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  4. Kommentar: Es ist nicht Winnetou, es sind die Menschen, die seine Geschichte adaptieren

Es ist nicht Winnetou, es sind die Menschen, die seine Geschichte adaptieren

Kommentar Von Birgit Müller-Bardorff
26.08.2022

Nachdem der Ravensburger Verlag „Der junge Häuptling Winnetou“ zurückgezogen hat, stellt sich die Frage: Kann man denn überhaupt noch Karl May lesen?

Ziemlich blöd gelaufen für den Ravensburger Verlag. Da wollten sie alles richtig machen und wirklich alles ist jetzt schiefgelaufen. In der Ankündigung hatte es sich noch ganz harmlos angehört: „Die Geschichte dreht sich rund um Winnetou, den Sohn des Häuptlings. Als sein Stamm in Not gerät, muss Winnetou seinen Mut unter Beweis stellen und sich gemeinsam mit seiner Schwester und dem Stadtjungen Tom in ein gefährliches Abenteuer stürzen.“

Winnetou-Kontroverse: Gegen die woken Weltverbesserer wird gewettert

Mit einem Buch zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ (und begleitend einem Erstlesebuch und einem Stickeralbum) wollte man den schnellen und leichten Erfolg und hat dann sehr schnell reagiert, als die Reputation des alteingesessenen schwäbischen Verlages in Gefahr war, weil die Empörungswelle auf Instagram sich aufgetürmt hatte, weil dem Buch vorgeworfen wurde, rassistische Stereotypen und eine koloniale Haltung zu transportieren, ja das Leben der indigenen Bevölkerung in Amerika zu verkitschen.

Der Verlag zog das Buch bekanntlich zurück und hat jetzt womöglich den wesentlich größeren Schaden: Keiner regt sich mehr über das Buch auf – schon gar nicht übrigens über den Film, der immer noch in den Kinos läuft – , aber alle wettern gegen die woken Weltverbesserer, die sich an unserem Kulturgut zu schaffen machen, vor allem aber gegen den Verlag, der davor eingeknickt ist. Keine Bücher, keine Puzzles, keine Spiele mehr von Ravensburger drohen die Twitterer und Instagrammer und canceln den Verlag, was sie aber nicht davon abhält, diesen in ihren Kommentaren der Zensur zu bezichtigen.

Und wieder ist die Debatte über Rassismus in vollem Gang und wird – wie vorher schon bei „Pippi Langstrumpf“ oder „Jim Knopf“ – über die Sensibilität gesprochen, die im Umgang mit klischeehaften Inhalten und diskriminierenden Begriffen in historischen Stoffen anzuwenden ist. Und zu guter Letzt schwebt über allem auch die verzweifelte Frage: Will man uns nun auch noch unseren Winnetou nehmen?

Toleranz, Rücksicht, Freundschaft: auch deswegen wurde "Winnetou" geliebt

Was für ein Blödsinn! Karl Mays Geschichten vom Mescalero-Apachenhäuptling, entstanden in den 1890er Jahren, hatten schon zu seiner Zeit nicht den Anspruch, die Geschehnisse um die Landnahme weißer Siedler in Nordamerika und die damit verbundene Vertreibung, Diskriminierung und Tötung der Urbevölkerung zu schildern. Karl May saß zu Hause in Dresden, wälzte Lexika, blätterte in Reiseberichten, ließ seiner Fantasie freien Lauf und schrieb fesselnde Abenteuergeschichten über den sogenannten Wilden Westen, auch über den Orient und China.

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Dass er dabei auch Stereotype über die indigene Bevölkerung verwendete, deren Lebensrealität oft nicht authentisch wiedergab und romantisierte, ist aber nicht nur mangelnder eigener Anschauung zuzuschreiben, sondern vor allem auch dem Kontext seiner Zeit und dem damals herrschenden kolonialistischen Denken. Dass Karl Mays generationenübergreifende Bestseller mittlerweile oft nicht mehr die erste Wahl sind, wenn Eltern nach Büchern für ihre Kinder suchen, obwohl sie „Winnetou“ und Co selbst verschlungen haben, spricht wohl auch dafür, dass das Bewusstsein dafür gewachsen ist.

Und es ist ja nicht so, dass Karl May in „Winnetou“ den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern und die grausame Landnahme der Siedler nicht thematisierte. Die Stammesfehde zwischen Kiowas und Apachen stellt er als taktisches Manöver von Old Shatterhand und Sam Hawkens dar, um den Eisenbahnbau durch deren Land voranzutreiben. Dass Karl May darüber hinaus nicht nur in seinen „Winnetou“-Büchern Werte wie Toleranz, Rücksicht, Mitgefühl und Freundschaft ganz hoch gehalten hat, werden Millionen von Leserinnen und Lesern bestätigen. Gerade deshalb haben sie ihren „Winnetou“ ja auch so geliebt.

Moderne "Winnetou"-Adaptionen: Muss das sein?

Unbestritten ist aber auch, dass jeder, der diese Geschichten heute adaptiert, mit aktuellem Wissen über die tatsächlichen Vorgänge und dem heute herrschenden Bewusstsein über einen feinfühligen Umgang mit Diskriminierung und Diminuierung umgehen sollte. Nicht nur der Ravensburger Verlag hat diese Verantwortung missachtet und nun auch eingestanden, schon die Drehbuchautoren des Kinofilms und die Autoren des Theaterstücks, auf dem er basiert, haben sich ihr nicht gestellt. Nebenbei bemerkt: Dass ein Genozid und andere grausame Tatsachen Kindern und Jugendlichen nur schwer zu vermitteln wären, das widerlegen die vielen hervorragenden Bücher für diese Altersklasse, die den Holocaust sensibel und altersgerecht nahebringen.

Wer also Karl May weiterhin lesen möchte, kann beherzt zu den Büchern greifen und sie lesen als das, was sie sind: Märchengeschichten aus einer vergangenen Zeit. Und weiterhin bunte Puzzles mit Tieren, Blumen und Bergen kaufen kann man übrigens ebenfalls.

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27.08.2022

Verbrennt alle Bücher, alle Noten. Alles nicht PC, alles kulturelle Aneignung.

Hört auf, fremde Sprachen zu sprechen, fremdes Essen zu kochen, fremde Kleidung zu tragen und andere Frisuren zu haben. Das gilt natürlich auch für alle, also nicht nur die "Weißen". Also bitte absofort keine Dirndl im Ausland, etc. Deutsche Musik, Klassik, etc. durch Musiker aus dem Ausland gespielt? Nicht PC, kulturelle Aneignung!

Die ganzen PC Leute sind wo ausgebüxt. Je besser es den Menschen geht, desto bekloppter werden sie.

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27.08.2022

.
Meinetwegen mögen (sich als solche fühlende) Weltverbesserer sich
mit hervorgezerrten "Problemen" aufbrezeln, wenn sie danach hungern.

Die anders meinende Mehrheit sollte sich aber nicht, wie wiederholt
geschehen, fügen ..........
.

Permalink
19.09.2022

.
In diesem Zusammenhang notwendigerweise (wie ich meine,
weil heute im Online-Auftritt unter „Lokales“ unauffällig unter-
gebracht) ein Hinweis auf „Erkenntnisse über Augsburg und
„Drei Mohren“, Deutschland und die Freiheit“ vom 16.09. -,
Insbesondere - deshalb hier angebracht - auf die dortigen
Ausführungen zum Umgang mit der Bezeichnung „Drei
Mohren“ und der unangebrachten Nachgiebigkeit Druck
gegenüber dem „ Druck unkultivierter Provokateure“ ………
.


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27.08.2022

Lächerlich hoch 3. Oder findet jemand ein besseres Attribut für diese Lachnummer?

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27.08.2022

Sie haben wohl die hierin enthaltene Ironie nicht erkennen können - war ja auch nicht als solche gekennzeichnet, aber genauso
gemeint.

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27.08.2022

Danke. Keine Sorge. Ich habe alles erkannt.

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26.08.2022

Ja genau, und nicht nur das.
Auch den Othello von Shakespeare gilt es dringend neu zu überarbeiten. Und so Manches andere, was wir jetzt vielleicht noch gar nicht
überreißen.
Da kommt noch viel an Geschichtsaufarbeitung auf uns zu. Dass man da auch nicht früher schon draufkam?
Waren wohl bisher die falschen Leute, die hier den fehlenden "nötigen Einblick" hatten.

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27.08.2022

Ohhh ja, gut dass Sie das ansprechen. Das wird spannend, wenn man dem Darsteller des Othello ein Schild umhängt, wo draufsteht: Ich bin eigentlich eine POC, aber das darf ich nicht mehr sein, weil ich doch am Schluss die schöne blonde Desdemona meuchle ... Weil das aber nicht sein darf, brechen wir vor dem letzten Akt ab, reichen uns alle die Hände und singen ein Lied – das von einem entsprechenden Arbeitskreis vorher erarbeitet wird. Schöne neue Welt!
So manches Stück Literatur wird auf dem Scheiterhaufen landen – gab es nicht schon mal Bücherverbrennungen in Deutschland? Nun ja, dann kann sich daran vielleicht noch ein Obdachloser (darf man das noch sagen?) die Hände wärmen.
Das schlimme daran – und das sage ich ganz ohne Ironie – ist, dass die wirklichen Vorurteile und Probleme unserer Zeit bestehen bleiben. Über die sieht man großzügig hinweg, denn das würde wirklich Engagement erfordern.

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26.08.2022

Dann muss man wohl auch das Neue Testament neu schreiben bzw. überarbeiten: "Heilige Drei Könige". Da war doch was?


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27.08.2022

Nicht nötig! Das Christentum hat seinen Ursprung im nahen Osten. Es ist also kulturelle Aneignung und muss daher in Europa verboten werden. :D

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27.08.2022

Gab es da nicht schon eine "Affäre" um eine Krippe in Ulm?

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