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Zum Schutz der Verwundbaren braucht es eine Impfpflicht

Kommentar Von Lea Thies
27.07.2021

Die Politik appelliert an die Bevölkerung, sich zum Schutz von vulnerablen Gruppen impfen zu lassen. Doch das reicht nicht. Es braucht eine Impfpflicht.

Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf. Wie soll es weitergehen, wenn im Herbst die nächste Welle anrollt und die Infektionszahlen rapide ansteigen? Wieder die Freiheit aller einschränken, Alte und Kranke isolieren, Schulen schließen und somit Kinder ihres Rechts auf Bildung berauben? Das alles, um die Ausbreitung eines Virus zu verhindern, gegen das es längst Impfstoffe gibt? Das alles, weil eine Minderheit in der Bevölkerung die Impfung verweigert, damit die Chance auf eine Herdenimmunität und somit ein Ende der Pandemie torpediert? Ja, sogar billigend in Kauf nimmt, dass sich Menschen, die sich nicht impfen lassen können, mit dem Virus anstecken? Kinder zum Beispiel. Schwangere. Kranke. Sie haben keine Wahl. Sie brauchen als Schwache den Schutz der Starken.

Mit Freiwilligkeit werden wir die Corona-Pandemie nicht bezwingen

Natürlich soll sich ein Staat wenig einmischen. Eigenverantwortung, Freiwilligkeit und Solidarität sind immer die besseren, ja, die besten Mittel für das Zusammenleben in einer Gesellschaft. Wie es im Moment aussieht, kommen wir damit aber leider nicht weiter. Daher ist es richtig, dass die Politik nun über eine Impfpflicht für besondere Berufsgruppen diskutiert, durch die gezielt Risikogruppen geschützt werden, die sich nicht selbst schützen können. Oder auch dass eine „Kalte Impfpflicht“ im Gespräch ist. Restaurant, Theater, Fußballstadion gäbe es dann nur noch für Geimpfte, Genesene oder Getestete. In Frankreich hat diese Regel die Impfquote stark erhöht.

An dieser Stelle übrigens ein Dank an diejenigen von Ihnen, die vor 1976 geboren wurden: Weil Sie einst gegen Pocken geimpft werden mussten, haben Sie dazu beigetragen, dass die Welt heute pockenfrei ist. Hätte die Menschheit das ohne Impfpflicht geschafft?

Lesen Sie dazu auch den Contra-Kommentar: Ein Zwang zur Corona-Impfung ist der falsche Weg

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Die Diskussion ist geschlossen.

28.07.2021

Jeder ist für sich selbst verantwortlich und soll sich schützen wenn er es für erforderlich hält. Dazu brauche ich den Staat nicht.

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27.07.2021

Chapeau Frau Thies, dieser Kommentar hätte glatt von mir stammen können. Dem ist nichts hinzuzufügen !!!

In diesem Sinne

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27.07.2021

Tja Frau Thies, das ganze hat nur einen Haken (und deshalb funktioniert der Pockenvergleich nicht):

Die Impfung gegen Corona erzeugt, wie auch die Influenzaimpfung, keine sterile Immunität. Das heißt, auch Geimpfte können sich wieder infizieren und das Virus wahrscheinlich weitertragen. Geimpfte können sich vor einem schweren Verlauf schützen, das ist aber dann Eigen- und kein Herdenschutz.

Das RKI selbst schreibt mittlerweile, dass das Erreichen einer Herdenimmunität nicht realistisch ist: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Downloads/Vorbereitung-Herbst-Winter.html

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28.07.2021

>> Die Impfung gegen Corona erzeugt, wie auch die Influenzaimpfung, keine sterile Immunität. Das heißt, auch Geimpfte können sich wieder infizieren und das Virus wahrscheinlich weitertragen. Geimpfte können sich vor einem schweren Verlauf schützen, das ist aber dann Eigen- und kein Herdenschutz. <<

Das Argument ist sehr gut - aber - die Impfung bewahrt auch das Gesundheitssystem vor Überlastung; damit gibt es sehr wohl einen kollektiv wirkenden Schutzmechanismus.

Die gerechte Durchsetzung sehe ich aber nicht - wir kennen alle die Bereiche wo sich dieser Staat durchsetzen würde und wo er wie bei anderen Themen von der Durchsetzung der Impfpflicht absehen würde.

Darum Solidarität nur gegen Solidarität!

Sozialleistungen und Krankenhausversorgung nur für Geimpfte - kompromisslos EU-weit !

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28.07.2021

@Peter. P.

Die Impfung bewahrt nur vor einer Überastung, wenn sich im Wesentlichen die gefährdesten Gruppen impfen lassen und die Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe reduziert wird. Selbst wenn sich jüngere Leute nicht impfen lassen, wird das nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen. Denn für junge und "mittelalte" Leute ist das Hospitalisierungsrisiko oder das Risiko in die Intensivstation zu müssen immer noch deutlich geringer als für ältere. Leider findet diese Tatsache in der Risikokommunikation durch Politik und Medien in Deutschland nur selten Erwähnung. Da ist Corona für alle gleich gefährlich...

Die Krankheitslast steigt mit dem Alter. Die Risiko für eine schweren Verlauf (definiert als Hospitalisierung) liegt bis zu einem Alter von 40 Jahren bei maximal 1-2 % (in der Schweiz bei 0-1 %, es scheint so, dass die deutschen Kliniken "sicherheitshalber" früher Patienten aufnehmen bzw. Ärzte früher überweisen) und steigt mit zuenhmend Alter immer weiter an. Ab 70 Jahren liegt sie in Deutschland und in der Schweiz bei über 10 bis 20 %. Das Risiko für einen sehr schweren Verlauf (definiert als Intensivaufnahme) liegt ab 60 Jahren bei 1-2 %, zwischen 50 und 60 Jahren zwischen bei 0,5-1 % und bei noch jüngeren bei weit unter 0,5 %. Männer zeigen dabei ein insgesamt ewtas höheres Risiko als Frauen. Die Daten aus Österreich sind vergleichbar.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/217880/COVID-19-Krankheitslast-in-Deutschland-im-Jahr-2020
https://bag-coronavirus.ch/wp-content/uploads/2021/06/Covid-19-Impfstrategie-BAG-EKIF.pdf
https://www.sozialministerium.at/dam/jcr:f472e977-e1bf-415f-95e1-35a1b53e608d/Factsheet_Coronavirus_Hospitalisierungen.pdf

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