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23.03.2020

Janina Fialkowska: Hoffen auf die Zeit danach

Pianistin Janina Fialkowska.
Bild: Ran Keren

Theater, Konzerte, Ausstellungen, Lesungen – alles abgesagt, stillgelegt und aus der Öffentlichkeit verschwunden. Wir bringen in Corona-Zeiten an dieser Stelle Wortmeldungen aus der Kultur, die ins Private verbannt ist.

Während sich viele Menschen im Moment darüber beklagen, zu Hause sein zu müssen, kann ich mir derzeit nichts Schöneres vorstellen! Ich kam gerade (noch) von einer Nordamerikatournee zurück und versuche, mich von den Strapazen dieser fünfwöchigen Reise zu erholen. Da ich vom Alter her und durch Vorerkrankungen zur Hochrisikogruppe gehöre, halte ich mich strikt an die Vorsichtsmaßnahmen und verlasse das Haus nur, um Luft zu schnappen, während mein Mann die Einkäufe erledigt. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass mein Immunsystem einigermaßen funktioniert, da ich mir trotz zwölf Flügen, sechs Zeitverschiebungen, diversen Klimaschocks und manchen „kontaktfreudigen“ Fans mir drüben auch nichts „Normales“ geholt habe.

Mit großer Sorge sehe ich die Situation von Kollegen, die kein finanzielles Polster haben und nun plötzlich ohne Einkommen dastehen und nicht wissen, wie sie die nächsten Monate über die Runden kommen sollen.

Ich bin mir des Privilegs, ein schönes Haus und einen ebensolchen Garten zu haben, durchaus bewusst. Leider kann ich diesen Luxus mit keinem meiner Freunde teilen, die im Moment mit beengten Verhältnissen zurechtkommen müssen. Da der Garten mein wichtigstes Hobby ist, wird es mir in den nächsten Wochen diesbezüglich mit Sicherheit nicht langweilig.

Janina Fialkowska: Hoffen auf die Zeit danach

Eine Londoner Kinderchirurgin, der ich einmal gesagt hatte, wie sehr ich sie für ihre Arbeit bewundere und dass ihre Tätigkeit mit dem, was ich tue, nicht verglichen werden könne, gab mir zur Antwort: „Ja, es stimmt, ich rette Leben, aber warum? Auch dafür, dass Sie deren Leben dann mit Ihrer Kunst bereichern können.“ Deshalb hoffe ich, in größter Bewunderung für alle, die im Moment alles tun, um Leben zu retten, dass möglichst viele dieser Leben gerettet werden können und dass ich noch oft Gelegenheit haben werde, diesen Menschen dann durch mein Spiel etwas zu geben. Deshalb werde ich das tun, was ich seit meinem 4. Lebensjahr (fast) jeden Tag tue: optimistisch in die Zukunft sehen, ans Klavier gehen und üben, üben, üben …

Janina Fialkowska ist Konzertpianistin und lebt bei Augsburg.

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