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Theater Augsburg

08.10.2017

Augsburg hat jetzt einen "Tatort": So war die Premiere

Klaus Müller l. und Natalie Hünig als Kommissare Weber und Bruch im ersten Augsburger Theater-Tatort.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Im TV läuft bisher kein "Tatort" aus Augsburg - aber von nun an auf der Bühne. Dabei mischen die Augsburger Stadtteile kräftig mit und die Zuschauer sind ins Stück integriert.

Über die breit klaffende Lücke, die ein fehlender regelmäßiger Augsburg-„Tatort“-Krimi bislang riss, baut jetzt das Theater am Lech eine Brücke. In Folge 1 wird allgemein und durchlässig „Zu neuen Ufern“ gestrebt – so der Titel: Ein Musentempel öffnet sich dem Verbrechen und der Fahndung (sowie dem Lokalpatriotismus) und die Augsburger Stadtteile wiederum werden sich der Reihe nach der aufklärerischen Schauspielkunst öffnen.

Also „zu neuen Ufern“. Zwei Kriminalkommissare werden nach Augsburg beordert, auf dass sie Licht bringen mögen in das Dunkel um einen Mord an einer Kollegin im Polizeipräsidium Gögginger Straße. Der Polizeipräsident indes gibt sich – naturgemäß? – alle Mühe, die Ermittlungen zu behindern. Zupass kommt ihm da ein frischer Toter in Augsburgs Unterwelt, im Unesco-Kulturerbe-trächtigen Kanalsystem der City. Jetzt sind die zwei Kommissare erst mal damit beschäftigt.

Und so jagt das 80-köpfige Publikum dem mutmaßlichen Mörder des Unterwelt-Toten von der Hoffmann-Keller-Bühne über den Ernst-Reuter-Platz bis ins Viertel Lechhausen hinterher – nachdem Kommissar Weber kraft Amtes kurzerhand einen Stadtbus beschlagnahmte. Am Rande der Ermittlungen, die in den Straßenschluchten der Stadt von so manchem Auto gekreuzt werden, stellen sich lauter kleine Augsburger Pro-Seminare ein: über die Breze an sich, über das mittelalterliche Wassersystem, über Kaiser Maximilian I., über das Theater und das ehemalige Schlößle in Lechhausen. Da kannste was erfahren.

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Augsburger Theater macht den besseren "Tatort"

Aber jetzt mal im vollsten Ernst: Wer die durchschnittliche Durchschnittlichkeit der TV-„Tatort“-Dialoge kennt, der fährt mit dem Augsburger Theater-„Tatort“ deutlich besser. Witz, Hintersinn, schwarzer Humor und Eigenironie sind verknüpft (Buch Andreas Hillger). Man hat was zu kichern. Publikumskommentar auf dieser Schnitzeljagd für Fortgeschrittene: „Das ist das Beschte!“

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Und die Hauptakteure geben ja auch wundersam skurrile Figuren ab. Ein Schauspielergewinn für Augsburg dürfte Natalie Hünig als Kommissarin Bruch sein: Die lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, die lässt sich nicht über den Mund fahren. Kollege Klaus Müller (Kommissar Weber) macht den Antipoden: empathisch, beruhigend, weich, letztlich erfolgreicher. Und Katharina Rehn als promovierte Kanalsystem-Stadtführerin Thielemann versammelt – fast zu klischeehaft – die vermeintlichen Züge von Geisteswissenschaftlern: hypernervös, konfus, missionarisch eifernd im eigenen Metier.

Krimi erhält Einzug nach Augsburg

Womit wir bei den letzten Dingen dieser flüssigen und technisch versierten Krimi-Inszenierung von David Ortmann sind: beim christlichen Glauben. Er spielt keine geringe Rolle auf dem hier präsentierten Weg von Schuld und Sühne. Abgesehen davon, dass beinahe ein bedeutender Kreuzzug-Reliquien-Schatz geborgen wird, abgesehen davon, dass Kommissar Weber seine Ermittlungen ungeheuer bibelfest unterfüttert: Die letzte Szene führt zum Showdown auf die Altarstufen der Lechhauser Kirche St. Petrus.

Ergo: Nicht nur das Theater öffnet sich und dazu so mancher Stadtteile, auch die evangelische Kirche macht Tür und Tor hoch und weit, auf dass der Krimi Einzug halte. Adveniat, Tatort!

Info: Die bislang angesetzten sieben weiteren Abende sind alle ausverkauft.

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