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Porträt

17.05.2019

Erika Leonard, die Frau mit der Peitsche

Die Autorin der "Shades of Grey"-Trilogie, E.L. James, hat ein neues Buch geschrieben: "The Mister".
Bild: Nicolas Armer, dpa

Erika Leonard las gerne Liebesgeschichten, dann schrieb sie selbst eine – ziemlich deftig: "Fifty Shades of Grey". Jetzt erscheint ihr neuer Roman.

Es war einmal eine junge, wunderschöne Frau aus Albanien, die in London als Putzfrau arbeitete. Dort wischte und wienerte sie die Wohnung eines wiederum fantastisch aussehenden Mannes, der durch Tod seines Bruders unerwartet zu unermesslichem Reichtum und einem Adelstitel gekommen war. Nichts und niemand konnten diesen Mann, der als Model oder DJ arbeitete, bislang wirklich glücklich machen: "Laufen, Ficken, Fechten – das sind die Dinge, die mich in Form halten." Als er jedoch die schöne Putzfrau zum ersten Mal in seiner Wohnung sah, verliebte er sich auf der Stelle: "Für eine Frau in Kittelschürze ist sie rattenscharf." Und auch sie war hingerissen: "Er ist so attraktiv."

Mit Mitte 40 fing Erika Leonard neu an

Soweit zum Kurzabriss von "The Mister", der neue Roman von E. L James, eine moderne Aschenputtel–Version und natürlich mit Erscheinen schon wieder ein Bestseller. Ihre eigene Geschichte jedoch ist fast noch märchenhafter und lässt sich so zusammenfassen: Es war einmal eine Engländerin, die steckte in der Midlife-Crisis. Sie war zwar glücklich verheiratet mit einem Schriftsteller, hatte zwei nette Söhne, aber der Job als Fernsehproduzentin langweilte sie fürchterlich.

Abends las sie gerne Liebesgeschichten, dann, da war sie 45, begann sie selbst zu schreiben, gab sich das Pseudonym Snowqueens Icedragon, nannte ihre Hauptfiguren Anastasia und Christian, ließ sie jede Menge Sado-Maso-Sex haben und veröffentlichte das Ganze auf einer Fanfiction-Seite. Erst wurde ein australischer Verlag darauf aufmerksam, dann ein englischer und dann … Weltbestseller! Verfilmung! Merchandising! Millionen! Das amerikanische Time Magazine kürte sie zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt, Forbes schätzte das Vermögen: Um die 80 Millionen Euro soll sie allein durch Verkäufe der Erotik-Romane "Fifty Shades of Grey" eingenommen haben. Märchenhaft.

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Ständig soll Erika Leonard über Sex reden

Wobei: Es gibt Dinge in diesem Märchen, die E. L. James, eigentlich Erika Leonard, mittlerweile 56 Jahre alt, nicht ganz so gerne mag. Dass sie zum Beispiel ständig über Sex reden soll. Obwohl sie doch lieber über anderes spricht: den Brexit zum Beispiel. Sie nutzt die Werbetour für ihr neues Buch und ihre Auftritte in den sozialen Netzwerken, um sich gegen den Austritt aus der EU starkzumachen.

Was ihr nun auch das Gegenteil von Fanpost einbringt: "Es versetzt gewisse Leute in Rage, dass ich, eine erfolgreiche, übergewichtige Frau im mittleren Alter, mir erlaube mich so zu exponieren." Egal. Wie auch die Kritik an der literarischen Qualität ihrer Werken, Stichwort Softporno. Die Produktion des passenden Sexspielzeuges hat sie im Übrigen selbst überwacht, sie wollte es hübsch! Im neuen Roman kommen die Hauptfiguren ganz ohne all den Kram aus. Aber natürlich bietet die Schriftstellerin auf 600 Seiten wieder das, worauf es den Fans ankommt: viel Romantik! Ähem.

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