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Wissenschaft
22.04.2022

Klimawandel: Bäume blühen immer früher, auch bei uns

Zum Beispiel die Haselblüte setzt in Deutschland inzwischen früher ein.
Foto: Rolf Haid, dpa

Die Langzeitstudien zeigen weltweit Auswirkungen auf die Blühzeiten. Das hat auch bei uns für Allergiker Folgen.

Weltweit treiben Bäume und Sträucher infolge des Klimawandels früher aus und blühen auch früher. Das zeigt eine in Nature vorgestellte Auswertung der fünf längsten bekannten Zeitreihen zum Frühlingsaustrieb dieser Pflanzen. Seit Mitte der 1980er Jahre zeigen demnach alle Datenreihen einen früheren Beginn von Blattaustrieb und Blüte – parallel zur Erwärmung, die auf der Nordhalbkugel festgestellt werde.

Jährlich wiederkehrende biologische Vorgänge wie der Blühbeginn von Pflanzen oder der Start des Vogelzugs werden unter dem Fachbegriff Phänologie untersucht. Sie unterteilt das Jahr nicht in vier, sondern in zehn Jahreszeiten – den Frühling etwa in Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling. Die teils aus Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten vorliegenden Daten zum Beginn charakteristischer Ereignisse erlauben in heutiger Zeit Rückschlüsse auf den Einfluss des Klimawandels auf die Natur.

Kirschblüte in Japan so früh wie in den letzten 1200 Jahren nicht

Der Beginn der Kirschblüte im japanischen Kyoto lasse sich zum Beispiel in Tagebüchern und alten Chroniken bis zum Jahr 812 zurückverfolgen – das sei die längste phänologische Zeitreihe überhaupt, schreiben die Wissenschaftler um Yann Vitasse von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf. Diese Datensammlung ist eine der fünf analysierten Zeitreihen.

In Europa stellen den Forschenden zufolge Aufzeichnungen der Marsham-Familie aus dem Südosten Großbritanniens die längste Datensammlung dar: Deren Mitglieder hatten von 1736 bis 1958 den Blattaustrieb bei verschiedenen Baumarten notiert, wie die Wissenschaftler schreiben. Seit 1950 wiederum habe eine Britin den Beginn des Aufbrechens der Knospen von Stieleichen notiert, sodass die Datenreihe aus Großbritannien bis in die heutige Zeit reiche. In der Schweiz werde seit 1808 das Aufbrechen der Rosskastanien-Knospen aufgezeichnet sowie seit 1894 der Blühbeginn bei der Vogelkirsche. Schließlich lagen Daten aus Tagebüchern zu drei Bäumen in China seit 1834 vor.

Die Analyse der Zeitreihen zeigte, dass der Zeitpunkt von Blattaustrieb und Blüte im Laufe des 19. Jahrhunderts recht stabil war. Ab Mitte der 1980er Jahre verschob sich der Zeitpunkt nach vorne: In China begann der Frühlingsaustrieb in den letzten 36 Jahren im Schnitt sechs Tage früher, in der Schweiz um bis zu 30 Tage früher als im Zeitraum vor 1950. Die Kirschblüte in Japan habe im Jahr 2021 so früh begonnen wie noch nie in den 1200 Jahren zuvor, berichten die Wissenschaftler weiter.

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Aufgrund der Korrelation zwischen Temperatur und Frühlingsaustrieb sei davon auszugehen, dass die beobachtete phänologische Verschiebung bei den Pflanzen ein wichtiger Bioindikator für die globale Erwärmung ist. Die Forscher weisen darauf hin, dass die von ihnen analysierten Zeitreihen nicht aus Regionen kommen, in denen die Erwärmung am stärksten war, wie etwa Zentralasien. „Dort ist zu erwarten, dass die zeitliche Verschiebung von Ereignissen im Lebenszyklus von Organismen noch extremer ausfällt“, erklärte Vitasse.

Video: AFP

Anders als der Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre sei der Beginn von Blattaustrieb und Blüte für jedermann sichtbar und damit ein konkreter Beleg dafür, dass der Klimawandel die Ökosysteme um uns herum beeinflusst. In Deutschland sammelt unter anderem der Deutsche Wetterdienst (DWD) phänologische Daten. Und auch die haben etwa für die Haselblüte gezeigt, dass der Pollenflug immer früher beginnt und immer länger dauert.

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