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Medien

25.01.2019

Spiegel Online veröffentlicht Überblick über Relotius-Fälschungen

Muss sich dem Skandal um gefälschte Reportagen eines Mitarbeiters stellen: Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
Bild: Kay Nietfeld

In wie vielen Texten hat der frühere Spiegel-Reporter Claas Relotius gefälscht oder gelogen? "Spiegel Online" hat dazu jetzt eine erste Zwischenbilanz gezogen.

"Spiegel Online" hat einen Überblick über die Recherchen zu Artikeln des Reporters Claas Relotius veröffentlicht, der im Dezember mit Fälschungen aufgeflogen war. Den Angaben zufolge, die mit Stand vom Donnerstagabend im Netz stehen, sind im "Spiegel" und bei "Spiegel Online" in den vergangenen Jahren insgesamt rund 60 Beiträge von Relotius erschienen, darunter kurze Interviews wie auch große Reportagen.

Viele hätten sich als "in wesentlichen Teilen gefälscht" herausgestellt, heißt es. Drei der untersuchten Texte waren laut "Spiegel Online" korrekt, drei Kurz-Interviews über Migranten und eine Zulieferung zu einem Text über München sind ebenfalls nicht verfälscht worden.

Im Dezember hatte "Der Spiegel" den Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt. Relotius, der mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde, bestätigte Ende des Jahres über seinen Anwalt auch öffentlich, dass er "über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden hat". Die Bitte des Hauses an Relotius, zu überprüften Artikeln Stellung zu nehmen, habe der ehemalige Redakteur abgelehnt, teilte der "Spiegel" mit.

Die Liste im Internet enthält derzeit 28 Relotius-Beiträge. Konstatiert werden "starke Übertreibungen" und erfundene Details, um die Geschichte dramatischer und spektakulärer wirken zu lassen, etwa in "Jäger" (Spiegel 27/18).

Außerdem gab es zahlreiche Abweichungen von anderen Medienberichten, so in "Letzte Ruhe" (Spiegel 1/18): In der im Januar erneut verifizierten Reportage über Gilbert Orbeso, einen Vater, der in der kalifornischen Wüste nach seinem verschollenen Sohn suchte, seien viele detaillierte Angaben offensichtlich erfunden, denn ein Gespräch mit Orbeso habe nach dessen Auskunft nie stattgefunden.

Auch das Interview mit der letzten Überlebenden der NS-Widerstandsgruppe "Weiße Rose", Traute Lafrenz (Spiegel 39/18), hielt der Überprüfung Ende des vergangenen Jahres nicht Stand: Es enthalte "in wesentlichen Teilen offenkundig Fälschungen", heißt es bei "Spiegel Online". Mehrere Aussagen seien wohl nicht gefallen, jedenfalls bestreite Lafrenz sie heute. "Der Spiegel" will die Liste weiter aktualisieren und bittet Leser um Hinweise, die zur Aufklärung hilfreich sein könnten. (epd)

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