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02.07.2010

Rocken für das Gute in Roskilde

Rocken für das Gute in Roskilde
Bild: DPA

Roskilde (dpa) - Erst Gutes tun und dann abrocken: Beim Roskilde- Festival hat sich auch Damon Albarn von der Band Gorillaz an dieses Prinzip beim 40 Jahre alten Festival mit Hippie-Wurzeln gehalten.

Albarn, Ex-Sänger von Blur, lieferte am Donnerstag vor 50 000 Zuschauern das Konzert zur Eröffnung, nachdem er sich vorher mit den dänischen Veranstaltern über die Vergabe von einer Million Kronen (120 000 Euro) für fünf Umwelt-, Entwicklungshilfe- und Kulturprojekte geeinigt hatte.

Bei traumhaftem Sommerwetter und dem Schild "ausverkauft" an allen Eingängen können die Fans vielleicht mit etwas besserem Gewissen vier Tage das große Musikfest mit Unmengen Alkohol zu saftigen Preisen feiern. Denn Überschüsse gehen auch dieses Jahr wie seit dem Start 1971 in allerlei Benefizprojekte. Kultur- und Jugendzentren in der Kleinstadt Roskilde vor den Toren Kopenhagens profitieren genauso wie Umweltprojekte von Greenpeace oder Musik- sowie Tierschutzaktivitäten im afrikanischen Tansania.

Beim Konzert von Gorillaz oder dem Auftritt der britischen Wild Beasts haben die alles in allem 75 000 Festivalbesucher vermutlich aber anderes im Kopf als Gewinnausschüttungen zu wohltätigen Zwecken. Sie müssen dafür auch tief in die eigene Tasche greifen: 225 Euro kostet inzwischen ein Ticket. In einer Woche auf dem gigantischen Festival-Campingplatz gibt der "Durchschnittsfan" außerdem noch 4700 Kronen aus, fast 800 Euro.

Rocken für das Gute in Roskilde

Da bleibt enorm viel übrig für gute Zwecke. Allerdings haben die Superstars in der Klasse von Gorillaz bis Radiohead und Bob Dylan in den letzten Jahren mit immer astronomischeren Gagenforderungen für Festivalauftritte kräftig an diesem Topf geknabbert. Die US- Rocklegende Patti Smith ist in diesem Jahr absolut nicht des Geldes wegen gekommen, sagen die Veranstalter. Sie mag Roskilde, genau wie Albarn von Gorillaz oder der immer wieder hier auftretende Neil Young wegen des nicht-kommerziellen Konzeptes.

Smith zelebrierte zum Auftakt des Festivals am Donnerstag mit ihrem Gitarristen eine Gedenkstunde an die Toten bei dem schrecklichen Unglück vor genau zehn Jahren: Neun junge Männer, darunter ein Polizist aus Hamburg, wurden vor der riesigen Bühne von der nach vorn drängenden Masse zu Tode gedrückt. Patti Smith hielt eine gute, kleine Rede über die Erinnerung an Tote und entließ die gerührten Zuhörer mit einer in diesem Zusammenhang seltsamen Mahnung: "Denkt immer daran, ausreichend Wasser zu trinken."

Bis Sonntag erleben die Besucher mehr als 150 Bands. Und die Schar von 2000 bis 3000 deutschen Roskilde-Fans wird am Samstag sicher gespannt das WM-Viertelfinale gegen die Argentinier auf der Großleinwand verfolgen. 2006 war es genauso, und die klare Mehrheit der Nicht-Deutschen hielt zu den Südamerikanern. Das wird diesmal vielleicht anders sein: Die deutsche Multikulti-Mannschaft passt eigentlich gut zu Roskilde.

www.roskilde-festival.dk

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