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Kontra-Kommentar
28.11.2020

Bei Dunkelheit Joggen? Nein, muss nicht sein!

Das ist ja so, als würde man tagsüber joggen und dabei die Augen schließen, meint unsere Autorin.

Bei Dunkelheit joggen bedeutet joggen ohne Helligkeit. Wann immer aber ein „ohne“ mit im Spiel ist, geht es um Verzicht. Backen ohne Zucker, Essen ohne Salz, Bundesliga ohne Zuschauer, Skifahren ohne Schnee (also echten, schönen pudrigen). „Ohne“ bedeutet jedenfalls fast immer, da fehlt etwas, das eigentlich naturgemäß dazugehört. Und beim Joggen ohne Helligkeit ist es nicht nur das Licht. Sondern auch all das, was samt des Lichts verschwindet. Was man also alles beim Joggen im Dunkeln nicht sieht: Sonnenstrahlen, die sich zwischen den Bäumen brechen. Die Krähe, die einen lässig am Boden sitzend heranlaufen lässt, erst im letzten Moment den Abflug macht. Leuchtende Blätter, die einfach noch nicht fallen wollen. Eichhörnchen beim Sprung. Steine, die jemand auf einer alten Bank zum Turm angehäuft hat. Einzelne Handschuhe, am Baum drapiert, damit sie gefunden werden. Müll. Okay, Letzteres passt nicht ins Konzept, bitte streichen. Es ist fast so, als würde man tagsüber joggen und dabei die Augen schließen. Macht keiner. Ist ja auch viel zu gefährlich.

Auf so etwas sollte man im Leben verzichten

Wer ohne Helligkeit joggt, muss deswegen auch höllisch aufpassen. Auf Pfützen, Stolperstellen und abends im Wald übrigens auch auf Wildschweine! Wer tagsüber joggt, weiß, dass sie da sind, wegen all der Kuhlen. Joggen im Dunkeln ist deswegen ein bisschen so wie Joggen auf dem Laufband. Macht man, weil man sich bewegen, Kilometer runterreißen, fit bleiben möchte. So wie man sich mittags die labbrige Käsesemmel einverleibt, weil man eben hungrig ist, aber nicht, weil sie besonders gut schmeckt. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man aber auf so etwas im Leben verzichten. Immer das Schönere, Bessere, Geschmackvollere wählen – genießen. So wie beim Laufen das Licht.

Lesen Sie auch den Pro-Kommentar von Michael Schreiner.


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