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Musik
29.08.2021

Nirvana und das nackte Baby auf dem Cover

Das Baby hieß Spencer Elden und ist heute 30 Jahre alt.
Foto: Geffen, Universal

Oha! Spencer Elden verklagt Nirvana wegen Kinderpornografie, weil er als Baby nackt auf dem legendären Cover von "Nevermind" abgebildet worden ist.

Die Geschichte umstrittener Albumcover ist reich, prominent besetzt und mitunter Abbild des Zeitgeistes: Man denke, dass 1975 ein Skandal war, als UFO zu „Force it“ ein halb nacktes Liebespaar in der Badewanne zeigten, dass 1968 John Lennon und Yoko Ono nackt für die LP „Two Virgins“ posierten.

„The Mamas and the Papas“ mussten sogar mal ein Klo retuschieren – während die Scorpions bis heute Verstörendes lieferten, als sie auf „Virgin Killer“ ein nacktes Mädchen zeigten: Durch das Bild geht ein Sprung, der zwischen ihren Beinen seinen Anfang nimmt. Heute gehören in eine Reihe des Anstößigen freilich Rammstein, die auf „Liebe ist für alle da“ als Adaption von Genre- und Stillleben-Malerei Till Lindemann mit Hackbeil an nackter Frau bei der Zubereitung zeigten. Und – von den Mamas and Papas aus am ganz anderen Ende gelandet – sind indizierungsträchtige Splatterszenen geradezu Pflicht für Metal Bands wie Cannibal Corpse …

Als Baby nackt auf dem legendären "Nevermind"-Cover

Diese lange Geschichte ist jetzt um eine prominente Farce reicher. Jener inzwischen 30-jährige Mann, der noch als Baby nackt auf dem legendären und über 30 Millionen Mal verkauften „Nevermind“ von Nirvana zu sehen ist, hat vor einigen Tagen Anzeige wegen Kinderpornografie erstattet. Kurz bevor jenes Album, das mit Hits wie „Smells Like Teen Spirit“ dem Grunge zum weltweiten Durchbruch verhalf und Bandfrontmann Kurt Cobain zur Ikone machte, nun in einer Jubiläumsausgabe auf den Markt kommt.

Spencer Elden heißt der Mann, und was man zu der Geschichte wissen muss, ist dieses: Er hat „Nevermind“ groß auf die Brust tätowiert, sich schon viele Male stolz mit dem Cover abbilden lassen, darunter auch wieder schwimmend im Pool, es aber nie so ganz geschafft, damit auf sein eigenes Künstlertum aufmerksam zu machen; 200 Dollar haben seine Eltern damals für seinen Einsatz als Baby-Modell erhalten, und inzwischen bezeichnet sich Elden als traumatisiert, weil alle Welt seinen Penis kenne – im Verfahren gegen Nirvana (also die noch lebenden Ex-Mitglieder Dave Grohlund Krist Novoselic - sowie Cobains Witwe und Rechteerbin Courtney Love), gegen den Fotografen, gegen den Coverdesigner und gegen die Plattenfirma ist die Schadenersatzsumme von 150.000 Dollar pro Beklagten veranschlagt.

Kurt Cobain und seine Band Nirvana landeten einst mit «Nevermind» auf dem ersten Platz der US-Charts. In Erinnerung geblieben ist das Album nicht zuletzt wegen seines Covers.
Foto: Robert Sorbo/AP/dpa

Aber immerhin hat die Band nun so auch große Aufmerksamkeit auf die Wiederveröffentlichung gelenkt (24. September), die durch (noch geheime) Extras erweitert werden soll. Und Spencer Elden setzt womöglich auf die hohe Berechtigung, die heute allein das Empfinden von Betroffenheit in Öffentlichkeit und Justiz gerade in den USA erfährt. Ihm entgegen tönt allerdings Empörung, weil er durch die Bezeichnung der Kinderpornografie für dieses Foto die „echten“ Fälle verharmlose. Aus Nirvana-Kreisen indes ist überliefert, dass Kurt Cobain selbst damals kurze Diskussionen über die Wahl des Covers kommentiert haben soll mit: Wer sich davon angegangen fühlt, muss insgeheim ein Pädophiler sein.

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