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22.05.2020

Neue Graphic Novel über David Bowie: ein spannender Farbrausch

Eine besondere Hommage an David Bowie ist nun erschienen: eine Graphic Novel, die seinen Werdegang in den frühen Jahren nachzeichnet.
Bild: Mike & Laura Allred, Steve Horton, Avant-Verlag, Carlsen, Cross Cult, dpa

Der exzentrische Superstar war ein Chamäleon. Er saugte Ideen auf, um daraus Knüller zu formen. Das zeigt auch eindrücklich dieses Comic.

„So einen gibt’s nie wieder“ – als David Bowie im Januar 2016 mit 69 Jahren dem Krebstod erlag, verloren selbst die Zyniker unter den Rock-Exegeten für einen ausgedehnten Moment die Contenance. Von der abgebrochenen Speerspitze war die Rede, vom exzentrisch-genialen Star natürlich und vom Dandy des Weltraumglam. Vor allem sei er wandlungsfähig wie ein Chamäleon gewesen. Aber ist es nicht so, dass ein Chamäleon nur die Umgebung imitiert?

Bild: Cult Verlag

Das Gegenteil war der Fall, Bowie schoss aus seinem Umfeld nur so heraus. Wie eine schillernde Diskokugel oder wenigstens wie eine Leuchtdiode im Ozean. Freilich ließ er sich auch inspirieren, saugte Ideen auf, um daraus Knüller zu formen, und schließlich war er offen für völlig unbekannte Galaxien.

Wie aus David Robert Jones Ziggy Stardust wurde

Das vermittelt die neue Graphic Novel von Michael Allred, Steve Horton und der Zeichnerin Laura Allred, die die Verwandlungen Bowies – er selbst sprach nicht ganz ohne Eitelkeit von einer Evolution – in ausdrucksstarke Bilder übersetzt hat. Dabei entschied sich das Autoren-Trio für einen relativ kurzen Zeitraum: nämlich die Phase, in der David Robert Jones erst zu David Bowie und im entscheidenden Schritt zu Ziggy Stardust wurde bis hin zum letzten Konzert mit den Spiders am 3. Juli 1973 in London.

Neue Graphic Novel über David Bowie: ein spannender Farbrausch
Bild: Cult Verlag

Das ist so exorbitant und rasant geraten wie diese ganze frühe Karriere. Unfassbar viele Weggefährten zischen durch die Szenen, für Insider mag das ein ständiges „Ach schau, der auch“ sein. Doch manchmal wirbelt einfach zu viel durcheinander, dann droht der an sich aufregende Hauptplot im Gerangel der Details auszufransen. Stattdessen würde man sich gerne etwas länger bei Andy Warhol und Velvet Underground aufhalten, bei Jeff Beck, dem Gitarren-Überflieger, und beim morbiden Alice Cooper, ja selbst bei Bowies Idol Elvis und dem legendären Madison-Square-Garden-Auftritt im Juni 1972.

Dieses Buch ist ein Comic-Ereignis

Alles wird ja irgendwie verwurstet und ins Kultfähige transformiert. Dass Bowie alias Ziggy für jeden Tipp dankbar ist, offenbart die sukzessive optische Veränderung, die Laura Allred in farbrauschenden Bildern vorführt. Erst werden die blonden Haare kürzer, dann orange und das Outfit spaciger, die Stiefel heben ab, Schminktöpfe explodieren, Kansai Yamamoto entwirft zwischendurch Kostüme wie den ballonhaft ausladenden „Tokyo Pop“-Bodysuit, und endlich landet der rot-blaue Starkstromblitz überm Auge. Dieses Buch ist ein Comic-Ereignis.

Die Übersetzung ist fad

Dass die fade deutsche Übersetzung da nicht mithalten kann, ist der eigentliche Wermutstropfen an diesem sehr ambitionierten Projekt. Wobei die Lösung auch wieder ganz naheliegt: Man genießt die Bilder und hört Bowies Musik.

Info: Michael Allred, Steve Horton, Laura Allred: "Bowie. Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume", Cross Cult, 160 Seiten, 36 Euro.


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