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Film-Kritik und Trailer

31.10.2019

"Das perfekte Geheimnis" unterhält - und geht in die Tiefe

Alle am Handy (von links): Bianca (Jella Haase), Simon (Frederick Lau), Pepe (Florian David Fitz), Leo (Elyas M’Barek), Rocco (Wotan Wilke Möhring), Eva (Jessica Schwarz) und Carlotta (Karoline Herfurth).
Bild: Constantin

Bei "Das perfekte Geheimnis" legen sieben Freunde ihre Smartphones in die Tischmitte, damit jeder alles erfährt. Hier lesen Sie unsere Film-Kritik.

Mit der Fernseh-Serie „Türkisch für Anfänger“ und vor allem durch die dreiteilige Schulkomödie „Fack Ju Göhte“ mit insgesamt 20,7 Millionen Zuschauer gehört Bora Dagtekin zu Deutschlands erfolgreichsten Regisseuren. Mit seinem neuen Film „Das perfekte Geheimnis“ bleibt Dagtekin zwar der Komödie treu, begibt sich allerdings in einen ganz anderen sozialen Mikrokosmos: Schluss mit prolligen Jugendlichen und Schulhof-Geplänkel, hinein ins bürgerliche Establishment.

Hauptaustragungsort des Kammerlustspiels ist eine noble Münchner Dachgeschoßwohnung, in die Schönheitschirurg Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Psychologin Eva (Jessica Schwarz) zum Abendessen geladen haben. Rocco kocht gern und schlecht. Aber das macht nichts. Schließlich haben er und seine Freunde Leo (Elyas M’Barek), Pepe (Florian David Fitz) und Simon (Frederick Lau) bereits in der dritten Klasse einen Blutsbrüderschwur abgelegt, den sie auch als Erwachsene noch hochhalten. Mit am Tisch sitzen auch Leos Ehefrau Carlotta (Karoline Herfurth) sowie Bianca (Jella Haase), die als Simons Verlobte erst kürzlich in den Kreis aufgenommen wurde.

"Das perfekte Geheimnis": Die Smartphones offenbaren Geheimnisse

Man witzelt und spöttelt übereinander, wie es eben gute Freunde können. Hier zeigt sich erneut Dagtekins Talent für Dialoge. Im gut geölten Schlagabtausch werden die Figuren und Beziehungen zueinander skizziert. Verbundenheit, aber auch erste Konfliktlinien werden deutlich. Da schaut und hört man gerne zu und setzt sich bereitwillig als unsichtbarer Gast mit an den Tisch.

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Irgendwann, wie so oft an solchen Abenden, kreist das Gespräch um die Omnipräsenz des Smartphones in unserem Alltag. „Das sind die Flugschreiber unseres Lebens“, sagt Eva und schlägt ein Spiel vor: Alle legen ihr Mobiltelefon auf den Tisch. Eintreffende Nachrichten werden sofort vorgelesen und Anrufe auf Lautsprecher gestellt. Eine solch totale Transparenz dürfte in diesem vertrauten Freundeskreis wohl kein Problem sein, wo doch alle immer beteuern, keine Geheimnisse voreinander zu haben.

Mit sichtbarem Unbehagen lassen sich die sieben Freunde auf den Vorschlag ein. Schön, dass wir da nicht mitmachen müssen und dennoch zusehen können, wie mit jeder SMS und jedem Anruf immer neue Wahrheiten ans Licht kommen, die die Vertrautheit von Freundschafts- und Liebesbeziehungen gründlich hinterfragen.

Film-Kritik und Trailer: Überzeugt das "Das perfekte Geheimnis"?

Die Prämisse von „Das perfekte Geheimnis“ stammt aus der italienischen Komödie „Perfetti Sconosciuti“ von Paolo Genovese, die sich 2016 mit 2,6 Millionen Zuschauern in Italien zum echten Exportschlager entwickelte. International wurden die Remake-Rechte verkauft. Dagtekin hat den Stoff mit sicherem Gespür im deutschen Hier und Jetzt vernetzt.

Ihm geht es nicht nur um heimliche Affären und Betrügereien, sondern auch um das Rollenverständnis von Männern und Frauen im #MeToo-Zeitalter, elterliche Verantwortung, Karrieredruck, Homophobie und jede Menge enttäuschtes Vertrauen. Jedoch nicht die Entlarvung bürgerlicher Scheinheiligkeit steht auf dem Menü, sondern die prinzipielle Frage nach der Ehrlichkeit in Paarbeziehungen.

Mit leichter Hand und einem beherzt aufspielenden Ensemble inszeniert Dagtekin die hochdramatische Gruppendynamik. Nur punktuell sackt der Humor auf „Fack Ju Göhte“-Niveau ab, aber insgesamt stimmt die Balance zwischen Unterhaltsamkeit und Tiefe, mit der es hier ans Eingemachte geht.

Wertung: 3 / 5

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