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Chemie

09.10.2019

Nobelpreis für die Erfinder der heutigen Autobatterie

Einer der drei neuen Chemie–Nobelpreisträger:  Stanley Whittingham, fotografiert am Mittwoch  in Ulm. 
Bild: Foto: Oliver Helmstädter

Drei Wissenschaftler werden geehrt, darunter Stanley Whittingham, der gestern bei einem Ulmer Kongress sprach

Für die Entwicklung besonders leistungsfähiger Batterien bekommen drei Forscher den diesjährigen Nobelpreis für Chemie. Der US-Amerikaner John Goodenough, der in Großbritannien geborene Stanley Whittingham und der Japaner Akira Yoshino seien entscheidend an der Entstehung von Lithium-Ionen-Batterien beteiligt gewesen, teilt die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.

Stanley Whittingham, 77, der am Mittwoch während einer Fachtagung in Ulm von der Zuerkennung des Chemie-Nobelpreises telefonisch erfuhr, und der an diesem Donnerstag zurück nach New York und zur Binghamton University reist, zeigte sich im Ulmer Congress Centrum „wirklich überrascht“ und dazu: „einfach glücklich und froh“. Zwar werde er seit fünf Jahren immer wieder als Kandidat für den Nobelpreis für Chemie gehandelt, doch dass es wirklich so weit kommen würde, daran habe er nicht gedacht.

Seinen Vortrag in Ulm innerhalb der Tagung „Advanced Lithium Batteries for Automobile Applications“ hatte er noch ohne Unterbrechung aus Stockholm beenden können: Bereits um 8.30 Uhr war er als Nochnichtnobelpreisträger an der Reihe gewesen, über die Grenzen von Lithium-Batterien zu referieren. Dann, um 11.15 Uhr, klingelte sein Telefon – und Whittingham erfuhr die frohe Kunde. Über Ulm sagt der Geehrte: „Das ist eine der aktivesten Batterieforschungszentren der Welt. Ich hoffe, die Idee beseitigt einmal die ganzen Diesel hier.“

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Der älteste Nobelpreisträger überhaupt ist heute 97 Jahre alt

Die leichten, wiederaufladbaren und starken Lithium-Ionen-Batterien werden in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt – so in Handys, Laptops, Digitalkameras sowie in Elektro-Fahrzeugen. John Goodenough, der 1922 im thüringischen Jena als Sohn US-amerikanischer Eltern zur Welt kam, ist mit 97 Jahren der älteste Nobelpreisträger überhaupt. Er erfuhr zunächst gar nichts von seiner hohen Auszeichnung. Man habe ihn im Gegensatz zu den anderen beiden Preisträgern am Mittwochmorgen nicht erreichen können, so Göran Hansson, der Generalsekretär der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften. „Werde 97 und du kannst alles machen“, reagierte der Physiker, der noch immer an der Uni von Texas forscht.

Lithium-Ionen-Batterien können große Mengen an Solar- und Windenergie speichern und machen so eine Welt möglich, die frei von fossilen Kraftstoffen ist, erklärt die Königlich-Schwedische Akademie weiter. „Lithium-Ionen-Batterien haben unser Leben revolutioniert, seit sie 1991 auf den Markt kamen“, schreibt die Akademie. „Sie haben die Grundlage gelegt für eine drahtlose, von fossilen Brennstoffen freie Gesellschaft und sind für die Menschheit von größtem Nutzen.“

Das Element Lithium ist sehr leicht und äußerst reaktionsfreudig. Die größten Vorkommen weltweit gibt es in Südamerika – im Grenzgebiet von Argentinien, Bolivien und Chile. Sie sind hart umkämpft. „Wie fast alles andere hat die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien Folgen für die Umwelt, aber es gibt auch riesige Vorteile für die Umwelt“, schreibt das Nobelpreis-Komitee. Als Beispiel nennt es die Entwicklung von sauberen Energietechnologien und von Elektro-Fahrzeugen, was den Ausstoß von Treibhausgasen und Feinstaub reduziere.

„Man kann sagen, ich hatte einen guten Riecher.“

Die Beiträge der drei Preisträger bauen aufeinander auf. Stanley Whittingham entwickelte in den 1970er Jahren die erste funktionsfähige Lithium-Batterie, die allerdings noch anfällig für Explosionen war. John Goodenough entwickelte dann 1980 wesentlich leistungsstärkere Batterien durch die Verwendung von Lithiumcobaltoxid (LCO). Akira Yoshino schließlich schuf 1985 das erste kommerziell verwertbare Produkt. 1991 kam die Batterie dann tatsächlich auf den Markt. Yoshino heute: „Ich habe irgendwie gerochen, wohin der Trend ging. Man kann sagen, ich hatte einen guten Riecher.“

Auch die renommierteste Auszeichnung für Chemiker ist derzeit mit umgerechnet rund 830 000 Euro (neun Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die feierliche Übergabe der Preise findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Seit 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis an 180 verschiedene Forscher vergeben. Einer von ihnen, der Brite Frederick Sanger, erhielt ihn zweimal. Unter den Preisträgern waren bislang nur fünf Frauen, etwa Marie Curie 1911, die die radioaktiven Elemente Polonium und Radium entdeckte, sowie 2018 die US-amerikanische Enzymforscherin Frances Arnold. (mit dpa)

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