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Ein Becken voller Männer
27.06.2019

Trailer & Kritik: Jeder ist hier aus der Bahn geraten

Männer in Formation (von links): Alban Ivanov, Jean-Hugues Anglade, Balasingham Thamilchelvan, Philippe Katerine, Benoit Poelvoorde, Mathieu Amalric und Guillaume Canet.
Foto: Mika Cotellon/Studiocanal

Synchronschwimmen reißt gefrustete Versager aus der Lethargie. Das ist lustig. In den Charakteren der Komödie steckt mehr Potenzial, das der Film liegen lässt.

Die sportliche Disziplin des Männersynchronschwimmens erfreut sich im Kino seit 2008 einer erhöhten Beliebtheit. Nach einer schwedischen und einer britischen Komödie haben nun auch die Franzosen Witterung aufgenommen. Mit „Ein Becken voller Männer“ präsentiert Gilles Lellouches seine eigene Variante des Stoffes.

"Ein Becken voller Männer" zeigt Kerle in einer Frauen-Domäne

Die Begeisterung für das Männersynchronschwimmen liegt auf der Hand. Die Sportdisziplin wird vornehmlich von Frauen betrieben und wenn Männer in diese weibliche Domäne hineingeworfen werden, setzt das – so hofft man – automatisch komische Effekte frei. Zudem haftet dem Wasserballett im Kino eine nostalgische Aura an, weil es an die aufwendigen Revuefilme Hollywoods aus den fünfziger Jahren erinnert, wo planschende Damen in bunten Badeanzügen zu pittoresken Ornamenten verschmolzen sind.

Und schließlich ist das Schwimmbad per se ein cinegener Ort. Das türkisblaue Becken, die glitzernde Wasseroberfläche, die funktionale Architektur und die gleitenden Bewegungen der Schwimmer sind bestes Optikfutter für die große Leinwand. Auch Lellouche nutzt das Wasserballett, um kriselnde Männerseelen zusammen zu führen. Bertrand (Mathieu Amalric) leidet an Depressionen und ist seit zwei Jahren arbeitslos. Auch wenn seine berufstätige Frau Claire (Marina Foïs) ihm immer wieder gut zuredet, ist es nicht zu übersehen, welche Belastung der schwermütige Ehemann für die Familie ist.

Die Männer im Becken sind alle irgendwie aus der Bahn geraten

Als er in gewohnter Agonie im Schwimmbad seine Bahnen zieht, fällt ihm eine Gruppe von Männern auf, die unter Anleitung einer resoluten Trainerin recht unkoordiniert im Becken herum turnen. Er schließt sich den Synchronschwimmern an und spürt schon bald, dass er in der Gruppe nicht der Einzige ist, der sein Leben nicht in den Griff bekommt. Der Vorarbeiter Laurent (Guillaume Canet) neigt zu cholerischem Auftreten und scheint kein Gran Lebenshoffnung in sich zu tragen.

Der Swimming-Pool-Verkäufer Marcus (nervig wie immer: Benôit Poelvoorde) will nicht wahrhaben, dass sein Unternehmen erneut vor der Pleite steht. Der Kantinenangestellte Simon (Jean-Huhues Anglade) haust in einem Wohnmobil und hängt seinen Rockstarträumen hinterher. Bademeister Thierry (Philippe Katerine) leidet unter Kontaktstörungen und eigenen Missbrauchserfahrungen. Ein breites Spektrum an maskulinen Identitätsstörungen wird in der Gruppe offenbar.

Dramatische Gruppendynamik im kriselnden Männerhaufen

Jeder ist auf seine Weise aus der Bahn geraten und kann die eigenen wie die gesellschaftlichen Ansprüchen des Mannseins nicht erfüllen. Aber beim gemeinsamen Formationsschwimmen im Wasser wird nicht nur der Körper, sondern auch die Seele leichter. In „Ein Becken voller Männer“ errichtet Lellouche eine durchaus interessante Figurenaufstellung.

Aber bald merkt man, dass er aus dem kriselnden Männerhaufen keine dramatische Gruppendynamik entwickeln kann, sondern zu schnell in den Modus der Problemheilung verfällt. Hier wird die Teilnahme des Teams an den Weltmeisterschaften in Norwegen zum therapeutischen Instrument und der gemeinsame Erfolg zum Balsam für die geschundene Männerseele.

Die sozialen und psychologischen Problemstellungen werden lediglich benannt, aber nicht vertieft, um die Feel-Good-Stimmung des Films nicht zu gefährden. Dabei läge gerade im tieferen Ausloten der Charaktere und deren interaktiven Dynamik das eigentliche komödiantische Potenzial der Geschichte, die sich allzu ängstlich und viel zu früh in die Harmonisierung flüchtet.

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