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18.07.2010

Nach Käßmann und Jepsen ist die Kirche wieder männlich

Nach Käßmann und Jepsen ist die Kirche wieder männlich
Bild: DPA

Hamburg (dpa) - Maria Jepsen und Margot Käßmann waren die beiden starken Frauen in der evangelischen Kirche. Als sie Bischöfinnen wurden, kam das noch einer Revolution gleich. Heute sind Frauen im Talar für die meisten Protestanten völlig normal - und das ist auch ein Verdienst der Bischöfinnen.

Dass nun ausgerechnet diese beiden Frauen innerhalb weniger Monate über Skandale gestolpert sind, hat Folgen für die ganze Kirche: Sie ist auf oberster Ebene wieder Männersache - so wie bis vor 18 Jahren, als Maria Jepsen in Hamburg als erste Frau in ein Bischofsamt kam.

Gerade die Hamburger Bischöfin war eine Galionsfigur für viele weibliche Kirchenmitglieder. Als sie 1992 zur ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin der Welt gewählt wurde, sprachen Konservative von der "schwersten geistlichen Katastrophe in der EKD" und zitierten Bibel-Sätze wie "Das Weib schweige in der Gemeinde". Jepsen ist dieser Sonderrolle nie aus dem Weg gegangen. "Ich bin für viele ein Symbol und werde mich bemühen - soweit ich es von mir aus kann - die Sache gut zu machen", sagte sie kurz nach ihrer Wahl.

Als sieben Jahre später Margot Käßmann in Hannover für das Bischofsamt kandidierte, organisierten Konservative erneut massive Proteste. Seitdem hat sich viel geändert. Als Käßmann im vergangenen Jahr in das höchste Amt der Evangelischen Kirche in Deutschland, den EKD-Ratsvorsitz, gewählt wurde, spielte es in der Diskussion kaum noch eine Rolle, dass sie eine Frau ist.

Nach Käßmann und Jepsen ist die Kirche wieder männlich

Ihrer außergewöhnlichen Rolle waren sich Käßmann und Jepsen immer bewusst. Frauen in hohen kirchlichen Ämtern hätten es noch immer schwerer als ihre männlichen Kollegen, hatte Jepsen erst vor wenigen Monaten gesagt, als Käßmann nach einer Trunkenheitsfahrt ihr Amt niedergelegt hatte. "Einerseits werden wir manchmal hochgejubelt. Aber dann auch sehr schnell fallengelassen." Frauen in herausragenden Ämtern seien sehr viel stärker Aggressionen ausgesetzt als ihre männlichen Kollegen. "Das hat Margot Käßmann, denke ich, auch manches Mal erfahren."

Ob sie dieses Gefühl jetzt im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pastor in Ahrensburg auch wieder hatte, dazu hat sich die zurückgetretene Hamburger Bischöfin bisher nicht geäußert. Hätte ein Mann in ihrer Lage anders gehandelt?

Mit Käßmann und Jepsen gibt es jetzt jedenfalls zwei Beispiele von Frauen, die schnell die Konsequenzen aus Skandalen um ihre Person gezogen haben und zurückgetreten sind. Macht sei für sie nie ein Selbstzweck gewesen, sondern nur das Mittel, um Dinge zu beeinflussen, hat Käßmann in einem Interview gesagt. "Frauen sind im Umgang mit Macht sensibler. Männer haben Macht und agieren dann mächtig, von oben."

In der Evangelischen Kirche in Deutschland ist nun Ilse Junkermann die einzige verbliebene Frau in einem Bischofsamt. Doch der 53- Jährigen, die erst seit knapp einem Jahr an der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) steht, fehlt die Bekanntheit und die Strahlkraft, um Käßmann und Jepsen zu ersetzen. Auch die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat als Vorsitzende der EKD-Synode nicht die nötige öffentliche Wahrnehmung. In der obersten Führungsebene der evangelischen Kirche ist jetzt erstmal alles wieder so, wie es schon jahrhundertelang war: Sie ist fest in Männerhand.

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