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Ausstellungsrundgang

13.09.2019

Ein Mix aus lauter Lüpertz-Perlen

Der Künstler Markus Lüpertz im Haus der Kunst in der ihm gewidmeten Ausstellung "Markus Lüpertz: Über die Kunst zum Bild".
Bild: Sven Hoppe, dpa

Der Ausstellung des Malers und Bildhauers im Münchner Haus der Kunst fehlt es am tragenden Konzept.

Wenn er mit seinem Silberknaufstock prüfend durch die Ausstellung schreitet, gewinnt man den Eindruck, irgendein spitzbärtiger Wittelsbacher würde in seiner Residenzgalerie nach dem Rechten sehen. Hängt alles wie angewiesen? Oder hat der Kämmerer eigenmächtig in die Ordnung eingegriffen? Keiner würde es wagen, Markus Lüpertz gibt nichts aus der Hand. Schon gar nicht im Haus der Kunst, wo die Wände kein Ende nehmen.

Das ist auch die Krux dieser 200- Werke-Schau, denn ein Konzept ist nur in einzelnen Abschnitten auszumachen. Etwa gleich im ersten und überzeugendsten Raum mit frühen Gemälden, Gouachen und Pastellen, auf denen verdichtete Objekte wie das verfremdete 20th-Century-Fox-Logo zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit pendeln. Oder wenn die 1972 entstandenen Triptychen mit den Geweihen und den Ähren („Unser täglich Brot I-III“) nach vielen Jahren wieder zueinanderfinden und von Lüpertz’ Faible für Folgen erzählen.

Stahlhelme von 1970 bis 2008

Doch der kuriose Mix ohne jede Chronologie hat Methode. Lüpertz geht es weniger um schlüssige Gegenüberstellungen als um die effektvolle Reihung seiner Kunstperlen. Perlen, die mal farbstark durch den Raum leuchten wie expressive Tiffanylampen oder sich fast Ton in Ton einfügen wie die späten, frei nach Rembrandt badenden Susannas. Und auch eine Kontinuität seines Schaffens teilt sich nur zögerlich mit. Am besten funktioniert das noch mit den Stahlhelmen, die der Künstler nach den frühen Exemplaren von 1970 um 2008 erneut aufgreift und die wie Totenköpfe und Hitlerbärtchen zu seinem Repertoire aus düsteren deutschen Zeiten gehören. Dann aber wird der verbindende Kleister schnell dünn.

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Dabei wollte Kuratorin Pamela Kort eine durchaus plausible These verfolgen: Lüpertz geht seine Malerei an wie die Nachkriegsregisseure ihre Filme. Die Entsprechungen auf der Leinwand sind teils evident, von den Disney-Streifen für die Donald-Duck-Serie bis zu Western wie John Fords „My Darling Clementine“, in dem schon mal übernatürliches Licht flutet – wie in einigen der frühen Werke Lüpertz’. Sich konsequent am Kino entlang zu arbeiten, hätte der Ausstellung gutgetan. Aber nun hängen etwa im Hauptsaal die starken „Diamanten“ (1965) im grotesken Wechsel mit neueren arkadischen Landschaften voller antik anmutender Akte, Skulpturen wie der Achilles stehen dekorativ vor einzelnen Gemälden, und über allem donnert Martialisches wie die zwölf Meter lange „Schiene“ (1969) oder der „Westwall“ (1968). Man muss sich die Preziosen schon herauspicken und vorher am besten noch die Überlegungen der eingebremsten Kuratorin lesen. Lüpertz’ Lieblingsheld Orpheus hätte diese schöne Chance jedenfalls nicht so leichtfertig vergeigt.

Markus Lüpertz: Über die Kunst zum Bild. Bis 26. Januar 2020, täglich 10 bis 20, Do bis 22 Uhr. Katalog (Walther König) 49,80 Euro.

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