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Autorentreffen

12.01.2020

Büchnerpreisträgerin Terézia Mora im Gespräch in Irsee

Auf eine famose Schriftstellerkarriere kann Terézia Mora zurückblicken. Beim Irseer Pegasus schilderte sie ihren ungewöhnlichen Weg.
Bild: Mathias Wild

Büchner-Preis-Trägerin Terézia Mora kam als Schriftstellerin erst spät zum Schreiben. Beim Irseer Pegasus analysiert sie ihren literarischen Weg.

„Was ist das für eine fiese Geschichte?“ Terézia Moras erste Begegnung mit deutscher Literatur im Original war vielleich nicht angenehm, aber nachhaltig. 1988, mit 17 Jahren, las sie Günter Grass’ Roman „Die Rättin“ auf Deutsch und machte sich oben zitierten Reim darauf. 1997 veröffentlichte die aus Ungarn stammende Mora den ersten literarischen Text in der Sprache ihres Gastlandes Deutschland, und 2018 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis. Bei der literarischen Matinee zum Abschluss des 22. Autorentreffens „Pegasus“ der Schwabenakademie im ehemaligen Benediktinerkloster Irsee bei Kaufbeuren kommentierte sie diese famose Schriftstellerkarriere selbstbewusst, aber auch sehr analytisch.

Im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedern der deutschen Minderheit in Westungarn wurde bei der 1971 in Sopron geborene Mora zu Hause auch zu kommunistischen Zeiten Deutsch gesprochen. Einen wichtigen Beitrag für ihr Interesse an Literatur allgemein habe auch „der Sozialismus“ geleistet: „Es gab Dorfbibliotheken, es gab Dorfbuchläden und für gute schulische Leistungen gab es Bücher.“ Die Kombination aus Katholizismus und Kommunismus – „ein ganz spezielles k.u.k.“ – sorgte dennoch dafür, dass sie ihr Dorf am Neusiedler See bald hinter sich ließ und kurz vor der deutschen Wiedervereinigung nach Berlin ging, wo sie heute noch lebt. Vielleicht die ideale Zeit und der ideale Ort, um „neue Perspektiven des Deutschen“ zu entdecken. Denn „als eine ganze Generation einen neuen Weg suchte“, habe dies auch interessante Auswirkungen auf die Sprache und die Literatur gehabt.

Den Blick von außen auf das Schreiben hat sich Mora bewahrt

Sie studierte Theaterwissenschaften und ließ sich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie zur Drehbuchautorin ausbilden. Die Schriftstellerei sei für sie lange keine Option gewesen: „Ich wusste nicht, dass mir das erlaubt ist. Der ungarische Autor ist ein Mann und er ist Dichter“, berichtete sie in Irsee. Vor allem um sich etwas dazuzuverdienen, beteiligte sich Mora im Alter von 26 Jahren mit einer Erzählung am Open-Mike-Wettbewerb in Berlin, gewann ihn und erhielt sogleich einen Vertrag mit einem Verlag. Zwei Jahre später siegte sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, obwohl sie zeitgleich noch ein Filmprojekt fertigstellen musste. Diesen Blick von außen auf das Schreiben und auch auf das Deutsche hat sich Mora bewahrt, wie etwa ihr Essay „Über das Liebesleben in der Natur“ eindrucksvoll beweist.

Der von ihr in Irsee vorgetragene Text besteht fast ausschließlich aus Fragen – zum literarischen Setting des Werkes, aber auch zu ganz existenziellen Dingen. „Geschichten sollten nur so weit gehen, dass sie noch Fragen offen lassen“, sagte die Literatin – auch an die Nachwuchsschriftsteller gerichtet, die heuer zum Pegasus eingeladen waren. Eine Fachjury, darunter auch Mora, hatte aus über 200 eingereichten, bisher unveröffentlichten Texten 15 ausgewählt und deren Autoren ein Wochenende lang zum intensiven Austausch ins Allgäu eingeladen. Am Ende vergaben die Teilnehmer den mit 2000 Euro dotierten Preis des Autorentreffens an Ilija Matusko aus Berlin. Der 39-Jährige überzeugte mit seiner Kurzgeschichte „Jovan“ über den Hausmeister einer kinderpsychiatrischen Klinik, der besondere Beziehung zu einem jugendlichen Patienten und seinem Laubbläser pflegt. In ihrer Laudatio hoben Matuskos Kollegen vor allem „Behutsamkeit“ und „Poesie“ des Textes hervor.

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