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Spenden
19.11.2022

Gemeinsam geht's: Kartei der Not hilft Menschen in der Region

Seit über 55 Jahren hilft die Kartei der Not Menschen in der Region, die unverschuldet in eine schwierige Lebenslage geraten sind. Der Dank, der das Leserhilfswerk erreicht, drückt sich manchmal auch in einer wunderbaren Kinderzeichnung aus. Für ihre Spendenbereitschaft aber danken wir Ihnen von ganzem Herzen.

Seit über 55 Jahren steht die Kartei der Not Menschen in unserer Region bei, die unverschuldet in eine Krise geraten sind. Das Leserhilfswerk unserer Zeitung unterstützt nicht nur mit Geld.

Die Tür öffnet sich einen Spalt breit. Herein spitzt eine kleine Nase. Eine Sekunde später sind auch zwei dunkle Augen zu sehen. Dann geht es ganz schnell. Ein kleines Mädchen stürmt in den Raum und auf seine Mutter zu. Ihm dauert das alles zu lange. Die Zweitklässlerin will zu ihrer Mama und ihr ganz dringend etwas erzählen, was einfach nicht warten kann. Ein glückliches, lebhaftes Kind, denkt jeder sofort, der die Achtjährige das erste Mal zu Gesicht bekommt. Dabei hatte sie es noch vor ein paar Jahren sehr schwer.

Dass es Sofia und ihrer Mutter Johanna V. (Namen auf Wunsch geändert) heute so gut geht, hat viel mit einer glücklichen Wende in ihrem Leben zu tun. Denn Johanna V. hat schlimme Zeiten erleben müssen. Als sie ganz unten war und nicht mehr weiterwusste, fanden Mutter und Tochter Aufnahme im Ellinor-Holland-Haus in Augsburg. Ein ganz besonderes Haus, das von der Kartei der Not getragen wird, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung. Für Mutter und Tochter sollten sich die drei Jahre in dieser behüteten Umgebung als Glückslos erweisen.

Im Ellinor-Holland-Haus bekommen Menschen Zeit für einen Neustart

Im Ellinor-Holland-Haus leben 80 Alleinerziehende, Familien, Alleinstehende und ältere Menschen in 28 Wohnungen, um zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Unterstützt werden sie dabei von einem engagierten Team pädagogischer Fachkräfte. Bis zu drei Jahre Zeit bekommen die Bewohner, wieder im Leben Fuß zu fassen.

Es sind Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen, die hier die Zeit für einen Neustart in ihrem Leben erhalten. Auch eine ukrainische Familie lebt hier, lernt Deutsch und macht sich fit für den Arbeitsmarkt. Viele Alleinerziehende sind dabei, die Gewalt erleben mussten – so wie Johanna V. "Das Ellinor-Holland-Haus war meine Rettung", sagt die 28-Jährige.

Das Ellinor-Holland-Haus im Augsburger Textilviertel bietet Menschen nach einem Schicksalsschlag die Chance auf einen Neustart.
Foto: Ulrich Wagner

Sie hat jung geheiratet. Mit 20 kam das Kind. Alles schien auf einem guten Weg zu sein. Bis ihr Mann immer mehr getrunken und auch illegale Drogen konsumiert hat. "Dann hatte er immer öfter Aussetzer", erzählt Johanna V. Erst auf Nachfrage verrät sie mehr. Er wurde gewalttätig und hat sie im Rausch wiederholt geschlagen.

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Sie hat das lange Zeit weggesteckt bis zu jenem Tag, als ihr Mann sich betrunken auf den Balkon gestellt und vor seiner kleinen Tochter angekündigt hat, er werde jetzt in die Tiefe springen. Das war der Moment, an dem es für die junge Mutter kein Halten mehr gab. "Ich muss hier weg", sagte sie sich damals, stopfte schnell die nötigsten Papiere und Wäsche in einen kleinen Reisekoffer und nahm regelrecht Reißaus vor ihrem Mann. Mit dem Auto einer Freundin flüchtete sie mit ihrer kleinen Sofia ins Frauenhaus, das fast 100 Kilometer von ihrem Wohnort im Allgäu entfernt lag.

Die Angst, dass ihr Mann sie aufspüren könnte, hat sie lange belastet

Mehr als ein Jahr lang lebte sie dort in einer Wohngemeinschaft. Viel Geld zum Leben hatten sie nicht. Ihr Bankkonto war von ihrem Mann leer geräumt worden. Mit 85 Euro pro Woche mussten Mutter und Tochter auskommen. "Aber das war mir egal, Hauptsache ich war frei", sagt sie. Endlich konnte sie wieder so leben, wie sie wollte. Nur die Angst, dass ihr Mann sie doch noch aufspüren könnte, hat sie lange belastet.

Sofias Mutter stammt aus der Karibik, ihr Vater aus Oberbayern. Zwei Jahre alt war Johanna V., als ihre Eltern mit ihren vier Geschwistern ins Allgäu gezogen sind. Auch ihre Ehe hielt nicht sehr lange. Ihre Mutter schlägt sich seither alleine durch und arbeitet in der Altenpflege.

Johanna V. hat gerne im Allgäu gelebt. Die Menschen begegneten ihr freundlich, erzählt sie. Nie hat sie ein böses Wort über ihre Herkunft gehört. Anders war das, als sie im Frauenhaus lebte und ihre Tochter in die erste Klasse kam. Die quirlige Sofia wurde immer stiller. Und eines Tages fragte sie, was das N-Wort bedeutet. Ob das eine Beleidigung sei, mit der sie Mitschüler traktiert hatten. Sofia nahm sich das sehr zu Herzen. Sie sprach mit niemandem mehr und wollte nicht mehr in die Schule gehen. Unter der Dusche rubbelte sich das Mädchen auf ihrer Haut herum in der Hoffnung, sie heller zu bekommen.

Im Ellinor-Holland-Haus fassten Mutter und Tochter neuen Mut

Im Ellinor-Holland-Haus haben Mutter und Tochter neuen Mut gefasst. Johanna V. konnte in diesen drei Jahren mithilfe des Jobcenters eine Ausbildung zur Elektrikerin für Energie- und Gebäudetechnik machen. Ihre Tochter war in dieser Zeit immer gut in der Kindertagesstätte untergebracht. Sie ist zuversichtlich, dass sie mit dieser Ausbildung schnell einen guten Arbeitsplatz finden wird.

Mit mehr Schwierigkeiten rechnet sie bei der Wohnungssuche. Als Alleinerziehende sei es sehr schwer, hat sie erfahren müssen. Aber sie weiß auch, dass die Mitarbeiterinnen im Ellinor-Holland-Haus alles tun, ihr auch weiterhin zu helfen. Der Geschäftsführer der Kartei der Not, Arnd Hansen, kennt die Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Er bittet mögliche Vermieter herzlich darum, die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Ellinor-Holland-Haus, die ihr Leben trotz schweren Schicksalsschlägen so gut meistern, bei der Wohnungssuche zu unterstützen.

Für die Hilfe im Ellinor-Holland-Haus ist Johanna V. unendlich dankbar. Egal, welches Problem zu lösen war, die Mitarbeiterinnen haben sich die Zeit für sie genommen und ihr geholfen, erzählt sie. Das werde sie nie vergessen.

Pädagoginnen und Ehrenamtliche kümmern sich intensiv um die Familien

Es sind viele solcher Erfolgsgeschichten, die das Ellinor-Holland-Haus möglich gemacht hat. Die Vorsitzenden des Kuratoriums der Kartei der Not, Ellinor Scherer und Alexandra Holland, freuen sich sehr, dass sich dieser vor sechs Jahren eingeschlagene Weg als richtig und wichtig erwiesen hat. "Das Zerbrechen der Familie, der Verlust der Wohnung, Gewalt, ein Unfall oder ein anderer Schicksalsschlag können Menschen in eine schwierige Lebenssituation bringen", sagt Ellinor Scherer. Und Alexandra Holland ergänzt: "Die Betroffenen brauchen Zeit und einen Ort, um wieder gut im Leben Fuß fassen zu können. Das bietet das Ellinor-Holland-Haus. Dort kümmert sich ein Team von Pädagoginnen und Ehrenamtlichen intensiv um die Familien." Dies sei dank der großen Hilfsbereitschaft der Spenderinnen und Spender möglich. "Dafür möchten wir uns herzlich bedanken und Sie alle bitten, unsere Arbeit weiter zu unterstützen."

Seit über 55 Jahren unterstützt unser Leserhilfswerk Menschen in Not

Denn nicht nur im Ellinor-Holland-Haus steht die Kartei der Not Menschen bei, die in Lebenskrisen geraten sind. Seit über 55 Jahren können sich einzelne Personen und Familien auch über eine soziale Beratungsstelle bei ihnen vor Ort an unser Leserhilfswerk wenden und für eine ganz konkrete Notlage einen finanziellen Zuschuss beantragen. Denn gerade Menschen, bei denen das Geld ohnehin sehr knapp ist, bekommen oft existenzielle Probleme, wenn beispielsweise plötzlich Herd oder Kühlschrank kaputt gehen, wenn das für Arzttermine und Arbeit unverzichtbare Auto nicht mehr fährt oder – wie aktuell besonders dramatisch – hohe Strom- oder Heizkosten fällig werden.

In finanziell und psychisch höchst angespannten Verhältnissen leben aber gerade auch viele Ehepaare oder Alleinerziehende mit einem pflegebedürftigen Kind. Für die gesunden Geschwisterkinder, auch Schattenkinder genannt, bleibt nicht selten nicht einmal Geld für eine Geburtstagsfeier oder den Sportverein.

Das pädagogische Team des Ellinor-Holland-Hauses (von links): Susanne Weinreich, Denitsa Stefanova, Barbara Hassler, Olivia Uhl-Baumm (Assistentin der Geschäftsführung der Kartei der Not), Arnd Hansen (Geschäftsführer der Kartei der Not), Iris Bürgel und Marion Trzeciak.
Foto: Ulrich Wagner

Das Leserhilfswerk unserer Zeitung hat aber beispielsweise auch schon die Anschaffung eines E-Bikes bezuschusst, um einem Ehepaar die regelmäßigen Ausflüge mit ihrem geistig beeinträchtigten Sohn weiter zu ermöglichen. "Ohne die finanzielle Hilfe hätten wir uns dieses E-Tandem einfach nicht leisten können", erzählt die Mutter und schildert, wie wichtig es für sie und ihren Mann ist, dass ihr erwachsener Sohn, der seit einigen Jahren in einer Fördereinrichtung lebt, an den Wochenenden zu ihnen nach Hause kommen und mit dem Papa gemeinsam Rad fahren kann. Allein könne der junge Mann kein Rad benutzen, da er in Folge seiner geistigen Handicaps Gefahren nicht einschätzen könne und Konzentrationsprobleme habe. Dennoch beruhige er sich gerade beim Radeln in der Natur ganz schnell und leide in dieser Zeit nicht unter seinen Zwängen, seinen Schreianfällen, seinen teils aggressiven Attacken. Wer mit der Mutter spricht, erfährt aber schnell auch, wie anstrengend das Leben mit einem geistig so schwer beeinträchtigten Kind war und noch immer ist, wie viel Kraft es sie gekostet hat und noch heute kostet, wie dankbar sie ist, einen Weg gefunden zu haben, der sie einerseits die Bindung zu ihrem Kind vertiefen lässt, andererseits sie aber auch entlastet.

Geholfen hat ihr nicht nur bei der Finanzierung des Tandems eine Beratungsstelle beim Dominikus Ringeisen Werk, kurz DRW. Diese kirchliche Einrichtung, die zur Caritas gehört, begleitet seit ihrer Gründung vor mehr als 125 Jahren Menschen mit Behinderung, bietet ihnen unter anderem Schulen, Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten. Rosa Maria Brückner arbeitet seit Langem beim DRW und ist dort zuständig für die Spenden. Denn auf Spenden sind viele Menschen im DRW in den unterschiedlichsten Bereichen angewiesen, erklärt sie. Seit vielen Jahren stellen sie und ihre Mitarbeiter daher auch immer wieder Anträge bei der Kartei der Not. Denn Hilfesuchende können sich nicht direkt an unser Leserhilfswerk wenden.

Enge Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen vor Ort

"Für uns ist ganz entscheidend, dass eine Beratungsstelle oder eine andere Institution den tatsächlichen Hilfebedarf prüft und für notwendig erachtet", erklärt die Kuratoriumsvorsitzende Ellinor Scherer. Und ihre Stellvertreterin Alexandra Holland ergänzt: "Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen vor Ort ist für uns sehr wichtig. Wir rufen immer wieder die Mitarbeitenden beispielsweise der Städte und Gemeinden, aber auch der verschiedenen Wohlfahrtsverbände und sozialen Anlaufstellen auf, sich an uns zu wenden, damit wir gemeinsam schwere Einzelschicksale abfedern können." Prüfen muss die Kartei der Not auch die finanzielle Bedürftigkeit. „Doch dann geht es bei unserem Leserhilfswerk sehr schnell und unbürokratisch“, hebt Kartei der Not-Geschäftsführer Arnd Hansen hervor.

Die finanzielle Hilfe wird oft sehr schnell benötigt

Das bestätigt auch Rosa Maria Brückner vom DRW, die hier stellvertretend für die vielen Beratungsstellen, mit denen die Kartei der Not oft schon seit Jahren eng und gut zusammenarbeitet, zu Wort kommt. Brückner betont aber auch, dass es mit den finanziellen Zuschüssen oft wirklich sehr rasch klappen muss: "Zu uns kommen beispielsweise immer wieder Kinder, die aus sehr belastenden Familienverhältnissen stammen und die wirklich, wenn sie bei uns ankommen, nur das haben, was sie am Leib tragen." Bis dann alle zuständigen Ämter und Stellen sich der Fälle annehmen, vergeht einfach oft Zeit "und auch bei dieser Überbrückungshilfe, wenn es etwa um die Beschaffung von Kleidung geht, hilft uns die Kartei der Not immer wieder sehr zügig."

Wie vielen bedürftigen Menschen fehle es auch den beeinträchtigten Kindern, Frauen und Männern, die in den Einrichtungen des DRW leben, oft an Geld, um etwa die Eigenanteile für Brillen oder Zahnspangen zu bezahlen, erklärt Rosa Maria Brückner. Auch Freizeitaktivitäten seien ohne Spenden in vielen Fällen nicht zu realisieren. "Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld, bei dem wir immer wieder schnelle Unterstützung von der Kartei der Not erfahren, sind die so genannten Ambulanten und Offenen Hilfen." Sie ermöglichen es gerade Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die etwa unter großen Ängsten und Traumata leiden, in den eigenen vier Wänden selbstständig zu wohnen und dennoch begleitet zu sein. Viele von ihnen können infolge ihrer Erkrankung nicht arbeiten und beziehen daher soziale Leistungen. "Hier helfen oft Kleinigkeiten wie Fahrkarten oder ein bisschen Taschengeld für einen Café-Besuch, bei dem das Zusammensein unter fremden Menschen wieder geübt wird."

Und noch einen Bereich hebt Rosa Maria Brückner hervor: "Wir haben einen eigenen Pferdehof, in dem wir Reittherapie anbieten können. Denn wir sehen immer wieder, wie sehr der direkte Kontakt mit den Tieren gerade unseren jüngeren Bewohnern körperlich und psychisch guttut. Doch die Therapie übernimmt keine Kasse." Um diese wertvolle tiergestützte Therapieform aufrechtzuerhalten, sei man auf Spenden angewiesen. Und auch hier habe die Kartei der Not schon oft geholfen.

"Menschen einen friedlichen Abschied in Würde zu ermöglichen, ist uns ein großes Anliegen"

So entscheidend in Einzelfällen eine unbürokratische Unterstützung ist – das Leserhilfswerk steht benachteiligten Menschen auch bei, indem große soziale Projekte gefördert werden. Der 2020 bezogene Neubau des Allgäu-Hospizes in Kempten ist da ein gutes Beispiel. Die Kartei der Not hat dort die Ausstattung eines Begegnungsraumes sowie den Kauf medizinischer Geräte unterstützt – Geräte, die den Bewohnern den Alltag in ihrer letzten Lebensphase erleichtern, die jedoch von den Kostenträgern nicht oder nur teilweise finanziert werden. Für die Kuratoriumsvorsitzende Ellinor Scherer und ihre Stellvertreterin Alexandra Holland entspricht das Engagement für das Hospiz in besonderem Maß dem Stiftungszweck, sei das Hospiz doch ein Musterbeispiel für gelebte Mitmenschlichkeit. "Menschen einen friedlichen Abschied in Würde zu ermöglichen, ist uns ein großes Anliegen in einer Zeit, in der der Familienzusammenhalt immer mehr schwindet", betonen beide.

Sterbenskranke Menschen können sich in den Atriumgärten an der Natur erfreuen

Was für die Bewohnerinnen und Bewohner aber mindestens genauso wichtig ist: Das Leserhilfswerk hat auch die beiden Atriumgärten finanziert, die an alle zwölf Zimmer angrenzen: Grüne Oasen, in denen die Sterbenskranken immer wieder Energie tanken können, obwohl die Kraft schwindet.

Selbst im Bett oder im Rollstuhl können die Menschen im Hospiz die lebendige Natur erfahren. Und wer auch dazu zu schwach ist, kann dank großer Glastüren zumindest die Augen durch die Pflanzen- und Tierwelt wandern lassen. "Am ersten Tag, als ich hier war, haben im Garten die Gräser im Wind geschaukelt. Das hat mich an früher erinnert, das war ein wunderbarer Moment", erzählt Monika J. mit einem Lächeln. Die 75-jährige Oberallgäuerin gehört seit Juni zu den Gästen, wie das Hospiz seine Bewohner nennt. Sie ist unheilbar an Krebs erkrankt und hat zudem eine Muskelschwäche. Die ließ sie mehrfach schwer stürzen und fesselt sie nun an den Rollstuhl.

Sterbenskranke Menschen können sich in den Atriumgärten an der Natur erfreuen, auch wenn ihre Kräfte schwinden.
Foto: Ralf Lienert

Wann immer es die Krankheiten zulassen, genießt Monika J. die Ruhe und die Blütenpracht in den Gärten, die von fünf ehrenamtlichen Hospizhelfern betreut werden. Rosen, Iris und Lavendel sorgen dort für Farbtupfer, auch "Fette Henne", Hagebutten, Rudbeckien, Apfelbäumchen, Hartriegel und Magnolien sprießen, locken Bienen, Grashüpfer und kleine Piepmätze an. Auch einen Brunnen gibt es, der beruhigend plätschert. "Und da hinten wachsen Himbeeren. Ich durfte sie schon probieren, die schmecken sehr lecker", schwärmt die gelernte Friseurin. Sie ist auf Empfehlung eines Arztes von der Palliativstation einer Klinik ins Hospiz gezogen. Ihr ist sehr wohl bewusst, dass sie gerade ihre letzten Lebenswochen erlebt. „Ich weiß nicht, wie viele Tage mir noch bleiben. Aber ich bin nicht verbittert, sondern genieße die Zeit. Denn ich empfinde es als Privileg, hier so wunderbar betreut sterben zu können.“

Diese Dankbarkeit begegnet Hospizleiterin Susanne Hofmann oft – im Gespräch mit Gästen, aber auch mit den Angehörigen, die ihre Lieben in dieser schwierigen Phase gut umsorgt wissen. "Ich fühle mich daheim und geborgen", formuliert es Monika J. Entscheidend für dieses Gefühl ist die helle und freundliche Atmosphäre des Hauses. Entscheidend ist aber auch, dass sich das 40-köpfige Hospizteam – davon 28 Palliativkräfte – individuell auf jeden Gast, auf dessen Bedürfnisse und Tagesstruktur einlässt. "Manche schlafen bis zum Mittag und frühstücken dann, andere erhalten nachts um 3 Uhr eine Suppe, weil sie tagsüber vor Übelkeit nichts essen können", berichtet Susanne Hofmann.

Der Alltag wird ganz nach den Bedürfnissen individuell gestaltet

Auch der Alltag wird individuell gestaltet: Ein Gast spielt auf der mitgebrachten Gitarre. Andere kochen mit Angehörigen, töpfern, lösen Rätsel oder hören klassische Konzerte. "Wir hatten auch schon eine ältere Dame, die in den Atriumgärten gemalt hat", erinnert sich die Hospizleiterin. Die Lebensgeschichten und Diagnosen der Gäste sind sehr unterschiedlich. Eine krebskranke Mutter mit zwei kleinen Kindern war ebenso darunter wie ein 60-jähriger Obdachloser, der erst seine Scheu vor anderen Menschen verlieren musste.

Und noch etwas hat Susanne Hofmann sehr bewegt: "Eine krebskranke Seniorin hatte ein Besuchsverbot für ihre Kinder und Enkel ausgesprochen, weil sie sich in ihrem Zustand nicht zeigen wollte." Nach und nach habe die suizidgefährdete Frau im Hospiz mit sich und ihrem ausgezehrten Äußeren Frieden geschlossen. Die Familie durfte schließlich kommen und in Ruhe Abschied nehmen. Die Atriumgärten mit ihrer beruhigenden Wirkung haben auch dabei eine ganz besondere Rolle gespielt.

Möchten auch Sie spenden? Mit Ihrer Spende helfen Sie bedürftigen Menschen in der Region, die unverschuldet in Not geraten sind. Und das ohne Abzug, weil die Mediengruppe Pressedruck alle Verwaltungskosten für die Kartei der Not trägt. Egal, ob Spende oder Zustiftung: Entscheiden Sie hier selbst, wie Sie die Arbeit der Kartei der Not unterstützen möchten.

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