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07.08.2018

Eine neue Heimat für die Exilanten

Macht sich für das Exil-Museum stark: Literaturnobelpreis-Trägerin Herta Müller.
Foto: Arno Burgi, dpa

Erinnerungsprojekt Für das geplante Exil-Museum in Berlin ist ein Neubau im Gespräch

Berlin Wird in Deutschlands Hauptstadt um ein Kulturprojekt gestritten, geht es immer heiß her. Und das dauert dann oft Jahre. Diesmal aber, beim geplanten Exil-Museum, das an die Hunderttausenden erinnern soll, die nach der Machtübernahme der Nazis ihre Heimat verließen, könnte es anders ausgehen.

Der private Verein Exil-Museum, seit 2011 angeführt von der Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, hatte sich als Standort die beliebte Fasanenstraße im Stadtteil Charlottenburg ausgeguckt. Dort befindet sich das Käthe-Kollwitz-Museum in einem altehrwürdigen Gebäude, nur wenige Schritte vom Kurfürstendamm entfernt und gleich neben dem Auktionshaus Grisebach. Es wird Ende 2019 umziehen, vermutlich in Räume am Schloss Charlottenburg.

Die Aktivisten des Exil-Museums hatten, zeitweise verbissen, um diesen Standort gerungen. Jetzt wäre die Bahn frei für die Einrichtung eines Exil-Museums, aber plötzlich tauchten im Gerangel ganz andere Überlegungen auf. Die Räume an der Fasanenstraße würden angesichts des Umfangs der Aufgabe, ein solches Museum zu schaffen, nicht ausreichen. Damit kam Bernd Schultz, Vermieter des schönen Gebäudes in der Fasanenstraße und Mit-Initiator des Exil-Museums, ziemlich spät heraus. Ein Neubau, so heißt es nun, wäre besser, und es gebe dafür ja auch einen prominenten, wenngleich seit Jahrzehnten arg vernachlässigten Ort: die Freifläche hinter der Ruine des Anhalter Bahnhofs.

Das einst bedeutende Berlin-Portal zeigt auf Historienfotos,dass es in ambitionierter Architektur errichtet worden war. Es spielt auch in Büchern und Filmen eine Rolle, denn vom Anhalter Bahnhof aus flüchteten viele, als sie es noch konnten, in den Eisenbahnen ins Exil nach Amsterdam, Prag, Paris, London, Skandinavien, in die Schweiz oder nach Übersee. Der Anhalter Bahnhof wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. An der Ruine erinnert eine Gedenktafel an tausende von diesem Ort deportierte Berliner Juden in das KZ Theresienstadt.

Dem Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks wurde das Projekt vorgestellt. Es bedingt die Umwidmung der hinter der Ruine befindlichen Grünanlage zur Baufläche für ein 5000 Quadratmeter großes Museum. Die Beamten waren angetan. Nun kursieren schon Schätzungen, dass das Museum bald errichtet wird – bereits 2023 könnte es seine Pforten öffnen.

Aber, „dit is Berlin“, in dieser Stadt geht nichts schnurstracks. Viel zu nahe an der Topographie des Terrors, mäkeln einige. Woher soll das Geld kommen, fragen andere. Und wieso bekommt eine private Stiftung ein Grundstück aus öffentlichem Besitz zur Nutzung? Oder soll es gleich gekauft werden?

Dabei ist für das Exil-Museum vieles bereits im Fluss. Bernd Schultz, der auch Besitzer des Auktionshauses Grisebach ist, finanziert über die Schultz-von-Schacky-Stiftung die Vorbereitung des Projekts. Er lässt die Einnahmen aus dem Kollwitz-Museum, das noch in der Fasanenstraße steht, ins geplante Museum eingehen. Und er hat bereits die Kuratorin Cornelia Vossen angestellt, zudem sind sechs weitere Stellen besetzt. Das Museum soll nicht vom Staat finanziert werden, die „Bürgerschaft“ soll zum Zuge kommen.

Da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, denn es bleibt unklar, wie der dauerhafte Betrieb finanziert werden kann. Womöglich wird es noch einige Überraschungen geben. Aber Bernd Schultz und seine Leute sind rührig. Überlegt wird gerade, ob auf dem Grundstück ein Turm an die Exilanten erinnern soll. Oder wäre eine tief eingegrabene Anlage ausdrucksvoller? Ob letztlich so oder so, das Exil-Museum wird jedenfalls kommen.

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