltbar.

„Schauen Sie doch mal raus. Das Bodenleben ist aktiv. All die Lebewesen im Boden arbeiten den Dünger ein und die Pflanzen lagern den in den Wurzeln ein“, sagt Donderer. Wegen der Sperrfrist dürfen die Bauern jetzt aber keine Gülle oder anderen Dünger ausbringen. Die Gülle werde ja nicht weniger, nur weil sie zwischen November und Februar nicht mehr ausgebracht werden dürfe. „Ziel wäre daher, unseren eigenen Dünger zeitgemäß sinnvoll einsetzen zu dürfen“, fordert Donderer. Der Boden sei jetzt aktuell voll aufnahmefähig und ausreichend befahrbar. Die Gülle könnte deshalb gut auf Wiesen, Kleegras und teilweise auch auf Getreide ausgebracht werden. Grund, dass zwischen November und Februar keine Gülle ausgebracht werden dürfe, sei eine Verordnung, die am Schreibtisch von Politikern festgelegt wurde, zitiert Donderer. Genauso gut, meint er weiter, könnten sich die Bauern im Computer selbst vorschreiben, dass nur zwischen dem 5. und 15. Mai Heu und Silage gemäht werde, und zwar keinen Tag vorher oder nachher. Und das nicht bayern-, sondern deutschlandweit.

Wohin mit der Gülle im milden Winter?

„Wer weiß, was für ein Wetter wir in den nächsten Tagen oder Wochen haben? Es können ausgiebige Niederschläge kommen und der Boden ist wochenlang nicht befahrbar und aufnahmefähig.“ Donderer und viele Kollegen sind deshalb der Meinung: Es würde voll genügen, wenn man festlegt, dass bei tiefgefrorenem Boden, stark schneebedeckten Feldern und wassergesättigten Böden keine Gülle ausgebracht werden dürfe. Diese Verordnung müsste aber ohne zeitliche Begrenzung gelten, damit jeder Bauer selbst entscheiden könne, wenn er mit seinem Güllefass fahre.

Die Landwirte aber müssten sich an eine starre und unsinnige Regelung halten. Sei die Sperrfrist beendet, führen alle Bauern auf einmal Gülle. Komme es dann zu ergiebigen Niederschlägen, gelangten diese in Bäche und Flüsse, was der Umwelt enorm schade, außerdem sei durch die Abschwemmung die Düngewirkung auch dahin.

Interessant sei auch, dass Beamte sowie Vertreter des Bauernverbandes, die mit der Gülleverordnung vertraut seien, den Unsinn dieser Regulierung erkannt hätten, sich aber nicht zu monieren trauten, brachte Donderer zum Ausdruck. Aber auch kompetente Politiker, die er schon mehrfach angeschrieben habe, seien nicht in der Lage oder sie wollten die Verordnung nicht praxisgerecht ändern.

Abschließend zieht Bio-Bauer Franz Donderer folgendes Resümee: „Eine gute Gülle, wenn sie richtig und zeitgerecht eingesetzt wird, ist ein wichtiger und wertvoller Naturdünger für jeden Landwirt.“ (kk)

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