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Kritik

22.02.2020

Premiere am Staatstheater Augsburg: Schwejk macht sich dünne

Sarah Havacova in "Schwejk" am Staatstheater Augsburg.
Bild: Jan-pieter Fuhr

Plus Der renommierte Regisseur Armin Petras inszenierte am Staatstheater Augsburg für das Brechtfestival 2020 einen Kessel voller Materialien zu "Schwejk".

Es ist ja verständlich, wenn heute davor gescheut wird, den braven Soldaten Schwejk weder als Volksposse mit Vorbildcharakter zu inszenieren noch als (fragmenthafte) parodistische Überschreibung aus der Hand Brechts – auch wenn ein Versuch, diesen epischen Brecht trotzdem zu machen, gerade hinsichtlich eines Brechtfestivals durchaus ehrenhaft und womöglich sogar erkenntnisträchtig wäre.

Aber wenn nicht Jaroslav Hasek und nicht Brecht – dann muss eine andere Idee her, um dem Stoff habhaft zu werden. Die Idee des Regisseurs Armin Petras, der jetzt erstmals für das Staatstheater Augsburg inszenierte, war: Dann setzen wir eben Material und Ergebnisse unserer Dramaturgen-Recherche erst in Bühnen-, dann in Filmsequenzen, um dann – im dritten Drittel einer eineinhalbstündigen Schwejk-Betrachtung – in einer Dramolett-Uraufführung die Frage zu beantworten: Wie müsste ein Tscheche heut’ beschaffen sein, wenn er als dessen Charakter durchgehen soll.

Staatstheater Augsburg:  "Schwejk"-Abend endet albern

Dreimal 30 Minuten also. Viel Sekundärliteratur, viel Drumrum. Der unberechenbare, anarchische Schwejk tut, was er immer gerne tat: sich dünne machen. Zusammenfassend ist die Meinung vertretbar: Der Abend startet theatralisch stark, setzt sich im Film-Teil befriedigend fort, endet albern, hysterisch, nervend bei arg dünner Pointe.

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Mithin ist das Beste dieser zweisprachigen Koproduktion mit Prag (deutsch/tschechisch) schnell vorüber: Eva Salzmannova, wie sie präsent den Piscator mimt und dann den alles andere als nur sympathischen Brecht mit seinen Schwejk-Filmplänen. Da schaut man gerne hin, eine formbewusste, präzise One-Woman-Show mit formbewusst angehängten Bearbeitungen von Eisler-Liedern des Brechtschen Schwejks.

Der zweite Teil in sieben Videos bringt im Wesentlichen die mit Dokumentarmaterial aufbereitete Biographie Jaroslav Haseks, halb Unterhaltung, halb Volkshochschule. Okay. Im Finale dann – eben im Dramolett (von Petra Hulova) – werden wir gezwungenermaßen Zeuge eines Castings- und Inszenierungs-Debakels. Ertrag der dämlich-überdrehten Farce: Nichts ist wichtiger als der individuelle Mensch; den typischen Schwejk an sich gibt es nicht. Noch einmal also macht sich der (Anti-)Held dünne

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