1. Startseite
  2. Kultur
  3. Zu Ehren Maximilians I.: Dem Kaiser, dem Ritter, dem Hallodri

Ausstellung in Augsburg

13.06.2019

Zu Ehren Maximilians I.: Dem Kaiser, dem Ritter, dem Hallodri

Auf Albrecht Dürers Augsburger Porträt-Zeichnung des Kaisers Maximilian I. (28. Juni 1518) geht der oben abgebildete farbige Holzschnitt von Jost de Negker zurück.
Bild: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Plus Zum 500. Todestag von Kaiser Maximilian I. widmen die Kunstsammlungen Augsburg dem Imperialisten eine Ausstellung. Sie spricht den Herrscher nicht heilig.

Der heißt schon so! Helmschmied sein Name, Lorenz Helmschmied. Ein Augsburger Sohn genauso wie ein Augsburger Vater von großen Ritterrüstungs- oder Harnischmachern, eingeschlossen darin eben das Schmieden des Helms. Große alte Familien-, große alte Handwerker-, große alte Zunfttradition, arbeitend für den Habsburger Hof, angefangen von Kaiser Friedrich III. über dessen Sohn Kaiser Maximilian I. bis hin wiederum zu dessen Enkel Kaiser Karl V.

Und aus der Feinschmiede dieses Lorenz Helmschmied zeigt nun die umgreifende Augsburger Maximilian-Gedenkausstellung zum 500. Todestag des Vielvölkerkaisers einen kompletten Prunk-Harnisch aus seinem ehemaligen Besitz (heute: Museum Bern) sowie ein Paar Stahlhandschuhe mit beweglichen Knöchel- und Fingergelenken (heute: Rüstkammer Wien). Das dürfte auch Kinder interessieren!

Kaiser Maximilians Prunkrüstungshandschuhe von Lorenz Helmschmied aus der Zeit um 1485.
Bild: Hofjagd- und Rüstkammer Wien

Kaiser Maximilian I. liebte Augsburg und das Umland

In die Ritter-, Turnier- und Jagdwelt ist Kaiser Maximilian I. einst ebenso hineingewachsen wie in den wirbeligen Kosmos der Reichsstadt Augsburg. Nahe Dillingen hatte er als Bub das Jagen erlernt, schon der Vater ließ bei Lorenz Helmschmied anfertigen – und wusste genau, was er an der aufstrebend-wohlhabenden Fugger-Familie hatte. Es ist also kein Wunder, dass Maximilian die Stadt und das Land drum herum lieben lernte. Hier war alles konzentriert, was ihn über die Maßen begeisterte: das Geld, Tanz- und Turnierfeste, wieder Geld, Jagdgründe, Kunst, Handel, katholische Frömmigkeit und humanistische Gelehrsamkeit, das Druckgewerbe, ja sogar verstorbene angebliche Verwandte wie die heiligen Simpert und Ulrich – und noch mal das liebe Geld. Das schmeckte ihm, hier ließ sich sein, so was beförderte seinen prallen Lebenswandel. Später kamen noch Geschütze aus Augsburg für seine Feldzüge dazu, deren Zahl nicht mal an den Fingern von fünf Menschen abzuzählen sind.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Alles zusammengenommen natürlich Grund genug, Augsburg immer wieder zu visitieren, nämlich 57 Mal – mitunter auch für Wochen und Monate. So hinterließ der Kaiser Spuren am Lech und in Schwaben – und Augsburger Kräfte schrieben sowohl im übertragenen wie im wortwörtlichen Sinn an seiner Helden-Biografie mit, inklusive filigraner Illustrationen.

Vor allem deshalb ist Kaiser Maximilian als ein früher Propagandist in eigener Sache in die Geschichte eingegangen – aber mehr noch als ein großer Förderer der Künste. Das stimmt ja auch, dominiert jedoch geheiligt bis heute die Betrachtung seiner Lebensleistung – und Lebensminderleistung.

Maximilian I. wollte Erfinder werden. Und Papst.

Es gehört zum großen Verdienst der Augsburger Ausstellung im zentral gelegenen städtischen Maximilianmuseum – das wegen Bayerns König Maximilian I. so heißt! –, dass sie die vom Kaiser direkt oder indirekt initiierte Kunst natürlich nicht unterschlägt, aber immer wieder – und das nicht nur zwischen den Erläuterungszeilen – auf jene zu berücksichtigenden kaiserlichen Defizite hinweist, die schon seine Zeitgenossen bemerkten: „mittelmäßiger Kaiser“. Im besseren Fall kommentierten diese Zeitzeugen untertänigst-höflich, mitunter blies dem Herrscher aber auch wirklicher politischer Gegenwind ins Gesicht.

Maximilian, so fromm er auch war, litt ja nicht an mangelndem Sendungsbewusstsein. Papst wollte er werden. Und Erfinder sein. Und der beste aller Kunstermöglicher. Aber der Peutinger Konrad aus Augsburg ließ durchaus wissen, dass die Hühnereierausbrütungsmaschine, die der höchste Habsburger im Schädel wälzte, so nicht funktionieren werde. Und der Peutinger Konrad attestierte dem Imperator zumindest posthum auch, dass er „viele mittelmäßige Maler liebte, weil sie in der Malerei und Bildhauerei seinen Anweisungen gehorchten…“

Kommen Unterschlagung (Kreuzzuggelder) und Kriegstreiberei hinzu, was zumindest heute justiziabel wäre. Und anfügen könnte man in charakterlicher Hinsicht, dass der Kaiser bei all seiner Wirtshaus-Jovialität einen ganzen Großstall von unehelichen Kindern nebenher gezeugt hat. Der letzte Ritter war auch ein rechter Hallodri.

Die Ausstellung in Augsburg zeichnet ein kritisches Persönlichkeitsbild von Maximilian I.

Sehr, sehr dicht konzipiert, aber lehrreich, unterhaltend und beglückend in ihren zahlreichen unersetzbar-wertvollen Exponaten, konzipiert die Augsburger Ausstellung aus der Hand von Heidrun Lange-Krach und Christoph Emmendörffer ein kritisch analysierendes Persönlichkeitsbild von Maximilian. Genau dies ist nicht nur geboten redlich, sondern nachgerade auch fesselnd – zumal die Schau einsetzt mit dem über Jahre hinweg vorbereiteten Tod Maximilians – um dann auf die Symbiose von Kaiser und Augsburg zu kommen und im dritten Teil auch über die Reichsstadt-Kirchtürme hinauszublicken. Etwa in Form des exquisiten Porträts des heiligen Oswald von Kurzzeit-Hofmaler Jacopo de’ Barbari.

Aber das Herz der kulturhistorischen Schau, die unter anderem auch Urkunden, Münzen, Silber, Modelle, Glas und Naturalien versammelt, sind dann doch die zahlreichen Zeichnungen, Drucke, Illuminationen, Gemälde, Bronzen von unter anderem Holbein dem Älteren und Christoph Amberger, vom Hofmaler Bernhard Strigel (Umkreis) und vom zumindest protegierten Hans Burgkmair dem Älteren, von Jörg Muskat, Leonhard Beck, Albrecht Altdorfer, Daniel Hopfer.

Das „Welsch-Gestech“ von Hans Burgkmair dem Jüngeren aus dem Turnierbuch für Herzog Wilhelm IV.
Bild: Graphische Sammlungen München

Und auch Albrecht Dürer ist dabei. Zwar nicht mit seiner Augsburger Original-Zeichnung 1518 vom Kaiser (stattdessen im Faksimile), aber – ebenfalls der Wiener Albertina gehörend – mit einer auf Ölpapier durchgepausten Zeichnung des Matthäus Lang von Wellenburg, eines Vertrauten dieses Kaisers, der aus Wellenburg bei Augsburg ein Lustschlösschen nahe seiner Jagdreviere westlich der Stadt machen wollte. Kleinodien auch der Entwurf des ehemaligen Augsburger Dom-Altars von Holbein dem Älteren (Leihgabe aus Danzig) und Peutingers Handexemplar des Gebetsbuchs von Maximilian I. (Vatikan).

So ist beim Plan-Etat von 890.000 Euro, der zum Teil von Kulturfonds-Zuschüssen, Spenden und Eintrittsgeldern gedeckt ist, eine Schau gelungen, die in bester Manier die europäische und lokale Geschichte Augsburgs mit sinnlicher Anschauung verknüpft. Und damit auch Wissen und Augenlust – bis hin zu einer virtuellen Rekonstruktion des Alten Einlasses von Augsburg (VR-Brille), errichtet für Maximilian. Auf dass er nächtens, nach der Jagd, noch zurückfinde ins kaiserliche Himmelbett der Dompropstei.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren