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10.09.2019

Robert Frank: 83 Fotos machten ihn zur Legende

Robert Frank hielt in seinen Schwarzweiß-Fotos das alltägliche Amerikas fest.
Bild: Lukas Lehmann, dpa

Mit seiner Bilderserie „The Americans“ schrieb der gebürtige Schweizer Frank Fotografiegeschichte. Mit 94 Jahren ist er jetzt gestorben.

Fünfzehntausend Kilometer fuhr Robert Frank Mitte der 1950er Jahre kreuz und quer durch die USA. Monatelang arbeitete der 1924 in Zürich geborene Fotograf an seiner „visuellen Studie der Zivilisation“. Frank machte auf dem Roadtrip über 25 000 Aufnahmen. Er fotografierte intuitiv, beiläufig, abseits repräsentativer Gewissheiten – samt Unschärfen. Robert Frank zeigte ein alltägliches Amerika, trostlos, banal, anrührend, wahr. Und ganz gewöhnliche Menschen, die oft verloren wirken und entfremdet. Nur 83 Schwarzweiß-Bilder wählte Frank für die Komposition seines Fotobuchs „The Americans“ (Die Amerikaner) aus. Es erschien 1959 und wurde zu einem Meilenstein der Fotografiegeschichte, zu einem Monument, einem Leitbild. Das Buch revolutionierte die Fotografie im 20. Jahrhundert und machte Robert Frank zu einer Legende. „Mit seiner kleinen Kamera hat er aus Amerika ein trauriges Gedicht direkt auf Film gebannt“, sagte Jack Kerouac.

Robert Frank sah sich lange Zeit als Filmemacher

Ironie der Geschichte: Als „The Americans“ herauskam (mit einem Vorwort von Jack Kerouac), hatte Robert Frank seinen Fotoapparat aus der Hand gelegt, weil er Filme machen wollte. Frank, der 1947, mit 22 Jahren, auf einem Frachtschiff nach New York kam, weil er raus wollte aus der kleinen Schweiz, empfand die USA als Befreiung. „Nach Amerika zu kommen war, als würde eine Tür aufgehen“, sagt er. Aufmerksamkeit erregte der junge Fotograf zunächst mit Bildern aus Paris, wo er Anfang der 1950er Jahre als Flaneur mit der Kamera seinen Blick schulte. Ein Guggenheim-Stipendium (das erste für einen Europäer) ermöglichte ihm dann ab 1955 den Roadtrip durch das weite Land. Wie Frank es sah, verstörte zunächst. Solche rauen Bilder kannte man nicht. Als Filmemacher hatte er zwar wenig kommerziellen Erfolg, gilt aber als ein Wegbereiter des Independentfilms. Sein Ruf als einzigartiger Künstler des Hinsehens wurde durch seine Filme gefestigt. Frank begleitete für seinen Dokumentarfilm „Cocksucker Blues“ (1972) die Rolling Stones auf Tour. Er sah immer hin, filmte alles, auch Drogenexzesse und Sex. So viel Aufrichtigkeit verschreckte sogar Jagger & Co. – der wilde Film wurde nie öffentlich gezeigt.

Robert Frank, dessen Fotografien in ungezählten Ausstellungen weltweit gezeigt worden sind und der im Laufe seines langen Lebens Dutzende Fotobücher herausgegeben hat (sein Gesamtwerk erscheint im Steidl Verlag), ist nun am Montag im Alter von 94 Jahren in Kanada gestorben. In den 1970er Jahren hatte er sich wieder der Fotografie zugewandt. Seine Bilder wurden persönlicher, er integrierte Schrift in seine Fotos, kratzte Wörter in die Negative. Diese Fotografien waren Spiegelbilder seiner Innenwelt, er verarbeitete in diesen radikalen Selbstporträts Erfahrungen von Verlust wie den Tod seiner Kinder.

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