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28.05.2019

Ein Bärendienst für Gluck

Die allzu förmliche „Alceste“ in München

Welcher Bärendienst für Christoph Willibald Gluck und seine Reformoper „Alceste“ von 1767! Mit großem Bedauern ist für die jüngste Produktion der Bayerischen Staatsoper München festzustellen, dass Dinge geschehen, die weder im Interesse des Komponisten lagen noch dem heutigen Standard bühnendramatischer Darstellung entsprechen.

Und das kam so: Engagiert für die szenische Umsetzung wurde Sidi Larbi Cherkaoui, Leiter des Königlichen Balletts Flandern – und 2018 auch Choreograf des Beyoncé-Jay Z-Louvre-Mona-Lisa-Videoclips „Apeshit“. Cherkaoui tat das, was er im Interesse des Werks und im Interesse Glucks nicht hätte tun sollen, was er aber im Eigeninteresse und im Interesse seiner mitengagierten Tanz-Compagnie „Eastman“ dennoch tat: Er wählte die Pariser Fassung der Oper aus dem Jahr 1776 und illustrierte sie mit so viel Tanz, wie es Gluck nachweislich gerade nicht wollte und wogegen er sich auch wehrte – sich aber in Paris nicht durchsetzen konnte. So ist denn nun an der Staatsoper ein zwar virtuoser, aber auch sich schnell erschöpfender „Eastman“-Abend zu sehen, der im Tanz jene dramatische Dynamik aufweist, die den steif bleibenden Sängern versagt bleibt.

Sidi Larbi Cherkaoui ist ein Choreograf; ein guter Personen- und Chor-Regisseur ist er gewiss nicht. Gluck wollte Natürlichkeit, Dramatik, Einfachheit und Wahrheit im Spiel; Cherkaoui antwortet mit Förmlichkeit, Ritual, Ornament und Stilisierung – das genaue Gegenteil. Und so geschieht: Schneller als das Ohr den tragischen, konfliktreichen Sinn der „Alceste“ erfassen kann, ist das Auge schon beleidigt – durch Weihespiel, ewige Symmetrien, ausgezirkeltes Schreiten, Stehen, Tanzen. Viel zu viel Etikette im abstrakten Bühnenbild von Henrik Ahr. Bedient wird das Gluck-Klischee der edlen Einfalt – langatmig ausgebreitet. Wie gesagt: ein Bärendienst.

Auch musikalisch blieben Wünsche offen: Wünsche etwa nach dramatisch-vitalisierten Tempi im Staatsorchester unter der Leitung von Antonello Manacorda, der eher elegisch seines Amtes waltete. Wünsche auch nach einem sängerisch insgesamt höheren Niveau mit jüngeren, vokal schlankeren Solisten. Dorothea Röschmann sang die Alceste, Charles Castronovo den Admète. Wer aber nach nur wenigen Tönen ruckhaft aufhorchen ließ, das war Anna El-Khashem als eine Chorführerin. Da wächst was Erstklassiges heran!

Am 29. Mai sowie am 1., 6., 10. und 13. Juni

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