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Beatles

24.09.2019

Ein Abgang mit Klasse an der Abbey Road

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Vor 50 Jahre wurde das Album Abbey Road von den Beatles veröffentlicht. Das Album wurde nach der gleichnamigen Straße im Londoner Stadtteil St. John·s Wood benannt.
Bild: Apple Corps Ltd, dpa

Vor 50 Jahren, im Endstadium ihrer Karriere, spielte die Band ein Album ein, das Musikgeschichte schrieb.

Im Januar 1969 arbeiteten die Beatles an dem Album „Let It Be“. Bei den Sessions ließen sie sich für eine geplante Dokumentation filmen. Keine gute Idee. Denn so wurde der Zerfall der größten Band aller Zeiten festgehalten. Vier übel gelaunte Typen, die sich nur noch anraunzten. Ihr langjähriger Produzent George Martin befürchtete: „Das war’s.“

Ein paar Monate später rief Paul McCartney überraschend bei ihm an. „Wir machen noch mal ein Album. Bist du dabei?“ Ja, George Martin machte mit und erlebte ein Wunder. Die müden Stars, nach rund zehn höllisch intensiven Jahren einander überdrüssig und dazu noch in geschäftliche Streitigkeiten verstrickt, sie rissen sich zusammen, gingen respektvoll und freundlich miteinander um.

Und es gelang, was im Showgeschäft selten ist: ein Karriere-Abgang mit Klasse, mit Stil, in Würde. „Abbey Road“, am 26. September vor 50 Jahren erschienen, ist eines der besten Alben der Musikgeschichte. Das knackige „Come Together“ von John Lennon, das von McCartney kunstvoll verwobene Songfragmente-Medley, Ringos Kinderlied aus dem Garten des Tintenfisches („Octopus’s Garden“), die herausragenden George-Harrison-Beiträge „Something“ und „Here Comes The Sun“ – die Beatles hatten sich das Beste für den Schluss aufgehoben.

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Ein Polizist hielt den Verkehr auf der Abbey Road an

Verblüffend ist die Geschwindigkeit, mit der damals ein Meisterwerk entstand. Netto nur etwa zehn Wochen beanspruchten Aufnahme und Abmischung des Albums. Einen Monat nach der letzten Studiosession kam die Platte auf den Markt. Das ikonisch gewordene, tausendfach kopierte, imitierte, persiflierte Cover – eine Idee von Paul McCartney, umgesetzt in etwa zehn Minuten, draußen, direkt vor dem Studio in der Londoner Abtei-Straße. Ein Fotograf auf einer Staffelei, ein Polizist, der kurz den Verkehr stoppte. Sechs Aufnahmen (nur sechs!) zur Auswahl. Mehr brauchte es nicht, um Design-Geschichte zu machen.

Pünktlich zum 50-Jährigen ist „Abbey Road“ jetzt noch mal in verschiedenen, erweiterten Versionen, veröffentlicht worden. Man höre und staune.

Das Box-Set „Abbey Road“ von den Beatles. Vor 50 Jahre wurde das Album Abbey Road von den Beatles veröffentlicht.
Bild: Apple Corps Ltd, dpa

P.S.: „Let It Be“, das Album das im Januar 1969 unter so misslichen Umständen aufgenommen worden war, erschien erst im Mai 1970, ist also die letzte Veröffentlichung der Beatles. Aber nicht das letzte Werk.

P.P.S.: Zum Jubiläum gibt es sogar eine komplette Neueinspielung von „Abbey Road“, live. Freilich lich nicht von den Beatles bzw. dem übrig gebliebenen Duo des einstigen Quartetts. Der letzte Auftritt der Band liegt ja gut 50 Jahre zurück, das berühmte „Rooftop Concert“ vom 30. Januar 1969 – „Abbey Road“-Songs haben sie ja nie live gespielt. Das am Freitag erscheinende „Abbey Road Songs Relived“ ist von den niederländischen Beatles-Cover-Spezialisten The Analogues und wurde, natürlich, in den Abbey Road Studios aufgenommen.

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