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Interview
19.11.2021

Starregisseur Oliver Stone: "Die USA sind eine Bananenrepublik"

"In der Dokumentation zeigen wir eindeutig, dass Oswald für die CIA arbeitete": Oliver Stone, 75, über den verurteilen Mörder Kennedys.
Foto: Alexei Druzhinin, dpa

Der Mord an John F. Kennedy ist ein Lebensthema von Oliver Stone. 30 Jahre nach dem Spielfilm soll nun seine Doku die Wahrheit aufdecken. Der Regisseur hadert mit seiner Heimat.

Was wäre Ihnen lieber: Dass man sich an Sie als den Regisseur oscarpreisgekrönter Filme erinnert oder als den Mann, der nun in der Dokumentation „JFK Revisited“ die Hintergründe der Kennedy-Ermordung aufdeckte?

Oliver Stone: Es ist eine Konstante meiner ganzen Dokumentationen, dass ich die Rolle der USA auf der ganzen Welt infrage gestellt habe. So gesehen würde ich es vorziehen, wenn man mich künftig in die Reihe mit Historikern wie Howard Zinn stellt, der die amerikanische Geschichte aus neuer Perspektive gezeigt hat. Doch ich glaube auch, dass einige Leute meine Qualitäten als Filmemacher erkennen werden.

Für den Film schöpfen Sie insbesondere aus den Akten der Untersuchungskommission des Kennedy-Attentats, deren Geheimhaltungszeit infolge Ihres Spielfilms verkürzt wurde. Gab es irgendwelche Überraschungen?

Stone: Sie haben meine Auffassung bestätigt. Die Überprüfung der Akten hat klar ergeben, dass der Untersuchungsbericht der Warren Commission korrumpiert war. Es stellte sich unter anderem heraus, dass selbst FBI Beamte die riesige Austrittswunde an Kennedys Kopf gesehen hatten, die nicht zur offiziellen Theorie passt. Der veröffentlichte Autopsiebericht ist ein Lügengebäude. Angeblich floh Lee Harvey Oswald nach der Tat über die Treppe des Texas School Book Depository. Aber drei Frauen, die auch in dem Gebäude arbeiteten und die Treppe einsehen konnten, haben nichts davon bemerkt. Das sind nur wenige Beispiele. Dass all das nicht an die Öffentlichkeit gelangte, war natürlich klar. Allen Welsh Dulles, eines der Mitglieder der Warren Commission, war als CIA-Chef für die Regierungsumstürze im Iran oder Guatemala oder die gescheiterte Kuba-Invasion in der Schweinebucht verantwortlich. Und in der Dokumentation zeigen wir übrigens auch eindeutig, dass Oswald von 1958 bis 1963 für die CIA arbeitete.

Was steckt hinter diesem Moment vom 22. November 1963 in Dallas, als US-Präsident John F. Kennedy erschossen wurde?
Foto: dpa-Archiv

Aber Ihre Theorie beruht auch darauf, dass Kennedy bei einem Staatsstreich gestürzt werden sollte, weil er die aggressive Militärpolitik der USA beenden wollte. Es gibt indes Historiker, die behaupten, dass er die USA in den Vietnamkrieg trieb und dass sein Nachfolger, Vizepräsident Lyndon B. Johnson nur seine Politik fortsetzte.

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Stone: Das sind die Historiker des Establishments, die immer den gleichen Bullshit wiederholen. Ich kann diesen Unsinn nicht mehr hören. Auch aus den Akten, die jetzt zugänglich gemacht wurden, ergibt sich folgendes Bild: Der Vietnamkonflikt ist eigentlich von Präsident Eisenhower zu verantworten, der die Franzosen in ihrem Vietnamkrieg unterstützte und der strikt gegen ein geeintes kommunistisches Vietnam war, weshalb er ja auch den kapitalistischen Süden unterstützte. Ja, Kennedy schickte rund 16000 Militärberater; aber ihm ging es um eine Politik der Neutralität, wie er sie auch in Laos verfolgte. Im Zeitraum von 1961 bis 1963 weigerte er sich elf, zwölf Mal, Kampftruppen zu schicken. Und wie die Akten zeigen, wollte er im Dezember ’63 – er wurde im November ermordet – die ersten tausend Berater wieder abzuziehen. Und es war seine Absicht, alle wieder nach Hause zu holen, vorausgesetzt, er würde die Wahl gewinnen. Und das auch für den Fall, dass Südvietnam verlieren würde. Robert McNamara, sein Verteidigungsminister, und McGeorge Bundy, sein Sicherheitsberater, haben das später bestätigt. Kennedy war im Krieg gewesen, er wusste, was das bedeutete, er misstraute den Generälen, die am liebsten einen Konflikt mit der Sowjetunion angezettelt hätten, zutiefst. Deshalb war er ein Kämpfer für den Frieden.

Oliver Stone: Auch hinter dem Tod von Bobby Kennedy steckte die CIA

Doch ein Anschlag dieser Größenordnung erfordert unzählige Mitwisser. Wie konnte so eine Aktion geheim bleiben?

Stone: Weil sie in verschiedensten Einzelaktionen unterteilt war. Kaum jemand hatte den gesamten Überblick. Wir vermitteln dieses große Bild nur in unserer Dokumentation. Und weil es so viele Beteiligte gab, die nur eine kleine Aufgabe hatten und überhaupt nichts wussten, ist es auch so schwer, die Beweise zusammenzuführen. Bezirksstaatsanwalt Jim Garrison, der in „JFK“ die zentrale Rolle spielt, hatte nur ein paar Bruchstücke an Belegen. Aber er hatte keine andere Wahl, als damit in die Öffentlichkeit zu treten, weil er schon Aufmerksamkeit erregt hatte. Und infolge des Shitstorms, den er erzeugte, kamen ja noch mehr Beweise ans Licht, selbst wenn er selbst den Preis dafür bezahlte.

Theoretisch hätte JFK einen Nachfolger in seinem Bruder Bobby Kennedy finden können, der dann während der US-Präsidentschaftsvorwahlen ermordet wurde. Steckte da auch das CIA dahinter?

Stone: Davon bin ich überzeugt. Das Chaos, das beim Attentat herrschte, war inszeniert. Und es gab einen Schützen, der von hinten schoss. Wenn Bobby an die Macht gekommen wäre, hätte er nicht nur die Untersuchungen zur Ermordung seines Bruders neu gestartet, sondern auch die gleichen politischen Veränderungen eingeleitet. Er war ebenfalls total gegen Vietnam.

Oliver Stone: "Ich gebe nichts auf Biden"

Sie vertreten damit auch die Auffassung, dass die militaristische Außenpolitik der USA durch die Ermordung Kennedys auf Jahrzehnte zementiert wurde. Gibt es keine Chance, dass sich die ändert?

Stone: Ich gebe nichts auf Biden. Der ist im Endeffekt ein kalter Krieger. Und gegen die Geheimdienste und das Militär kommst du nicht an. An deren Stellung kannst du nicht rütteln, weil auch ihre Budgets fix sind. Es ist für mich ganz klar: Kennedy versuchte den Status quo zu verändern, und deshalb hat man ihn umgebracht. Und wer das Gleiche versucht, dem wird es genauso ergehen. Die USA sind eine Bananenrepublik. Ich denke, dass Obama Angst vor einer Ermordung hatte. Er wusste, dass ihm als Afroamerikaner Grenzen gesetzt waren. Er konnte nur bis zu einem bestimmten Punkt gehen.

Wenn Sie für die US-Politik ja keine große Hoffnung haben: Warum kehren Sie dem Land nicht den Rücken?

Stone: Ich bin es gewohnt, mit Unaufrichtigkeit zu leben. Das war den Großteil meines Lebens der Fall. Und deshalb bin ich damit okay, in Amerika zu wohnen. Außerdem liebt meine Frau es da. Sie ist sicher mit ein Grund dafür. So könnte man sagen, dass es ihre Schuld ist. Andererseits denke ich auch nicht die ganze Zeit über Politik nach, ich bin kein Aktivist. Ich liebe einfach mein Land, und ich möchte es verbessern. Und ich werde mir dabei nicht den Mund verbieten lassen.

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19.11.2021

nd er gibt ausgerechnet einer Zeitung - welche in der größten Banenenrepublik Europas ihre Heimat hat -ein Interview .

Bei diesem Herrn Stone hatte ich immer schon den Verdacht , daß er sich auf Kosten aller Anderen amüsiert (sprich alle anderen ... vera...)

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