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Fotografie
25.04.2022

Malen mit Bäumen? Gerhard Reusch nimmt Rinde genau unter die Lupe

Eine Brandungswelle hat Reusch hier gefunden. In wenigen Fällen hilft der Fotograf bei der Nachbearbeitung auch noch einmal bei der Farbigkeit nach.
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Eine Brandungswelle hat Reusch hier gefunden. In wenigen Fällen hilft der Fotograf bei der Nachbearbeitung auch noch einmal bei der Farbigkeit nach.
Foto: Gerhard Reusch

Kunst zum Tag des Baumes: Auf den Rinden von Bäumen findet Gerhard Reusch die Vorlagen für seine Werke. Mit der Kamera entstehen dann seine Gemälde.

Bäume sind wichtig: für den Klimaschutz, für die Natur, aber auch die Wirtschaft. Seit 70 Jahren begeht Deutschland deshalb am 25. April den Tag des Baums, um die Bedeutung des Waldes für den Menschen bewusst zu machen. Einen ganz eigenen und besonders sinnlichen Zugang hat der 73-jährige Gerhard Reusch zu Bäumen gewonnen. Der Aschaffenburger hat vor gut 20 Jahren damit angefangen, Bäume in Nahperspektive zu fotografieren. Auf der Rinde findet er die Strukturen, die Formen, die Farben, mit denen er am liebsten seine eigenen Bilder malen würde.

Die Bilder von Gerhard Reusch wirken wie Gemälde. Statt Pinsel, Farbe und Leinwand arbeitet Reusch mit der Kamera. Auf Baumrinden findet er seine Motive.
Foto: Gerhard Reusch

"Ich bin ein visueller Mensch", sagt der Baum-Künstler Gerhard Reusch

„Ich bin ein visueller Mensch“, sagt er im Gespräch, der schon immer begeistert von der surrealistischen Kunst von Hans Arp und Max Ernst war und sich auch lange in die Arbeiten von Emil Nolde vertiefen konnte. Nur eines fehlte Reusch, um ebenfalls künstlerisch tätig zu werden: „Mir fehlt das Talent zum Malen“, sagt er. Ein Sturz auf der Insel Kreta brachte ihn dann dazu, selbst tätig zu werden. Auf dem Boden liegend entdeckte er ein Holzstück, das ihn an ein Gesicht erinnerte. Und weil er noch ein letztes Bild auf seinem 36er Film übrig hatte, drückte er ab. Zu Hause gefiel ihm das Ergebnis. So wurde der Nachrichtenredakteur, der Jahrzehnte für das Main-Echo in Aschaffenburg gearbeitet hat, durch einen Zufall zu einem Maler mit der Kamera.

Ein archaisch anmutender Krieger mit Lanze.
Foto: Gerhard Reusch

Denn was Reusch auf den Baumrinden findet, sind Gemälde, abstrakte, manchmal auch surrealistische. Für ihn ist das Ergebnis erst dann zufriedenstellend, wenn am Ende nicht mehr zu erkennen ist, dass es sich um Baumrinde handelt. „Nur Rinde zu fotografieren, das wäre langweilig.“ Über die Jahre und Jahrzehnte hat er einen Blick dafür gefunden, welche Bäume überhaupt dafür in Frage kommen, Totholz etwa, das schon länger auf feuchtem Boden liegt. Manchmal hilft er vor den Aufnahmen mit einem Besen nach und wedelt die oberste Rindenschicht ab, weil sich in der darunterliegenden erst die ganze mögliche Farben- und Strukturpracht zeigt. Mal ist es eine Brandung, die dort auftaucht, dann sind es auch Figuren, die er findet.

Schaut da nicht ein Gesicht auf eine Schlange?
Foto: Gerhard Reusch

Kunst entsteht bei Reusch aus Verletzungen der Borke

Geduld ist manchmal von Nöten, damit das Licht passt. Dann wartet Reusch geduldig wie ein Jäger, bis ein Sonnenstrahl das Blätterdach durchdringt oder sich das sanftere Licht der Abenddämmerung einstellt. Ihn zieht es dann auch zu Stellen im Wald, an denen er Sturmschäden findet. „Verletzungen der Borke begünstigen die Motive.“

Dass es sich um Baumrinde handelt, darauf käme man nicht.
Foto: Gerhard Reusch

Mit seiner Art zu fotografieren, steht Reusch ziemlich allein da. „Mir ist niemand bekannt, der das wie ich macht“, sagt er. Seine Arbeiten hat er auch schon in Ausstellungen gezeigt. Und er träumt von einem Bildband, in dem er das, was er in 20 Jahren zusammengetragen und für gut befunden hat, präsentieren kann.

Wie ein abstraktes Gemälde – Flächen treffen auf feine Strukturen.
Foto: Gerhard Reusch
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