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Fast ganz Österreich und große Teile Italiens sind nun Corona-Risikogebiete
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Europa

19.10.2020

Zwölf Orte, zwölf Menschen - die Bilanz des Reisesommers

Der Spielboote-Verleiher in Paris, die Hostelbesitzerin auf Island, die Strandkorb-Frau an der Ostsee ... - wir haben sie angerufen und gefragt, wie ihre vergangenen Wochen waren und was sie sich für die kommenden Wochen wünschen.
Bild: Raphaël Demaret

Plus Zu Beginn dieses von der Pandemie geprägten Sommers haben wir gefragt, was Gastgeber in Europa erhoffen und befürchten. Jetzt ziehen wir ein Fazit: So war der Corona-Sommer von Island bis Mallorca, in Schweden und der Schweiz.

Wegen der Corona-Krise war Urlaub in diesem Jahr nicht wie gewohnt möglich. Das betraf die Urlauber, die ihre Pläne ändern mussten, dafür oft ganz neue Ziele im eigenen Land entdeckten - besonders aber traf und trifft es die, die vom Tourismus leben. Wir wollten von Menschen in ganz Europa wissen, wie die Reisesaison verlief und was sie vom Winter und dem nächsten Jahr erhoffen - und was sie befürchten.

Befragt haben wir eine Hostelwirtin aus Island, eine Kulturmanagerin aus Irland, einen Spielboot-Verleiher aus Frankreich, einen Luxushotelier aus der Schweiz, einen Barbesitzer aus Spanien, einen Taschen-Macher aus Italien, eine Trüffelsucherin aus Kroatien, einene Hotelbesitzer aus Griechenland, eine Hüttenwirtin aus Österreich, eine Wanderführerin aus dem Allgäu, eine Strandkorb-Vermieterin aus Schleswig-Holstein und einen Park-Manager aus Schweden.

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Island: Die Hostelwirtin

Bild: privat

Æsa Gudrunardottir, 43, betreibt seit 20 Jahren ein Hostel in Vik, einem der Pilgerorte für Game-of-Thrones-Fans:

"Die ersten Gäste kamen Ende Juni, und Juli und August waren ganz okay. Nicht voll ausgebucht und nicht zum vollen Preis, aber immer noch besser als nichts. Ende August, als wir wieder fünf Tage Quarantäne hatten, verlangsamte sich wieder alles. Im September und Oktober ging es dann wieder besser, aber wir hatten nicht jeden Tag Gäste, manchmal war es auch nur einen einziger. Ohne die Unterstützung der Regierung hätten wir jedenfalls zumachen müssen. Ich musste schon alle meine Mitarbeiter entlassen und habe auch im Sommer niemanden eingestellt. Sie sind alle noch in Vik und bekommen Arbeitslosenunterstützung, dafür bin ich dankbar. Die Isländer sind in diesem Jahr auch innerhalb Islands viel gereist und einige übernachteten auch in unserem Hostel. Aber meist bevorzugen sie Sommerhäuser – mit hot tub – oder Hotels mit Bar. Die Hotels haben ihre Preise gesenkt, da konnten wir kaum konkurrieren. Unsere Gäste kamen vor allem aus Deutschland und Frankreich. Was gut ist: Das Hostel sieht jetzt nach all den Renovierungen besser aus als je. Aber ohne Geld konnten wir natürlich nur Dinge machen, die viel Zeit kosten und wenig Geld. Wir haben einen harten Winter vor uns. Aber ich hoffe, dass wir im nächsten Frühjahr alles hinter uns haben." Lilo Solcher

Irland: Die Kulturmanagerin

Bild: privat

Im Mai haben wir hier mit Fintan Maher gesprochen, der zum Team gehörte, das sich um das Kulturprogramm im irischen Galway kümmert, der Europäischen Kulturhauptstadt 2020. Nun berichtet Team-Leiterin Marilyn Gaughan-Reddan, was sich in Galway getan hat: "Es hat sich sei Mai viel verändert in Galway. Zwischenzeitlich durften die Pubs wieder öffnen, kleine Live-Konzerte konnten dort stattfinden, aber seit zwei Wochen sind die Kneipen und Bars wieder geschlossen. Es sind kaum Besucher in der Stadt. Das macht mich traurig. Das Neudenken des Galway- 2020-Programms zu Covid-19-Bedingungen hat uns einiges abverlangt. Wir müssen nun viel flexibler planen, niemand weiß, was morgen ist. Wir haben auch unser Team umstrukturiert: Es bestand mal aus 35 Personen, nun sind wir noch elf. Viele Projekte fanden und finden digital statt. So können auch Menschen von weither über das Internet an dem Kulturprogramm teilnehmen. Wir bekommen schönes Feedback. Aber alles können wir nicht digitalisieren. Den Spirit Galways kann man nicht online stellen. Statt eines Live-Auftritts vor 60 Zuschauern geben Künstler nun vier vor 15 Personen, natürlich gemäß der Gesundheitsrichtlinien. Das Programm wurde bis ins Frühjahr 2021 verlängert. Wir versuchen, optimistisch zu bleiben, und hoffen, dass sich die Lage wieder verbessert. So viel ist klar: An 2020 werden wir uns alle noch lange erinnern." Lea Thies

Frankreich: Der Spielboot-Verleiher

Bild: Raphaël Demaret

Raphaël Demaret von "Les Petits Bateaux" verleiht im Jardin des Tuileries in Paris Segelboote, die Kinder am Springbrunnen nahe dem Louvre fahren lassen können. Diese Tradition gibt es in Paris seit Beginn des 20. Jahrhunderts: "Seit Mitte Juni darf ich wieder meine Segelboote im Park verleihen. So habe ich wieder ein paar Einnahmen. Ich stehe seitdem jeden Tag im Park und arbeite auch länger als sonst. Aber das Geschäft läuft bei weitem nicht so wie letztes Jahr. Der August war fürchterlich. Da war nichts los. Durch Covid-19 kommen viel weniger Touristen in den Park. Ich verdiene nur halb so viel wie letztes Jahr. Das reicht nicht einmal zum Leben. Aber das Wenige ist besser als gar nichts. Immerhin bin ich noch im Geschäft. Vergangenes Wochenende war das beste der Saison, da war zum ersten Mal der Wagen, auf dem ich die Boote parke, leer und alle Segelboote schwammen auf dem Brunnen. Ein schöner Anblick. Die meisten meiner Kunden sind nun Pariser. Ihnen muss ich nicht jedes Mal erklären, wie dieses alte Spiel funktioniert. So kann ich die Boote schneller vermieten. Diese Tradition ist nun für manche Pariser wie eine kleine Auszeit aus dem anstrengenden Corona-Alltag. Viele sind genervt von den Masken. Aber die Stimmung in der Stadt ist besser als gegen Ende des Lockdowns. Ich hoffe, dass die Regierung den Park nicht wieder schließt und dass ich noch bis Anfang November Boote vermieten darf." Lea Thies

Schweiz: Der Luxushotelier

Bild: privat

Patrick Dietrich ist Direktor des Hotels Waldhaus in Sils Maria in der Schweiz, das er zusammen mit seinem Bruder Claudio in fünfter Generation als Familienunternehmen führt: „Wir sind sehr erleichtert, wie gut wir über den Sommer gekommen sind. Wir hatten eine Saison wie sonst nur im Winter. Vor allem aber: Es gab keine unglücklichen Zwischenfälle! Viel mehr Schweizer waren zu Gast, aber glücklicherweise auch Deutsche. Manche waren im ersten Moment überrascht, dass fast niemand eine Maske trug. Wer sich damit nicht wohlfühlte, bewegte sich antizyklisch im Haus. Wer früher abreisen wollte, dem sind wir entgegengekommen. Aber das kam gerade drei Mal vor. Das Waldhaus hat ja viel Platz zum Erholen: Große und hohe Räume, und die zweite Sauna ist bald fertig. Wir als Familie haben die Ruhe behalten. Immerhin hatten wir noch nie so viele Stornierungen vor allem internationaler Gäste und gleichzeitig so viele neue Buchungen. Es gab schon Momente, wo man hätte in Panik geraten können. Am 25. Oktober schließt das Haus. Am 11. Dezember machen wir wieder auf. An Ferien ist in der Zwischenzeit nicht zu denken. Man muss dran bleiben und die Lage immer wieder neu ins Auge fassen. Jetzt gilt unsere Vorausschau den Wintergästen. Die Buchungen sind auf demselben Stand wie letztes Jahr. Und doch spürt man, dass manche noch in der Warteschleife stehen. Als Team sind wir uns einig über den Weg. Bei aller Vorsicht bleibt der Glaube an das Gute." Inge Ahrens

Spanien: Der Barbesitzer

Bild: privat

Miquel Mulet Pons betreibt eine Apartmentanlage mit Bar im Küstenörtchen Colonia Sant Jordi auf Mallorca: "Ich habe schon wieder frei, gerade war ich ein paar Tage auf Ibiza und Formentera, wunderschön, man ist fast für sich allein. Unser Restaurant haben wir Mitte Juli geöffnet und am 7. September wieder geschlossen, weil es sich nach der Reisewarnung aus Deutschland einfach nicht mehr rentiert hat. Das Apartmenthaus ist noch auf, wobei von den Buchungen für September höchstens zehn Prozent übrig geblieben sind. Es war also eine extrem kurze Saison, aber wir machen – zumindest heuer noch – keine großen Verluste. Allerdings waren bis zu 90 Prozent unserer Gäste in diesem Jahr Spanier, davon wiederum ein Drittel Mallorquiner. Die Leute hier haben sich nach dem langen Lockdown gedacht: Wir müssen das genießen, so lange es geht, im Winter sperren sie uns eh wieder ein. Dieser Sommer war für uns in zweierlei Hinsicht eine Lektion: Erstens, ohne Touristen geht es nicht, denn noch so eine Saison werden die meisten nicht überleben, Unternehmer nicht und die Angestellten im Tourismus erst recht nicht. Und die zweite Lektion: Das Problem sind nicht die Touristen, sondern oftmals wir selber. Die Zufahrten zu bestimmten Stränden waren auch jetzt überfüllt und zugeparkt, weil wir einfach überall mit dem Auto hinfahren müssen, Müll ist auch jetzt liegen geblieben und so weiter ..." Stefanie Schuster

Italien: Der Taschen-Macher

Bild: privat

Marco Morosini ist Designer, Gründer des Labels "Brandina" mit acht Shops an der italienischen Adriaküste und Eigentümer des Hotels Castello Granarola in den Marken: "Der Sommer war sehr gut. Im Castello auf dem Berg gab es kein Zimmer mehr. Es kamen aber hauptsächlich Italiener. Das andere Europa fehlte. Auf dem Berg konnte jeder in seinem Apartment mit Küche für sich sein. Niemand musste sich mit anderen über ein Buffet beugen. In den Shops an der Küste lief es auch gut, jedenfalls im Juli und im August. Das hatten wir ehrlich gesagt so gut gar nicht erwartet. Wer da war, der konnte es goutieren, dass nicht nur am Strand einfach mehr Luft zum Atmen war. Die Genießer waren unter sich. Denn die wirklich ehrlichen und guten Restaurants haben sich sehr ins Zeug gelegt und hart gearbeitet. Die schlechten Etablissements waren leer. Na so was! Es bleibt die Erkenntnis, dass es nicht auf die Menge ankommt oder wie viel Geld du hinlegst, sondern einzig und allein auf die Qualität. Abschreckendes Beispiel war für mich Venedig, wo sie die Besucher am Ende durchgeschleust und abgefüttert haben wie Tiere. Die Tourismusindustrie zielt doch nur auf unsere Geldbörse und nicht auf unser Herz. Jetzt heißt es: Augen auf! Das Falsche erkennen und das wirklich Gute genießen. Schließlich sind wir nicht für immer auf dem Planeten." Inge Ahrens

Kroatien: Die Trüffelsucherin

Bild: privat

Visnja Prodans Familie lebt seit Generationen von der Trüffeljagd und inzwischen auch von der Trüffelzucht in Buzet. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Bruder organisiert die Dreißigjährige Trüffeltouren für Touristen: "Der Sommer war schön, aber nicht so ausgebucht wie sonst. In meinem Fall war das sogar gut, weil ich ein Kind erwarte. Deshalb kam es mir entgegen, dass die Arbeit weniger wurde. Ich werde in zwei Wochen Mutter sein und wir freuen uns auf ein Mädchen. Die Restaurants waren aber geöffnet und und unsere Trüffel standen auf der Speisekarte. Aber Feinkostgeschäfte und Märkte haben nicht gut verkauft, das war der Tiefpunkt in diesem Sommer. Denn Touristen kamen, wenn auch deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Dennoch wollten die Menschen ihren Sommerurlaub nicht aufgeben. Die meiste Nachfrage kam aus Europa, denn die Transatlantikflüge waren ja alle gestrichen. Vor Corona hatten wir noch jede Menge Besucher aus den USA und Asien. Wir haben auch Trüffeltouren gemacht, aber meistens private Touren mit Paaren oder Familien. So richtig Geld verdienen konnten wir bisher nicht. Aber das Jahr ist noch nicht vorbei. Die Saison der weißen Trüffel beginnt ja erst und unser Hauptgeschäft sind frische Trüffel. In drei Monaten wissen wir mehr, was dieses seltsame Jahr uns gebracht hat. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf." Lilo Solcher

Griechenland: Der Hotelbesitzer

Bild: privat

Sokratis Nikolaidis besitzt in Mastichari auf der griechischen Insel Kos ein kleines Hotel "Ilios & Irene" und eine eigene Autovermietung: "Mitte Juli kamen die ersten Urlauber – und jetzt ist es Anfang Oktober und ich arbeite immer noch sieben Tage die Woche quasi rund um die Uhr. Unsere 15 Apartments sind ausgebucht! Nur in der Hotelbar darf ich ab Mitternacht keine Getränke mehr ausschenken, ich bekomme also etwas mehr Schlaf. Wir hatten sehr viel Glück auf Kos, wir haben hier seit langem keinen einzigen Coronafall! Trotzdem ist es in dieser Saison alles andere als ein normales Arbeiten: Wir tragen die ganze Zeit Maske oder Plastikvisier, desinfizieren ständig alles – zum Glück sind die Desinfektionsmittel inzwischen viel günstiger geworden, das hätte uns sonst ruiniert! In den Restaurants gilt ein Mindestabstand von zwei Metern. Aber man gewöhnt sich daran, mir erscheint das längst normal. Meine Sorge ist nur, wie es weitergeht. Im Herbst bekommen wir normalerweise die ersten Buchungen für 2021, aber jetzt sind es nur ganz wenige. Die Leute sind zögerlich, wollen abwarten, sehen, was mit den Flügen passiert. Wenn ich ehrlich bin, habe ich Angst vor dem nächsten Jahr, denn eine zweite, so kurze Saison kann ich nicht verkraften. Andererseits: Ich bin jung, ich will arbeiten, ich will nicht 500 Euro Hilfe vom Staat und mich auf die faule Haut legen. Deshalb MUSS ich optimistisch sein. Es wird schon alles gut werden!" Stefanie Schuster

Österreich: Die Hüttenwirtin

Bild: privat

Laura Heigenhauser führt gemeinsam mit ihrem Mann Thomas in Hinterthal im Pinzgau das Landhaus "Zum Steinbock" und oben auf dem Berg auf 1600 Meter Höhe "Die Steinbockalm": "Der Juni war noch verhalten, aber im Juli und August war bei uns auf der Alm fast mehr los als in den vergangenen Jahren – vor allem an den Tagen, an denen der Lift offen hatte und auch das Wetter gepasst hat. Wir hatten nicht nur mehr Wanderer aus der Gegend und ganz Österreich. Auch die Gäste, die hier Zweitwohnsitze besitzen und die im Sommer sonst vielleicht ans Meer fahren, haben ihren Urlaub diesmal in Hinterthal verbracht. Sogar unser „Kabarett auf dem Berg“ konnte stattfinden – da haben wir oben ein Zelt aufgebaut, damit die Zuschauer mehr Platz haben. Über den Sommer also können wir uns wirklich nicht beschweren – auch wenn uns natürlich alle Hochzeiten abgesagt wurden. Die meisten Paare haben aber aufs nächste Jahr verschoben. Für den Winter haben wir in der Alm nun mehr Tische, damit jeder mit seiner Gruppe für sich sein kann. Unsere Live Bands werden spielen, aber Après-Ski gibt es jetzt nur im Sitzen. Und was das Skifahren betrifft: Im Lift herrscht zwar Maskenpflicht, aber die meisten haben eh ihre Bandana-Tücher als Kälteschutz dabei. Ich glaube, der Winter wird also nicht so schlecht – falls es keine Reisewarnung gibt. Die meisten werden wohl kurzfristig buchen. Es plant ja keiner mehr lange voraus." Stefanie Wirsching

Allgäu: Die Wanderführerin

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Alina Budai ist Trainerin für Personalentwicklung. In den Sommermonaten geht sie als Bergwanderführerin mit Gästen meist im Allgäu wandern: "Ich hatte gleich einen Schreckmoment am Saisonanfang, weil sich zwei Wanderinnen mit Corona infiziert hatten und ich als Kontaktperson ermittelt worden war. Gott sei dank war ich negativ. Der Sommer ist entgegen allen Erwartungen ganz gut gelaufen, obwohl wir zwei Wochen vor Beginn der Saison nicht wussten, ob die Hütten überhaupt öffnen dürfen. Es gab dennoch eine Stornierungswelle, die auch mich betroffen hat, auch jetzt am Schluss noch einmal wegen der Reisewarnungen für Tirol und Vorarlberg. Da konnten die Leute ja auch nicht ins Kleinwalsertal. Zumindest eine Tour konnte ich durch schnelles Umplanen retten. Für mich war es interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Hygieneregeln gehandhabt wurden. In der Schweiz und in Österreich ging es lockerer zu als in Südtirol oder Deutschland, das ist zumindest mein Eindruck. Auf manchen Hütten saßen die Leute schon sehr eng zusammen. Da wurde sehr unterschiedlich mit Corona umgegangen, insgesamt aber sehr verantwortungsbewusst. Bei der Tischbelegung etwa wurde darauf geachtet, dass jeweils die Gruppen zusammensaßen. Aber auch meine Gäste waren vorsichtiger gewesen. Es gab aber auch Momente, da möchte ich mich nicht ausnehmen, da hat man Corona wieder vergessen, da fühlte sich alles ganz normal an." Doris Wegner

Ostsee: Die Strandkorb-Frau

Bild: privat

Maike Borelli vermietet Strandkörbe und Ferienwohnungen in Kellenhusen an der schleswig-holsteinischen Ostsee: "Die Saison lief verhältnismäßig gut. Ich hatte am Anfang gedacht, dass gar nichts geht. Aber es kamen dafür Gäste, die sonst gar nicht gekommen wären. Darunter waren viele aus Süddeutschland, die ihren Urlaub normalerweise auf Island, der Aida oder auf den Kanaren verbringen. Natürlich konnten wir wegen der Abstandsbestimmung nicht alle Körbe aufstellen und die erste Zeit fehlte – aber es lief besser als gedacht. Juli und August gingen schon immer gut, dieses Jahr haben uns der Juni und September gerettet. Denn da kamen die Menschen aus den südlichen Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg, die zu dieser Zeit Ferien hatten. Wir hatten außerdem mehr Kurzurlauber da, die nur für zwei, drei Tage blieben. Dieses Jahr war es aber auch sehr stressig, weil Mitarbeiter des Ordnungsamts täglich kontrolliert haben, ob die Menschen die Abstände und die Maskenpflicht einhalten – und die Vermieter Strafe zahlen mussten, wenn sie ihre Gäste nicht ermahnt haben. Ich denke, auch in den nächsten Jahren werden mehr Urlauber hierherkommen. Viele wussten gar nicht, wie schön es hier an der schleswig-holsteinischen Küste ist. Die Ostsee wird immer mit Kälte und Regen verbunden – dabei ist das gar nicht so." René Buchka

Schweden: Der Park-Manager

Bild: privat

Jocke Johansson ist Geschäftsführer des Themenparks "Astrid Lindgrens Värld" im südschwedischen Vimmerby. Dort, in einer Landschaft wie aus dem Märchen, kam die Autorin zur Welt: "Wir mussten unseren Park im Juni wegen neuer Restriktionen schon nach elf Tagen wieder schließen. Nur in unserem Theater durften wir noch spielen – für maximal 50 Personen. Im Mai hatten wir noch ein Minus von 50 Prozent der Besucher erwartet. Es war viel mehr. Unseren Gästen haben wir angeboten, kostenlos zu stornieren. Die, die trotzdem gekommen sind, waren zufrieden mit all den Sicherheitsregeln, die wir ergriffen hatten. Sie freuten sich, uns zu besuchen. Dennoch machen wir einen Verlust von 120 Millionen schwedischen Kronen (etwa 11,5 Millionen Euro). Die finanzielle Unterstützung der Regierung berechnet sich nur nach den Gewinnverlusten, die ein Unternehmen im Mai, Juni und Juli hatte. Wir aber haben nur im Sommer Einnahmen und sonst das ganze Jahr über Kosten. Nach aktuellem Stand bekommen wir sieben Millionen Kronen (etwa 674 000 Euro) an Unterstützung. Das würde unser Überleben nur um einen Monat verlängern. Wir haben mit vielen Entscheidungsträgern gesprochen, aber kein Feedback erhalten. Wenn es keine Änderung in den Regeln der Regierung gibt und wir erst nächsten Sommer wieder regulär öffnen dürften, bleibt das Unternehmen nicht bestehen. So einfach ist das." Sarah Ritschel

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