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Selenskyj zu EU-Gipfel in Brüssel eingetroffen
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21.08.2017

Die Angst vor der Zukunft

Unheil naht – und was tun wir? Das, was auch Rudolfo Valentino samt Gesellschaft tat auf dem Plakat zum Film „Die vier apokalypischen Reiter“ von 1921?
Foto: akg

Serie Die aktuellen Entwicklungen liefern gewiss reichlich Gründe, sich zu sorgen. Aber all die Warnungen wirken auch wie ein Rausch an möglichen Katastrophen. Warum ist das so?

„Zukünftige Historiker werden dereinst vielleicht in diesem unkoordinierten Durcheinander den Beginn des dritten – längsten und seltsamsten – aller Weltkriege erblicken: eines Krieges, der wegen seiner Allgegenwart einem globalen Bürgerkrieg nahekommt.“

Gemeint ist das Durcheinander von heute. Und nein, das Zitat stammt nicht aus einem von all den Filmen und Romanen, die mit Katastrophen-Visionen Erfolg haben. Das apokalyptische Szenario, das unsere Gegenwart da umwölbt, stammt aus einem Sachbuch, das für seine Hellsichtigkeit derzeit viel gelobt wird. Der britisch-indische Denker Pankraj Mishra beschreibt in „Das Zeitalter des Zorns“ nämlich, wie sich die Widersprüche der Moderne nun zu einem großen, größtes Unheil verkündenden Chaos fügen – Trump, der IS, der Hass, all das.

Er tut das freilich, um zu einer Umkehr zu mahnen, uns Heutige, die noch eine Chance haben, das Unheil abzuwenden: „Der globale Bürgerkrieg steckt tief in uns selbst; eine Maginot-Linie läuft quer durch unser Herz und unsere Seele. Wir müssen unsere eigene Rolle innerhalb einer Kultur überprüfen, die unstillbare Eitelkeit und platten Narzissmus fördert.“

Ein zweites Beispiel: das neue Buch des deutschen Historikers Philipp Blom. Es heißt „Was auf dem Spiel steht“ und führt, farbig, gleich die Schlüsselbegriffe auf: Demokratie, Freiheit, Klima, Menschenrechte, Wohlstand, Toleranz, Arbeit. Im Inneren fasst Blom es mit einem Wort zusammen: „alles“. Er erzählt einleitend sogar noch, wie er nach all den aktuellen Problemen, die er für dieses Werk zusammengetragen hat, innehalten und sich fragen musste: Bin ich nicht hysterisch? Ist das nicht alles durch Angst überzeichnet? So wie es ja gerne den Apologeten der anderen Seite vorgeworfen wird, die je nach Heimat das Abendland, Amerika oder den Islam vor dem Untergang sehen und darum zur Verteidigung rufen …

Blom jedenfalls muss verneinen, dieses Bild zeichnet nicht die Angst, es ist tatsächlich so schlimm, es droht so vieles: das Kippen des Klimas durch unseren Verbrauch, das Kippen des politischen Systems durch verloren gegangene Bindungen, das Kippen der sozialen Marktwirtschaft durch die Automatisierung… Auch Blom bemüht den Blick einer künftigen Historikerin zurück auf unsere Gegenwart und beschreibt deren Fassungslosigkeit angesichts des Befundes: Ihr konntet das alles wissen und sehen – und habt nichts getan?

Denn natürlich geht es auch in diesem Buch darum, dass wir alle, dass die ganze Welt Vernunft annehmen muss. Und dabei, das ist eine feine Pointe Bloms, aus einem Zug unserer Zeit herausfinden, den er mit dem Label „No Future Inc.“ beschreibt. Unser Leben und Wirtschaften ist auf die Gegenwart fixiert. Für die einen zwangsläufig, weil sie darin um ihr Überleben kämpfen müssen – für die anderen aber, weil sie keine positivere Vision mehr haben als die, dass alles noch so lange wie möglich einigermaßen so bleiben soll, wie es ist, weil man dann zumindest nicht zur ersten Gruppe gehört. Wie sollte es da ein Entrinnen geben aus dem Zug dorthin, was Pankraj Mishra als globalen Bürgerkrieg beschreibt?

„Die Geschichte“, schreibt Blom, „ist voller Projekte, die, vor dem Horizont ihrer Gegenwart betrachtet, als absurd und unmöglich galten, dann aber – oft erstaunlich schnell – Wirklichkeit wurden, von der Idee der Gleichheit und der Menschenrechte über die Befreiung der Sklaven und der Emanzipation der Frauen bis hin zur Homo-Ehe, ganz zu schweigen von den technologischen Entwicklungen.“ Und warum, und wie? „Die Alchemie des kollektiven Handelns macht das Unmögliche immer wieder möglich, wenn es genug Menschen gibt, die überzeugt und entschlossen genug sind, sich dafür einzusetzen.“

Das wiederum ist der Kipppunkt in all den Dystopien, die da als Sachbuch daherkommen: Es ist wie ein Rausch an möglichen Katastrophen, der sich entfaltet und damit eigentlich alle Zukunftsängste nährt, ihnen sogar Gestalt verleiht – um dann nicht etwa zu nüchtern zu werden; sondern um den Glauben an eine andere, eine echte Zukunft zu entfachen. Denn eine neue Utopie ist notwendig, vernünftig – nur sie kann uns noch retten vor dem, was bei Pankraj Mishra unheilvoll und ausweglos auf uns zukommt.

Tatsächlich gibt es schon ein Programm dafür. Auch das nicht aus Film oder Roman. Es ist die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit 17 Nachhaltigkeitszielen: 1. Keine Armut. 2. Keine Hungersnot. 3. Gute Gesundheitsversorgung. 4. Hochwertige Bildung. 5. Gleichberechtigung der Geschlechter. 6. Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen. 7. Erneuerbare Energien. 8. Gute Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum. 9. Innovation und Infrastruktur. 10. Reduzierte Ungleichheiten. 11. Nachhaltige Städte und Gemeinden. 12. Verantwortungsvoller Konsum. 13. Maßnahmen zum Klimaschutz. 14. Leben unter Wasser. 15. Leben an Land. 16. Frieden und Gerechtigkeit. 17. Partnerschaft, um die Ziele zu erreichen. Und in den Kapiteln jeweils: wie sehr sie alle zusammenhängen.

Daraus soll nun, wie Blom es nennen würde, „ein neues Narrativ“ entstehen. Die Vision einer Welt, an die wir nicht nur glauben sollten, sondern auch müssen. Weil die Alternative allein der Dritte Weltkrieg wäre. Das ist die Botschaft. Blom schließt, keines seiner bereits zahlreichen Bücher habe ihn so sehr hoffen lassen, „dass Menschen in 30 oder 40 Jahren herzlich darüber lachen werden, als ein amüsantes Beispiel dafür, worüber man sich vor einer Generation noch Sorgen gemacht hat“. Darüber jedenfalls dürfte – sei der Befund hysterisch oder nicht – Einigkeit herrschen.

Pankaj Mishra: Das Zeitalter des Zorns. Übs. von Michael Bischoff und Laura Su Bischoff, S. Fischer, 416 S., 24 ¤

Philipp Blom: Was auf dem Spiel steht. Hanser, 224 S., 20 ¤

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