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Leserhilfswerk

17.11.2017

Große Hilfe schon für Kleine: So macht die Kartei der Not Kinder stark

Die Kartei der Not trägt dazu bei, dass bedürftige Kinder regelmäßig ein warmes, gesundes Mittagessen erhalten.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa

Kindern und Jugendlichen zu helfen, ist der Kartei der Not ein besonderes Anliegen. Und so geht es.

Eine glückliche Kindheit war ihnen nicht vergönnt. Statt Liebe und Geborgenheit, statt Aufmunterung und Förderung erlebten diese Kinder zu Hause Ärger, Stress und manchmal Dauerstreit. Erst seit sie nicht mehr bei Mama und Papa leben, kommt Struktur in ihr Leben und so etwas wie Glück und Zufriedenheit.

Die Jüngsten sind 14 Jahre alt, die Älteren gerade volljährig geworden. Sie alle haben ein gemeinsames neues Zuhause in einer Wohngemeinschaft in Augsburg-Lechhausen gefunden, die seit gut 30 Jahren von dem gemeinnützigen Verein Prisma geführt wird. So unterschiedlich diese acht Mädchen und Buben auch sind, die hier auf Vermittlung verschiedener Jugendämter ein neues Nest gefunden haben: Sie kommen alle aus Familien, in denen es Stress gab. Viel Stress. Alkohol, Gewalt, aber auch Armut setzten diesen Kindern zu.

Dass die Jugendlichen wieder Halt in ihrem Leben finden, ist den Pädagogen in der Wohngemeinschaft ein Herzensanliegen. Respektvoller Umgang miteinander und Respekt vor der Lebensgeschichte der Jugendlichen werden von jedem eingefordert. Wer das nicht akzeptieren kann, hat keine Chance auf einen Platz. Und auch wer ein Drogenproblem mitbringt, muss draußen bleiben. Die Jugendlichen selbst werden in die Pflicht genommen. Es gelten feste Regeln. Sie müssen selbst ihre Zimmer und die Gemeinschaftsräume putzen. Jeden Tag im Wechsel hat einer Küchendienst. Er kocht dann für alle. Ein Hotel ist diese Wohngemeinschaft nicht.

Aufgenommen wird nur, wer zur Schule geht oder eine Ausbildung absolviert. Die Erfolge dieses konsequenten Weges sind nicht ausgeblieben. „Es ist schön zu sehen, wie die Jugendlichen nach Jahren einen guten Weg nehmen“, sagt die Sozialpädagogin Mirjam Kappler, die seit acht Jahren in der Einrichtung arbeitet.

Alle leben freiwillig in dem Haus in Lechhausen. Niemand wird hierher gezwungen. Nicht selten hat sich der Kontakt zur eigenen Familie sogar wieder spürbar verbessert, seit die Jugendlichen ausgezogen und nur hin und wieder an den Wochenenden daheim sind.

Unvergessen ist eine Erholungsfahrt an die Ostsee

Einer aus dem Team ist immer für die Jugendlichen da, und das rund um die Uhr. Gemeinsamen Aktivitäten kommt dabei besondere Bedeutung zu, betont Kappler. So geht es mal für einen Tag zum Wandern in die Berge oder auf die Altmühl zum Paddeln. Unvergessen ist eine einwöchige Erholungsfahrt in den Sommerferien an die Ostsee. Die Fahrt wäre ohne finanzielle Hilfe nicht möglich gewesen. Den Jugendlichen fehlt dazu das Geld, und auch die Mittel der Wohngemeinschaft hätten nicht ausgereicht. Hier ist die Kartei der Not eingesprungen, das Leserhilfswerk der Mediengruppe Pressedruck.

An der Ostsee bezogen die acht Jugendlichen mit zwei Betreuern in der Nähe von Kiel eine Blockhütte. Mit Fahrrädern unternahmen sie Ausflüge in die Gegend, spielten Fußball und versuchten sich am American Football. Schon die Anreise war ein Abenteuer. Die Mädchen fuhren mit dem hauseigenen Kleinbus. Weil für die zwei Jungs nicht mehr genügend Platz war, durften sie mit dem ICE über Hamburg anreisen.

Eine Reise hat eine Gruppe bedürftiger Jugendliche zusammengeschweißt. Die Fahrt wäre ohne finanzielle Hilfe nicht möglich gewesen. Auch hier ist die Kartei der Not eingesprungen
Bild: Florian Gaertner, dpa

An der Ostsee waren sie in der meeresbiologischen Station in Laboe Meerestieren ganz nahe gekommen. Manche durften sie sogar anfassen. In Kiel stand eine Hafenrundfahrt auf dem Programm. Ein besonderes Erlebnis war für die süddeutschen Kinder und Jugendlichen der Wassersporttag. Da durften sie sogar Windsurfen ausprobieren. Sie waren das erste Mal am Meer und für viele war es der erste Urlaub überhaupt in ihrem Leben. Die Fahrt hat die Gruppe eng zusammengeschweißt. Noch heute schwärmen die Jugendlichen davon. Ein Mädchen hatte sogar sein Handy weggelegt und gesagt: „Das brauche ich hier ja gar nicht!“ So glücklich war es.

Jeder Cent geht zu 100 Prozent in die Hilfe für bedürftige Menschen

Gerade die Förderung von Kindern und Jugendlichen sind der Vorsitzenden der Kartei der Not, Ellinor Scherer, und ihrer Stellvertreterin Alexandra Holland ein Herzensanliegen. Gut 2500 Anträge von Familien und Einzelpersonen gehen bei der Stiftung pro Jahr ein. Auch heuer konnte wieder vielen Kindern und Jugendlichen geholfen werden – dank der großen Spendenbereitschaft von Leserinnen und Lesern sowie Firmen aus der Region. Schon im vergangenen Jahr konnte die Kartei der Not in Bayerisch-Schwaben und den angrenzenden oberbayerischen Landkreisen Landsberg und Neuburg/Donau mit insgesamt rund 1,1 Millionen Euro viel Gutes tun. Auf diesen großen Geist der Hilfsbereitschaft zählt das Kuratorium der Kartei der Not auch weiterhin. Jeder Cent, der an die Kartei der Not gespendet wird, geht zu 100 Prozent in die Hilfe für bedürftige Menschen. Und Kindern und Jugendlichen zu helfen, ist der Kartei der Not besonderes Anliegen.

Sport im Verein ist nicht allen Kindern möglich, weil ihren Eltern das notwendige Geld dazu fehlt. Hier springt die Kartei der Not mit dem Projekt „Sport für jedes Kind“ in die Bresche. Die Stiftung hilft in Absprache mit dem Bayerischen Landessportverband finanziell schlechtergestellten Familien, sodass ihre Kinder im Verein Sport treiben können.

Sport im Verein ist nicht allen Kindern möglich, weil ihren Eltern das notwendige Geld dazu fehlt. Hier springt die Kartei der Not mit dem Projekt „Sport für jedes Kind“ in die Bresche.
Bild: Hendrik Schmidt, dpa

Schattenkinder. Besondere Zuwendung benötigen Geschwister von behinderten Kindern. Diese „Schattenkinder“ werden allzu leicht übersehen, weil sich in den Familien vieles um das behinderte Kind dreht. Die Kartei der Not unterstützt bedürftige Familien, die ein behindertes Kind haben, mit Freizeitgutscheinen für den Besuch von Zoo, Schwimmbad, Museum, Theater, Zirkus und anderem.

Weihnachtsgeschenke. Für fast alle Kinder und Jugendliche sind Geschenke unter dem Christbaum selbstverständlich. Aber es gibt auch Bedürftige, die in Heimen leben. Die Kartei der Not unterstützt die Einrichtungen dabei, dass diese Heimkinder zumindest ein Weihnachtsgeschenk erhalten können.

Essensgeld. Die Kartei der Not trägt dazu bei, dass bedürftige Kinder regelmäßig ein warmes, gesundes Mittagessen erhalten.

Ellinor-Holland-Haus. Mit diesem Projekt, das nach der langjährigen Herausgeberin unserer Zeitung und der Gründerin des Hilfswerkes benannt wurde, hat die Kartei der Not Neuland betreten. Im Augsburger Textilviertel finden fast 80 unverschuldet in besondere Not geratene Menschen in dem Neubau einen Schutz- und Erholungsraum. Ein pädagogisches Team kümmert sich darum, dass die Bewohner wieder im Leben Fuß fassen.

Hier leben in 28 Wohnungen alleinerziehende Mütter, Familien und Alleinstehende jeglichen Alters und verschiedener Nationalitäten zusammen. Nach drei Jahren sollen sie ihr Leben wieder selbst meistern können. Die bisherigen Erfahrungen sind sehr ermutigend und bestätigen die Kuratoriumsvorsitzenden für ihren Mut. So konnten zwei junge, alleinerziehende Mütter seit Einzug in das Ellinor-Holland-Haus eine Ausbildung beginnen. Eine andere Mutter, die gesundheitlich stark angeschlagen war, konnte sich in dem geschützten Umfeld so weit wieder stabilisieren, dass sie wieder arbeiten und ihr Leben selbst meistern kann.

Zwei Buben konnte eine Lehrstelle vermittelt werden und zwei weitere Bewohnerinnen haben eine feste Anstellung gefunden. Und die Kinder und Jugendlichen können sich auf Schule und Ausbildung konzentrieren und kommen gut voran. Bei einigen Kindern klappte sogar der Übertritt in weiterführende Schulen. Ohne das sichere Dach des Ellinor-Holland-Hauses hätten sie das nicht schaffen können. Sie alle brauchen bald jede Hilfe, um auch wieder eine eigene Wohnung zu finden und in ihr neues Leben zu starten.

Helfen Sie uns helfen!

Seit über 50 Jahren hilft die Kartei der Not Menschen in der Region, die unverschuldet in eine schwierige Lebenslage geraten sind. In dieser Zeit hat das Hilfswerk der Mediengruppe Pressedruck und des Allgäuer Zeitungsverlags diese Menschen mit rund 42 Millionen Euro unterstützt. Die Not kann jeden treffen. Plötzlich und unerwartet, durch Krankheit, einen Unfall oder den Verlust eines Angehörigen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, helfen durch Ihre Spende mit, dass diese Menschen wieder in ein normales Leben zurückfinden. Wir achten darauf, dass das Geld dort ankommt, wo es am dringendsten benötigt wird. Mit Ihrer Spendenbereitschaft konnte viel Gutes bewirkt werden. Darum bitten wir Sie: Helfen Sie uns helfen. Dafür danken wir Ihnen von Herzen.

Hier finden Sie die Kartei der Not auf Facebook.

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