Newsticker

Zahl der Corona-Infizierten in München sinkt unter kritischen Wert
  1. Startseite
  2. Kultur
  3. Der Bayreuther "Ring" wird eingemottet

28.07.2010

Der Bayreuther "Ring" wird eingemottet

Der Bayreuther «Ring» wird eingemottet
Bild: DPA

Bayreuth (dpa) - Der Anfang vom Ende ist gemacht: Zum letzten Mal wird bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen die in die Jahre gekommene "Ring"-Inszenierung des Dramatikers Tankred Dorst aus dem Jahr 2006 gespielt.

Dass das "Rheingold" als Auftakt des vierteiligen Bühnenfestspiels in der Deutung des Dichters am Dienstagabend nicht eine Spur routiniert daherkam, ist Christian Thielemann zu verdanken. Der künftige Chefdirigent der Dresdner Semperoper führte das Ensemble sicher und schwungvoll durch das Werk.

Man sieht es dem Auftakt des "Ring des Nibelungen"-Reigens an: Die Inszenierung hat fünf Jahre "auf dem Buckel". Alles sitzt, die Sänger wissen sich auf der Bühne sicher zu bewegen - wenn sie sich denn bewegen. Denn das Manko von Dorsts Regie ist, dass die Protagonisten nicht geführt werden, sie agieren beliebig, ja mitunter unbedarft.

Dieser Mangel wird vom starken Bühnenbild (Frank Philipp Schlößmann) wett gemacht. Der Rhein ist ein breit fließender Strom, auf dessen Grund große runde Kieselsteine liegen. Der liebestrunkene Alberich umarmt einen Stein, als wäre dieser Kiesel eine der Rheintöchter, die in Projektionen nackt durchs Wasser gleiten. Die Götterburg Walhall deutet Dorst als eine Art entlegene S-Bahn- Station samt Graffiti, in der die martialisch weiß gekleideten Götter (Kostüme: Bernd Ernst Skodzig) mehr herumlungern als wohnen.

Der Bayreuther "Ring" wird eingemottet

Alberich, der gnomenhafte Nibelungenherrscher, haust im Heizkraftwerk mit Leitungsrohren und Lüftungsschächten. Doch plötzlich reißt die Wand auf und es öffnet sich ein Erdloch - starke und gegensätzliche Bilder, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Neben Thielemann - für ihn gab es am Schluss frenetischen Applaus - ist Arnold Bezuyen mit seinem lyrischen Tenor in der komödiantisch- hintersinnig interpretierten Partie des Loge längst zum Publikumsliebling avanciert. Auch Andrew Shore als Alberich hatte starke Momente, sein Bariton klingt allerdings mitunter etwas rau.

Christa Mayer glänzt als Erda mit ihrem seidigen Alt in ihrem kurzen Auftritt am Ende. Auch Albert Dohmen als kraftvoll zupackender Wotan sowie die rabaukenhaften Riesen Kwangchul Youn (Fasolt) und Diógenes Randes (Fafner) sind Garanten des Erfolges.

Das im Jahr fünf der Dorst-Inszenierung perfekt aufeinander eingespielte Gesangsensemble vervollständigten Mihoko Fujimura und Edith Haller als Göttinnen Fricka und Freia sowie Ralf Lukas (Donner) und Clemens Bieber (Froh). Wolfgang Schmidt sang den Mime. Als Rheintöchter bezirzten Christiane Kohl, Ulrike Helzel und Simone Schröder den liebestollen Alberich.

Der "Ring" wird bei den diesjährigen Richard-Wagner-Festspielen drei Mal gegeben, danach verschwindet er für zwei Jahre vom Spielplan. 2013 - zu Richard Wagners 200. Geburtstag - steht auf dem "Grünen Hügel" eine Neuinszenierung an - dann vielleicht mit mehreren Regisseuren.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren