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Schredder-Aktion

08.10.2018

"Girl with Balloon": Wie gelang es Banksy, sein Kunstwerk zu zerstören?

Während die meisten Blicke noch auf anderes gerichtet sind, zerstört sich diese Banksy-Arbeit selbst.
Bild: Banksy, dpa

Plus Wenn es um spektakuläre Inszenierungen geht, ist Banksy eine Klasse für sich. Seine Schredder-Aktion war ein Geniestreich. War das Auktionshaus eingeweiht?

Wenn es um Überraschungsmomente, Geheimnisse und medienwirksame Inszenierungen geht, ist dieser Künstler eine Klasse für sich. Banksy, der als bekanntester Unbekannter der Kunstwelt dem Markt seine eigenen Bedingungen diktiert, ist längst mehr als ein Graffiti-Künstler, der aus Bristol stammt. Mit seiner spektakulären, ferngesteuerten Bildzerschredderung vor den Augen eines sprachlosen Auktionspublikums bei Sothebys ist dieser Banksy mit einem Geniestreich zum Konzeptkünstler geworden.

Er treibt mit dem Marktwert von Kunst ein diabolisches Spiel. Denn, da sind sich alle Experten sicher: Das geschredderte Bild ist nun eine Ikone. Teurer als unversehrt, weil durch eine unglaubliche, weltweit präsente Geschichte mit Bedeutung und Einmaligkeit aufgeladen.

„Girl with Balloon“ heißt das 2006 entstandene sprühlackierte Werk (101 x 78 Zentimeter), das in London als letztes Los der Auktion für 1,04 Millionen Pfund unter den Hammer kam – ein Rekordpreis für den Künstler. Kaum zugeschlagen, rutschte das Bild in seinem wuchtigen Rahmen allerdings durch einen eingebauten Schredder und kam zur Hälfte in Streifen geschnitten heraus. Banksy bekannte sich zu der Zerstörungsaktion – er zeigte auf seinem Instagram-Account ein Video, dass ihn beim Präparieren des Rahmens zeigen soll. 2006 hatte ein Unbekannter das Bild direkt bei ihm im Atelier erworben – samt „Artist-Frame“, also samt dem Künstlerrahmen. Soweit die Provinienzangaben des Versteigerers.

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Saß Banksy mit Sonnenbrille, Schlapphut und Handy im Auktionshaus?

Jetzt wird seit Freitag wild spekuliert: Saß Banksy selbst mit Sonnenbrille und Schlapphut im Raum bei Sothebys und löste per Handy den Schredder aus? War es ein Mittelsmann? Und ist es wirklich möglich, dass das Auktionshaus keine Ahnung hatte? Kaum glaubhaft. Fraglich ist schon, ob nicht der Einreicher des Werks vom Selbstzerstörungsmechanismus gewusst haben muss. Wunderte sich niemand über den 18 Zentimeter tiefen Rahmen? Ist am Ende die Geschichte seit 2006 von Banksy geplant – und nach zwölf Jahren Geduld gezündet worden?

Mit Zerstörungen seiner Werke kennt Banksy sich aus. Als Sprayer, der im öffentlichen Raum agiert, muss er immer damit rechnen, dass eines seiner Werke übermalt oder zerstört wird. Durch die Berühmtheit, die er mit den Jahren erlangte, war es freilich oft umgekehrt: Eher riss man Hauswände oder Mauern mit Banksy-Werken heraus, um sich das Werk zu sichern. Seine kritische Distanz zum Kunstmarkt pflegt Banksy zwar – doch gegen die hohen Preise, die Sammler für seine Werke zahlen, ist er machtlos. Der Konzeptkünstler Banksy aber ist unberechenbar. Er schmuggelte schon eine lebensgroße Figur eines Guantanamo-Häftlings ins Disneyland. Es dauerte, bis es auffiel.

Banksys „Girl with Balloon“, das kurz nach seiner Versteigerung beim Auktionshaus Sotheby's geschreddert wurde. 
Bild: Banksy, Press Association Images, dpa
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