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Oper
03.08.2017

Sympathie für eine Mörderin: „Lady Macbeth von Mzensk“ in Salzburg

Salzburgs "Lady Macbeth" spielt in einem düsteren Ambiente.
Foto: Thomas Aurin/Salzburger Festspiele

Gedemütigt und sexuell frustriert wird „Lady Macbeth von Mzensk“ zur Täterin. Und der musikalische Schöpfer dieser Oper zu einem Opfer Stalins

 „Heute bist du Gefangener - morgen ich. Das ist für mich ein sehr wichtiges Moment in ,Lady Macbeth’, ein sehr traditionsreiches in der russischen Musik.“ So schrieb Dmitri Schostakowitsch in seinen Memoiren, und er wusste aus eigener Erfahrung von der allgegenwärtigen Gefahr der Verhaftung zu Zeiten Stalins. Julian Barnes hat es gerade noch einmal in seinem hervorragendem dokumentarischen Roman „Der Lärm der Zeit“ eindringlich geschildert: Wie Schostakowitsch nächtlich auf dem gepackten Koffer sitzt - in der Angst, von der Staatspolizei abgeholt und liquidiert zu werden. Weil er mit seiner „Lady Macbeth von Mzensk“ Stalin nicht gefallen hatte, weil nach dessen Meinung kein Werk und keine Musik entstanden waren, die das Volk verstand, weil Schostakowitsch sich nicht patriotisch-positiv gab.

Das war 1936 - als Vergleichbares auch in Deutschland geschah. Ein deutscher Schostakowitsch etwa war Kurt Weill. Er floh rechtzeitig. Seine Musik war so verfemt wie Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ totgeschwiegen ab 1936 in Russland.

Und mit noch etwas hatte sich darin Schostakowitsch angeblich schuldig gemacht: Er hatte eine Oper geschrieben, die Verständnis für eine Mörderin aufbrachte. Eine Mörderin, die als ein Opfer männlicher Demütigung, aber auch aus sexueller Frustration heraus, zu einer Täterin wird. „Ich sympathisiere mit ihr“ hielt Schostakowitsch fest - und schrieb ihr, der er also zumindest mildernde Umstände zubilligte, eine anrührende musikalische Charakterisierung in seine Partitur, während alle anderen dramatischen Figuren der Oper eindeutig weniger einfühlsam, wenn nicht gar überzeichnet, umrissen sind.

Das Drama spielt in einem düsteren Hinterhof

Nun ist die Lebens- und Leidensgeschichte dieser Mörderin mit nachvollziehbaren, doch nicht entschuldbaren Gründen zum Gegenstand der Salzburger Festspiele geworden, und wenn man sich umblickte im Pausenpublikum, so dürfte das dem einen oder der anderen in gemeinsamer Festspiel-Genuss-Erwartung misshagt haben. Zumal ein auf der Bühne ausgebreitetes soziales Elend ausgiebig studiert werden durfte: Harald B. Thor ließ im Großen Festspielhaus einen grauen, schäbigen Beton-Wohnblock hochziehen, und damit spielt diese „Lady Macbeth“ nicht auf einem kleinstädtischen Gutshof des zaristischen Russlands, sondern in einem Großstadt-Hinterhof der Jetztzeit oder jüngeren Vergangenheit. Von links gleitet und ragt bei Bedarf das stilvolle Schlafzimmer Katerinas in den Hinterhof hinein, von rechts bei Bedarf das Verwaltungsbüro ihres schwachen, alkoholkranken Mannes.

Und in dieser Szene , die funktioniert in den ersten acht der neun Bilder des „tragisch-satirischen“ Werks (Schostakowitsch), erzählt Regisseur Andreas Kriegenburg realistisch das Schicksal der Katerina, erwachsend aus allenfalls kurzzeitig erfüllter Sexualität. Gegengeschnitten sind ihre nächtlichen Wunsch- und Alpträume, gegengeschnitten sind auch Persiflagen von Kirche (der Pope als Trunkenbold) und Staatsgewalt (Polizisten als strickende, stickende Müßiggänger). Insgesamt aber trägt die Aufführung im Großen Festspielhaus eine allzu cinemaskopisch-pittoreske Darstellungsweise von schlechtem und rohem Leben. Viel Illustration, wenig abstrahierende Überhöhung. Und das Finale wirkt regiehandwerklich eher platt und kurios denn tragisch: Plötzlich baumeln da zwei Puppen an einem Balkon des Wohnblocks. Katerina hat - szenisch vorgegeben - ihre Nebenbuhlerin Sonjetka nicht in einen Fluss stoßen und sich hinterher werfen können; nun sterben beide halt als Stoffbündel in der Seilschlinge.

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Der höfliche Applaus für Kriegenburg blieb verständlich - und auch der Triumph für Mariss Jansons am Pult vor den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Staatsopernchor. Gemeinsam sind sie Garanten, dass diese opulent-elende „Lady Macbeth“ doch noch unter die Haut geht. Das liebebedürftige Innenleben Katerinas wird so zart ausgeleuchtet wie alle äußerliche Gemeinheit und Gewalt hier krachend hervorbricht. Jansons fordert Bruitismus - und von seinen Stimmführern grelle Präsenz, tönende Karikatur. Seine „Lady Macbeth vom Mzensk“ trifft packend ins Wesen der Bühnenfiguren - eine akustische Tiefenbohrung. Es ist schon toll, dass in München zwei begnadete Schostakowitsch-Dirigenten wirken: Petrenko an der Staatsoper, Jansons im Bayerischen Rundfunk.

Nina Stemme in der Titelrolle: eine hochdramatische, in sich verzweifelt gefangene Katerina, die immer wieder stimmlich ausbricht, das Ruder aber doch nicht rumreißen kann. Eine starke sängerdarstellerische Leistung. Brandon Jovanovich als stählerner Lover Sergej nimmt man sowohl Charme als auch kalte Berechnung ab. Und Dmitry Ulyanov singt den bassgewaltigen Patriarchen Boris, der mit boshafter Gewalt Familie, Haus und Hof zusammenhalten will.

Aufführungen 5., 10. und 21. August

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