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  3. Krumbach/Nantes: Autor Nicolas Herbert: "Deutsche und Franzosen haben mehr gemeinsam, als viele glauben"

Krumbach/Nantes
28.01.2023

Autor Nicolas Herbert: "Deutsche und Franzosen haben mehr gemeinsam, als viele glauben"

Der französische Autor Nicolas Hebert vor dem Krumbacher Weiskopfhaus. Dort lebten seine Großeltern und seine Mutter. 
Foto: Peter Bauer

Plus Nicolas Hebert, französischer Autor mit Krumbacher Wurzeln, über den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag von 1963 und seine Bedeutung heute.

Vor 60 Jahren wurde der Elyséevertrag in Paris von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle unterzeichnet. Den Elyséevertrag nennt man auch den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Herr Hebert, Sie haben eine besondere Beziehung zu Deutschland, insbesondere zu Krumbach. Können Sie diese beschreiben?

Nicolas Hebert: Meine Mutter war Deutsche und hat ihre Kindheit und Jugend in Krumbach verbracht. Ihr Leben lang hat sie uns, meinen beiden älteren Brüdern und mir, alles verschwiegen, was sich um ihr Leben in Deutschland gedreht hat. Als ich begann zu studieren, ist der Wunsch in mir entstanden, dieses Schweigen aufzuklären. Als meine Mutter im Jahr 2010 starb, habe ich mich auf Spurensuche gemacht. Ich war inzwischen Deutschlehrer, was die Recherchen erleichtert hat. Im Winter 2010 bin ich mit Lilo, einer mir bis dahin unbekannten Cousine, nach Krumbach gekommen. Es war Dezember, bitterkalt, Schnee bedeckte die Straßen, und ich kannte niemanden. Dank Lilos Hilfe und der Erklärungen des Journalisten Peter Bauer habe ich mir ein erstes Bild von Krumbach und von der Vergangenheit meiner Mutter machen können. Das war meine erste Erfahrung als "Suchender" in Bayern.

Vor 20 Jahren wurde der "Deutsch-Französische Tag" an den Schulen etabliert. In Deutschland gibt es an diesem Tag viele Aktivitäten, zum Beispiel wird an weiterführenden Schulen im Unterricht aktuelle französische Musik vorgestellt, oder es werden Rezepte aus dem Nachbarland ausprobiert. Gibt es so etwas auch in Frankreich?

Hebert: Nein, an meiner Schule wird so etwas nicht praktiziert. Man kann es natürlich bedauern, aber in den Schulen wird lokal nichts unternommen. Erinnerungsaktivitäten gibt es zwar auf regionaler Ebene, diese sind für die Schülerinnen und Schüler aber zu abstrakt, und meiner Meinung nach ist das irgendwie künstlich. 

Sie selbst haben sich in dem Roman "L'Homme de Krumbach" mit ihrer Familiengeschichte und dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt. Spielen die Weltkriege heute noch eine Rolle bei den Jugendlichen in Frankreich?

Hebert: Die Zeit der deutsch-französischen Feindschaft, wie ich sie als Kind in den 60er-Jahren gekannt habe, ist zum Glück Vergangenheit. Die Jugendlichen von heute interessieren sich nicht mehr für die beiden Weltkriege oder für die damalige Feindschaft zwischen unseren beiden Völkern. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Studentinnen und Studenten kennen die historischen Fakten und diese bleiben nun da, wo sie bleiben müssen, sie gelten nicht mehr als Triebfeder für Hass und Misstrauen. 

Nicolas Hebert im Alter von acht Jahren mit Lederhose.
Foto: Archiv Hebert

Seit 1963 fördert das Deutsch-französische Jugendwerk (DFJW) mit Austauschaktivitäten und gemeinsamen Projekten Begegnungen zwischen jungen Deutschen und Franzosen. Gibt es bei Ihnen Austauschprojekte, oder haben Sie selbst an einem Austausch teilgenommen?

Hebert: Bei mir an der Schule gibt es das nicht, aber sonst gibt es sehr viele Austauschaktivitäten. Nur die Corona-Krise hat drei Jahre lang diese wunderbaren Initiativen gebremst. Ich habe selbst vor Jahren das Austauschprogramm "Brigitte Sauzay" als Lehrer gefördert. Die Schülerinnen und Schüler, die daran teilgenommen haben, haben an Erfahrung, Reife und Freunden gewonnen. Jetzt habe ich keine Zeit mehr, und mir fehlt nun die notwendige Energie dafür.

Wann und wo waren Sie selbst zum ersten Mal in Deutschland?

Hebert: Es war in Bayern, in der Nähe von München. Ob es am Schliersee oder am Starnberger See war, bleibt fraglich. Ich war erst zwei oder drei Jahre alt, und jedes Jahr im Sommer fuhren wir, meine Mutter, meine Brüder und ich, exklusiv dorthin. 

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In letzter Zeit gibt es in der Pariser Szene einen Anstieg bei Restaurants, die den Klassiker Döner Kebab nach "Berliner Art" anbieten. Haben Sie ein deutsches Lieblingsessen? Was halten Sie von Berliner Döner in Paris?

Hebert: Von Berliner Döner in Paris weiß ich nichts. Es ist auch nicht mein Lieblingsessen. Ich mag Bratwurst im Sommer, Currywurst in Berlin (mit wenig Ketchup!), Landjäger und vor allem Gemüse und Obst aus ganz Deutschland, zum Beispiel Himbeeren.

Lydia Schneider (1933 bis 2010).
Foto: Sammlung Hebert

In Deutschland hat das Erlernen der französischen Sprache schon immer polarisiert. Das DFJW ließ durch das Institut Kantar Public eine Umfrage unter 16- bis 25-Jährigen beider Länder durchführen. Die Mehrheit der Befragten zeigte eine positive Einstellung gegenüber dem Nachbarland und bezeichnete die bilateralen Beziehungen als wichtigen Wert in einer unsicher gewordenen Welt. An der Sprache jedoch sind die jungen Menschen weniger interessiert. Im Schuljahr 2021/2022 wählten nur noch 147.000 jungen Französinnen und Franzosen Deutsch als erste Fremdsprache, gegenüber 600.000 im Jahr 1995. Können Sie diese Entwicklung bestätigen, und was war Ihr Beweggrund, die deutsche Sprache zu erlernen?

Hebert: Leider stimmt es: Immer mehr französische Schüler entscheiden sich für das Erlernen der spanischen Sprache auf Kosten der deutschen. Das finde ich schade, weil wir Deutschen und Franzosen viel mehr gemeinsam haben und teilen können, als die Mehrheit der Schüler denkt.

Sie haben drei erwachsene Kinder. Welche Beziehung haben Ihre Kinder zu Deutschland und zur deutschen Sprache?

Hebert: Mein älterer Sohn Jules spricht gut Deutsch und arbeitet bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Paris, einer grünen politischen Stiftung mit den Schwerpunkten Ökologie, Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte. Für ihn ist Deutsch nicht nur eine Arbeitssprache, die Sprache ist für ihn auch mit seinen familiären Wurzeln verbunden. Mein zweiter Sohn Augustin und meine Tochter Marguerite verstehen Deutsch und verbringen meistens ihre Ferien in Baden-Baden. Deutsch ist eine zweite Kultur für sie.

In den Jahren 2016 und 2017 waren Sie beim Literaturherbst in Krumbach als Autor zu Gast. Vier Jahre später haben Sie gemeinsam mit Ihren Kindern Urlaub in Krumbach gemacht. Was wird Ihnen von diesen Aufenthalten in Erinnerung bleiben?

Hebert: Nur Gutes. Meine erste Erfahrung 2010 in Krumbach wirkte wie ein notwendiges Erdbeben. Mein zweiter Besuch 2016 war viel ruhiger und auch bereichernder: Da habe ich Freunde gewonnen. Daher wollte ich im Sommer 2021 nach Krumbach zurückkommen, diesmal mit meinen Kindern, damit sie sehen, wo ihre Großmutter gelebt hat. Mir war es wichtig, dass sie die bayerische Stimmung, die deutsche Atmosphäre wahrnehmen, ganz konkret, nicht nur aus meinen Erzählungen oder aus Büchern. Meine Kinder haben somit die Krumbacher Lebensweise erleben können: Biergarten beim Diem, Freibad, und Eis beim Italiener in der Karl-Mantel-Straße. Das Tolle daran war, dass eine Freundin von mir uns ihr Haus zur Verfügung stellte, sodass wir wie "Krumbacher" leben konnten. Ein anderes Erlebnis hat mich auch gerührt: Als ich im Jahr 2016 anlässlich der Lesung meines Buches in Krumbach war, hat mir eine Frau auf der Straße zugerufen: "Sind Sie der Franzose?" Ihr Vater hatte meine Mutter, als sie vier oder fünf Jahre alt war, gekannt. Ich habe mich dann mit dem Vater unterhalten. Was er mir erzählt hat, aus der Perspektive des Kindes, das er damals war, hat mich durchdrungen. Ich erfuhr zwar nur Kleinigkeiten über meine Mutter, aber diese Details waren sehr wichtig für mich.

Zur Person:
Herkunft: Nicolas Hebert ist am 1. Mai 1960 in Paris geboren. Seinen Großvater Hans Paul Schneider beschreibt er in seinem Buch "L'Homme de Krumbach". Im Krieg war Schneider Fluglehrer bei Niederraunau. Dort wurden Angehörige der HItlerjugend mit einfachen Segelfluggeräten ausgebildet. Heberts Mutter ist Lydia Schneider, die in den 50er-Jahren von Krumbach als Au-pair-Mädchen nach Großbritannien, dann nach Frankreich ging. Sie ist 1933 in Planegg geboren, lebte etliche Jahre in Krumbach. 1954 kam sie nach Paris und lernte dort ihren späteren Mann kennen. Sie starb 2010 in Paris. Ihr französischer Mann wird im März 97 Jahre alt, er arbeitete als "pigiste" (freier Journalist) für mehrere Zeitungen. Hebert hat zwei ältere Brüder (67 und 66 Jahre alt). Ausbildung/Beruf: Der deutsche Teil seiner Biografie blieb für Nicolas Hebert lange im Dunkeln. Wohl auch deshalb studierte er Germanistik an der Universität Sorbonne/Paris. Er lebt seit vielen Jahren in Nantes, unweit der französischen Atlantikküste und ist inzwischen Autor mehrerer Romane in französischer Sprache. Er unterrichtet dort Deutsch an einem Gymnasium und an der örtlichen Universität. Familie: Nicolas Hebert hat zwei Söhne (31 und 22 Jahre alt) und eine Tochter (18 Jahre alt). 

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