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Ausstellungskritik

30.11.2019

Schwäbische Kunstausstellung: Umzug war eine Frischzellenkur

Durch den Umzug in den Glaspalast, gibt es keine Platzprobleme mehr. Das ermöglicht auch große Formate, wie die Installation „Holy Night or The Assassination of Death“ von Florian Rautenberg oder Ester Zahels begehbares Leinwandhaus (im Hintergrund). 
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Durch den Umzug in den Glaspalast, gibt es keine Platzprobleme mehr. Das ermöglicht auch große Formate, wie die Installation „Holy Night or The Assassination of Death“ von Florian Rautenberg oder Ester Zahels begehbares Leinwandhaus (im Hintergrund). 
Bild: Ulrich Wagner

Plus Die Große Schwäbische profitiert in ihrer 71. Folge vom Umzug in den Augsburger Glaspalast. In diesem Jahr hatten sich so viele Künstler beworben wie nie.

Schon die Titel zeigen Größe und Mut zum Auftritt: „Die Öffnung des Universums in das Haus der vielen Wohnungen“ nennt Esther Zahel ihr windschiefes Haus der Malerei, zusammengebaut aus Leinwänden und Holzleisten. Vier Meter hoch, drei Meter breit! Und Paul Ludwig Reßls Gespinst aus filigran gebogenen Holzleisten heißt programmatisch „Unendlicher Raumfüller“. Beide Installationen von jungen Künstlern brauchen großzügig Platz und Licht und Weite. All das gibt es reichlich im Augsburger Glaspalast, wohin die traditionsreiche „Große Schwäbische Kunstausstellung“ in diesem Jahr umgezogen ist. Ein Umzug, der erkennbar wie eine Frischzellenkur für die zuletzt doch etwas angegraute und in Routine gefangene Institution der regionalen Kunstszene wirkt.

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Mehr Künstler als jemals zuvor bewarben sich bei der Großen Schwäbischen Kunstausstellun

Dort, wo bis zu ihrem sang- und klanglosen Abzug im Sommer die Staatsgalerie Moderne Kunst als Zweigstelle der Münchner Pinakothek vor sich hindämmerte, eröffnen sich nun neue Möglichkeiten für die Große Schwäbische. So starke Räume hatten die Berufsverbände Bildender Künstlerinnen und Künstler aus Nord und Südschwaben für ihre Querschnittsschau noch nie – weder in der Toskanischen Säulenhalle noch im beengten Schaezlerpalais, wo der BBK in den vergangenen Jahren Gastrecht hatte.

Wie schon die Aussicht auf die hohen weiten offenen Räume im Glaspalast beflügelte, zeigte sich für den BBK an den Einreichungen. Mehr Künstler als zuvor bewarben sich bei der Jury – und die ausdrückliche Ermunterung, „groß“ zu denken und das „große Format“ ins Auge zu fassen, brachte eine Belebung, die in der Ausstellung nicht zu übersehen ist. Norbert Kiening (selbst mit einer vier mal zwei Meter großen abstrakten Leinwand vertreten), der die Große Schwäbische seit 2005 verantwortet, freut sich über neue Namen und die Beteiligung vieler jüngerer Künstler.

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77 Arbeiten sind nun ab heute am neuen Standort zu sehen. 202 Kunstschaffende (so viele wie nie) hatten sich mit insgesamt 336 Arbeiten und 49 Mappen beworben, darunter wie schon in den vergangenen Jahren deutlich mehr Frauen als Männer. Trotz des starken Auftritts für Installation und großes Format hat eine eher kleine, konventionelle Arbeit den alljährlich von der Stadt Augsburg verliehenen Kunstpreis erhalten: Die Plastik „Steinwindung“ der 53-jährigen Allgäuer Bildhauerin Silvia Jung-Wiesenmayer überzeugte die Jury.

Diese Künstler sind bei der Großen Schwäbischen Kunstausstellung vertreten

Die Malerei hat in der 71. Ausgabe der Großen Schwäbischen mit Arbeiten beispielsweise von Carmen Jaud, Harry Meyer, Dorothea Dudek, Georg Kleber und Heidi Rauch einen sicheren, guten Stand. Auffallend sind Naturmotive – auf Leinwand, aber auch in der Zeichnung. Wald und Bäume ziehen die Blicke besonders auf sich (Peter Junghanß, Marc Rogat, Alexandra Vassilikian). Stark Anja Güthoffs „Wald“ in Federzeichnung auf Blech oder auch die wandfüllende Installation aus 365 Blättern, auf die Siegfried Köglmeier Variationen der Sonnenblumenblüte gezeichnet hat. Christof Rehm überzeugt mit der auf zwei mal drei Meter vergrößerten, wie magisch aufgeladenen Handyfotografie eines verschneiten Waldstücks, in der sich Reflexe von Deckenlicht spiegeln.

Arbeiten wie Gerhard Ribkas Installation „Dein Lohn“ aus Fotografien, bemalten Glasvasen und Texten oder Stefanie Sierings auf Fädenvorhänge gemalte Porträts nach Vorlagen alten Fotografien („Im weiten Meer verschwundener Zeiten“) finden in Kabinetteinbauten der Ausstellungshalle den nötigen stillen, intimen Resonanzraum. Umso mehr trumpfen draußen die stilisierten grellbunten Figuren der okkulten Versammlung auf, die Florian Rautenberg um eine Art Scheiterhaufen gruppiert hat.

Neue Perspektiven und ein atmender Rahmen tun dieser traditionsreichen Kunstschau sichtlich gut. Große Schwäbische reloaded!

Laufzeit: 30. November 2019 bis 12. Januar 2020; Öffnungszeiten Dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, 24.12. und 31.12. geschlossen. Eintritt: 4 Euro

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