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Selma

17.02.2015

Film zeigt Geschichte der US-Bürgerrechtsbewegung

Gleiches Recht für alle: Martin Luther King (David Oyelowo, Mitte) und seine Mitstreiter auf dem Marsch von Selma, Alabama, nach Montgomery.
Bild: Studio Canal

Martin Luther King erhält 1964 den Friedensnobelpreis, weil er die Rassentrennung erfolgreich bekämpft hat. Doch wählen dürfen die Schwarzen im Süden der USA noch immer nicht

Wenn Schlüsselpersönlichkeiten der Weltgeschichte im Kinoformat porträtiert werden, endet das allzu oft in denkmalpflegerischen Werken, die vergeblich versuchen, dem historischen Mythos ein menschliches Antlitz zu verleihen. Ava DuVernays „Selma“ über den Prediger und Bürgerrechtler Martin Luther King (1929-1968) bildet im Biopic-Genre eine erfrischende Ausnahme.

Die Filmemacherin entgeht ehrfürchtigen Erstarrungszuständen, indem sie sich einerseits auf einen kurzen, aber prägnanten Zeitabschnitt konzentriert und zum anderen ihren Film weit für das soziale Umfeld und den zeitgeschichtlichen Kontext öffnet. „Selma“ ist nicht nur ein Porträt Kings, sondern setzt sich ebenso mit der Funktionsweise und Dynamik der Bürgerrechtsbewegung wie den politischen Machtkämpfen auseinander, die in den USA der Sechziger mit großer Härte ausgetragen wurden.

Selma: rassistischer US-Alltag zu Zeiten Martin Luther Kings

Hautnah wird hier der Umwälzungsprozess jener Jahre spürbar. Auf äußerst spannende Weise geht der Film der Frage nach, wie sich Gesellschaft verändern, Widerstand organisieren und politischer Druck aufbauen lässt. Es sind gerade mal 50 Jahre her und trotzdem steht man als Kinozuschauer mit einer gewissen Fassungslosigkeit dem damaligen rassistischen Alltag im Süden der USA gegenüber. Systematisch werden die Afroamerikaner von der Ausübung ihres Wahlrechts durch krude Registriervorschriften und massive Einschüchterung abgehalten. Obwohl mancherorts Bevölkerungsanteil über 50 Prozent ausmacht, liegt ihre Wahlbeteiligung gerade einmal bei zwei Prozent.

Regisseurin DuVernay: System Hollywood ist kaputt

Co-Produzentin Oprah Winfrey ist in ihrer Rolle als Annie Lee Cooper 1964 im Örtchen Selma beim Versuch, sich für eine Wahl zu registrieren zu lassen, wieder einmal gescheitert. Das ist zwar mittlerweile Grundrecht, doch die Schikane eines rassistischen Beamten wird hier im Süden als eine Art Naturrecht hingenommen. Nachdem die Bürgerrechtsbewegung erfolgreich für die Aufhebung der Rassentrennung gekämpft hat und King (David Oyelowo) 1964 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sollen nun die Aktionen zur Durchsetzung des Wahlrechts in Selma, Alabama, konzentriert werden.

Recht, Politik, Gesellschaft: US-Bürgerrechtsbewegung im Porträt

Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) will das Problem hinten anstellen, der Gouverneur von Alabama, George Wallace (Tim Roth), reagiert mit massiver Polizeigewalt – flankiert von tödlichen Anschlägen des Ku-Klux-Klan. Die Situation eskaliert am 7. März 1965 auf der Edmund Pettus Bridge. Ein gewaltfreier Protestmarsch wird vor laufenden TV-Kameras brutal zusammengeknüppelt. Die Bilder setzen eine Solidarisierungswelle auch unter weißen US-Bürgern in Gang.

DuVernay schwenkt nicht weg von diesen Bildern massiver Gewalt, denn sie machen klar, unter welchem Druck King und die Bürgerbewegung Entscheidungen treffen mussten. Tägliche Morddrohungen zählen da ebenso zum Geschäft wie die Verantwortung für das Leben der Demonstranten. Dagegen wirken die Verhandlungen, in denen der US-Präsident King von den Protesten abbringen will, fast schon zynisch. Aber gerade das Aufeinanderprallen von moralischem Recht, politischem Taktieren und den ganz persönlichen Grenzziehungen machen dieses Porträt einer Bewegung und ihres politischen Führers zu einem der interessantesten zeithistorischen Filme der Gegenwart.

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