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Salzburger Festspiele 2016

19.07.2016

Dem Ende wohnt bereits der neue Anfang inne

Die Salzburger Festspiele 2016 werden wieder ein kultureller Höhepunkt.
Bild: JFL Photography - Fotolia

Wieder einmal stehen die Festspiele für Oper, Schauspiel und Konzert vor einem Führungswechsel. Ein Österreicher kommt – noch aber prägt in diesem Jahr ein Deutscher das Programm

Verglichen mit den Aufregungen, welche die Bayreuther Wagner-Festspiele gerade wieder zu vermelden hatten – Dirigentenwechsel, Sitzkissenverbot –, geben die Salzburger Festspiele in diesem Sommer das pure Gegenbild ab. So gar nichts Pulsschlagsteigerndes, jedenfalls nichts von Bayreuther Gewicht, weht von den Ufern der Salzach herüber. Und doch liegt auch in Salzburg Spannung in der Luft. Allerdings nicht so sehr wegen des Programms der am 22. Juli beginnenden Festspiele – das Veranstaltungsangebot in diesem Jahr entspricht ganz dem Festivalstandard: routiniert hochwertig – nicht weniger, nicht mehr. Was die Köpfe deshalb viel eher beschäftigt, ist der Blick über die anstehende Spielzeit hinaus ins kommende Jahr.

Doch der Reihe nach. Die Festspiele in diesem Jahr sind die letzten unter der Verantwortung von Sven-Eric Bechtolf. Der Deutsche verabschiedet sich zum Ende der Saison am 31. August aus Salzburg, nachdem er sechs Sommer im Amt war. Erst als Direktor der Schauspiel-Sparte, dann, nach dem verfrühten Abgang des Intendanten Alexander Pereira, als künstlerischer Verantwortlicher für das Komplettprogramm der Spielzeiten 2015 und 2016. Bechtolf steuerte solide, neuartige künstlerische Akzente konnte er jedoch nicht setzen, dazu war wohl auch die Zeit zu kurz.

Was von den Salzburger Festspielen erwartet wird

Dieses künstlerische Surplus, dieses gewisse Etwas, das den ganzen Festspielzauber rechtfertigt, wird jedoch von Salzburg erwartet – vom verwöhnten internationalen Publikum wie auch von den Salzburgern selber. Und dieses Extra-Quantum soll nun Bechtolfs Nachfolger liefern, der Österreicher Markus Hinterhäuser. Der hat reichlich Salzburg-Erfahrung. 2011 war er schon einmal Interims-Intendant nach dem Ausscheiden von Jürgen Flimm. Zuvor, in der Ära von Gerard Mortier, hatte er bereits die Avantgarde-Reihe „Zeitfluss“ konzipiert, später dann, in den Jahren unter Flimm, gestaltete er das Konzertprogramm des Festivals.

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Der selbst als Pianist aktive Hinterhäuser ist ein erklärter Anhänger der Moderne, und genau aus dieser Richtung erhoffen sich viele Opern- und Konzertfreunde Impulse für das Festival. Viele – aber nicht alle: Seit jeher sind die Salzburger Festivalbesucher und alle, die in irgendeiner (geschäftlichen) Form an dem Spektakel partizipieren, gespalten in Modernisten und Traditionalisten. Das weiß der künftige Intendant, und er wird gut daran tun, nicht nur den einen zu geben und die anderen darben zu lassen.

Für Gesprächsstoff sorgt mittlerweile, dass Hinterhäusers erstes Programm zumindest in groben Zügen bereits durchgesickert ist. Dem österreichische Magazin News zufolge soll es 2017 fünf neue szenische Opernproduktionen sowie vier Schauspiel-Neuinszenierungen. Ein zentrales Werk des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts soll darunter sein, aber auch eine Mozart-Oper in Originalklang-Besetzung – Programmpunkte, die von den Traditionalisten eher kritisch beäugt werden dürften. Hinterhäuser soll deshalb, sozusagen als Gegengewicht, einen der Heroen des konservativen Musiktheaters verpflichtet haben, den Dirigenten Riccardo Muti, von dem bekannt ist, dass ihm zeitgenössisches Regietheater ein Greuel ist. Muti soll 2017 Verdis „Aida“ musikalisch verantworten.

Bei all den halb eröffneten Aussichten und aufblühenden Spekulationen scheint das Programm dieses Sommers fast ein wenig in den Hintergrund zu geraten. Was natürlich an Snobismus grenzt, denn Salzburg lässt sich auch 2016 nicht lumpen und bietet große Namen am laufenden Band. Und die schiere Fülle an Oper-, Schauspiel- und Konzertterminen ist auch diesmal wieder kaum zu überblicken. Hier eine Auswahl wichtiger Veranstaltungen.

Was die Oper bringt

Freunde des zeitgenössischen Musiktheaters können sich auch unter der zu Ende gehenden Ägide von Sven-Eric Bechtolf nicht beklagen. Mit „The Exterminating Angel“ des englischen Komponisten Thomas Adés steht nichts weniger als eine Uraufführung ins Haus. Das Stück nach einem Film von Luis Buñuel wird musikalisch vom Komponisten selbst geleitet, Regie führt Tom Cairns. Weitere Neuinszenierungen: Strauss’ „Liebe der Danae“ (Franz Welser-Möst/Alvis Hermanis) sowie Gounods „Faust“. Anna Netrebko steht als Puccinis Manon Lescaut auf der Bühne, allerdings in konzertanter Aufführung. Wieder aufgenommen werden die drei Mozart/Da-Ponte-Opern in den Inszenierungen von Sven-Eric Bechtolf.

Was im Schauspiel läuft

Vor knapp einem halben Jahrhundert machte die Salzburger Uraufführung von Thomas Bernhards Stück „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ Skandal, weil die Festspiele dem Wunsch des Autors nicht entsprachen, während der Aufführung das Notlicht abzuschalten. Bernhard untersagte jede weitere Vorstellung. Jetzt ist das Stück erstmals wieder in Salzburg zu sehen, unter anderem mit Johanna Wokalek. Weitere Neuinszenierungen: Becketts „Endspiel“, inszeniert von Dieter Dorn, sowie Shakespeares „Sturm“ (Deborah Warner). Hofmannsthals obligatorischer „Jedermann“ hat in diesem Jahr ein neues Gesicht zu bieten: Erstmals verkörpert Miriam Fussenegger die Buhlschaft.

Wo der Konzertbesuch lohnt

Eigentlich hätte Nikolaus Harnoncorut Beethovens 9. Sinfonie dirigieren sollen. Doch der große Dirigent starb Anfang März. Nun übernimmt Andrés Orozco-Estrada die Leitung des Concentus Musicus, jenes Ensembles, mit dem Harnoncourt lebenslang verbunden war.

Das komplette Programm gibt es auf der Internetseite der Festspiele: www.salzburgfestival.at. Das Kartenbüro ist telefonisch zu erreichen unter 0043 662 8045 500.

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