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Kino
07.03.2019

Kritik: "Captain Marvel" kann nicht mit "Wonder Woman" mithalten

Aus einer fernen Galaxie kommt Captain Marvel (Brie Larson, Mitte), hier eskortiert von Att-Lass (Algenis Perez Soto, links) und Minn-Erva (Gemma Chan).
Foto: Marvel Studios

Mit "Captain Marvel" stürzt sich eine starke Superheldin in den Kampf. Brie Larson gibt sich in der Rolle alle Mühe. Doch der Film wirkt nostalgisch. Die Kritik.

Auf dem Gebiet heroischer Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau hinkte man im „Marvel Cinematic Universe“ deutlich hinterher. Zwar wurden über die Jahre mit den Figuren Black Widow und Scarlet Witch zwei kompetente Quotenfrauen ins Avengers-Team aufgenommen.

Aber im Gegensatz zu den meisten ihrer männlichen Kollegen war den kampferprobten Damen kein Auftritt in einem eigenen Franchise vergönnt, obwohl mit Scarlett Johansson und Elisabeth Olsen zwei Schauspielerinnen mit Starpower-Potenzial in Bereitschaft standen.

Vor zwei Jahren kam dann mit „Wonder Woman“ der Konkurrent „DC“ dem Marktführer zuvor und bewies, dass man auch mit einer weiblichen Zentralheldin an den Kinokassen Erfolg haben kann. Spät präsentiert nun Marvel mit „Captain Marvel“ eine neue Superheldin, die sogar den Firmennamen tragen darf, wodurch deren Führungsqualitäten unterstrichen werden. Aber bevor die Heroine das Ruder im kriselnden Avengers-Team übernimmt, muss sie sich zunächst durch einen Selbstfindungsprozess quälen.

"Captain Marvel": Kritik zum neuen Film

Der Film beginnt in einer fernen Galaxie auf dem Planeten Hala, wo die angehende Heldin zur versierten Kriegerin ausgebildet wird. Aus ihren Händen schießt ein kraftvoller Laserstrahl, mit dem Vers (Brie Larson) ihre Gegner zehn Meter durch den Raum schleudern kann. „Es gibt nichts Gefährlicheres für einen Krieger als Gefühle“, sagt ihr Mentor Yon-Rogg (Jude Law), als Vers wieder einmal ihre Kräfte nicht unter Kontrolle hat.

Wie vielen Frauen in unserer irdischen Realität wird auch ihr die eigene Emotionalität zum Vorwurf gemacht, was einem Aufstieg in der Führungshierarchie im Wege steht. Damit hat der Film auch gleich seine Aufgabenstellung formuliert, denn gerade durch die Wertschätzung der eigenen Gefühle lernt Vers, ihre Kräfte zielgerichtet einzusetzen.

Aber bis dahin ist es ein weiter Weg, denn Vers leidet an Gedächtnisverlust. Sie hat keine Ahnung, wie sie auf diesen Planeten gekommen ist und wie ihr Leben davor aussah. Nur in schlaflosen Nächten tauchen Fragmente aus der Vergangenheit auf. Als sie nach einem Kampfgemetzel mit den verfeindeten Skrulls auf den Planeten C-53, genannt Erde, katapultiert wird, erkennt sie die Bilder aus ihren Albträumen wieder.

Es findet sich viel Nostalgisches in "Captain Marvel"

Durch die Decke einer Videothek im Los Angeles der 90er Jahre landet die Heldin in ihrem schicken Raumanzug und schießt zuerst eine Schwarzenegger-Pappfigur nieder. In Begleitung des SHIELD-Agenten Fury (digital verjüngt: Samuel L. Jackson) muss sie sich nicht nur außerirdischer Verfolger erwehren, sondern auch die eigene Vergangenheit als Airforce-Pilotin in einem geheimen Militärprojekt erforschen.

Zwischen halsbrecherischer Action und Selbstbesinnung verorten Anna Boden und Ryan Fleck „Captain Marvel“ und können auf keiner der beiden Ebenen wirklich überzeugen. Das Retro-Setting der 90er macht zwar den Weg frei für ein paar nostalgische Witze, gibt aber als Kinokulisse genauso wenig her wie die allzu routinierten Kampfsequenzen.

Nach einer chaotischen Exposition dringt der Film zu spät zum emotionalen Kern vor, der hier nicht in einer romantischen Verwicklung, sondern in der engen Freundschaft der Heldin zu ihrer früheren Co-Pilotin (überzeugend: Lashana Lynch) liegt.

Nach Erinnerungsarbeit gelingt es Vers schließlich, die eigenen Superkräfte zu bündeln und als flammende Lichtgestalt in den Himmel zu schießen. Im Vergleich mit „Wonder Woman“ kann dieses halbherzige feministische Projekt nicht mithalten.

Wertung: 3 / 5

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