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Tierschutz
02.12.2023

Über drei Millionen tote Tiere im Jahr: Sind Versuche an Mäusen oder Affen noch zeitgemäß?

Traurige Zahlen: Mehr als fünf Millionen Tiere wurden in Deutschland 2021 als Versuchstiere verwendet – knapp 3,2 Millionen davon wurden getötet.
Foto: Jan-Peter Kasper, dpa

Bei Tierversuchen sind die Fronten verhärtet: Forschende sehen wenig Alternativen, aus Sicht von Tierschützern verursachen sie unnötiges Leid. Wäre eine moderne Medizin ohne Tierversuche möglich?

Bis heute sind Tierversuche in der Wissenschaft weit verbreitet. Ihre wichtige Rolle für die Medizin zweifelt kaum jemand an – ihre Bedeutung in Gegenwart und Zukunft hingegen schon. Was sagen Tierschützer und Wissenschaftlerinnen dazu? Mehr als fünf Millionen Tiere wurden in Deutschland 2021 als Versuchstiere verwendet – knapp 3,2 Millionen davon wurden getötet. Das geht aus Zahlen des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) hervor.

Dem deutschen Tierschutzgesetz zufolge sind Tierversuche „Eingriffe oder Behandlungen an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden und Schäden verbunden sein können.“ Diese Definition umfasst laut der Forschungsorganisation Max-Planck-Gesellschaft (MPG) alle Tierarten. Versuche an Wirbeltieren sind genehmigungspflichtig, wenn sie das Wohlbefinden des Tiers beeinträchtigen können. Den größten Teil der betroffenen Tiere machen mit über 70 Prozent Mäuse aus, gefolgt von Fischen, Ratten, Kaninchen sowie Vögeln, aber auch Hunde, Katzen und Affen sind darunter. 

Mehr als 600.000 Tiere wurden 2021 zu wissenschaftlichen Zwecken getötet

„Tierversuche sind bis heute essenziell für den wissenschaftlichen Fortschritt, da viele wichtige Fragestellungen bis heute mangels gleichwertiger Alternativmethoden ohne den Einsatz von Versuchstieren nicht hinreichend erforscht werden können“, sagt Andreas Lengeling, Beauftragter für Tierversuche in der Grundlagenforschung beim MPG. So hätten viele Diabetes-Patienten ohne Tierversuche eine deutlich geringere Lebenserwartung, da sie auf Insulin angewiesen sind, was es ohne Tierversuche nicht geben würde. 

Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, sieht das anders: „In der Grundlagenforschung werden Tiere oftmals eingesetzt, um alle nur erdenklichen Fragestellungen zu beantworten, ohne dass ein erkennbarer Zusammenhang mit dem Wohl des Menschen besteht.“ Von den mehr als drei Millionen getöteten Tieren wurden nur etwa 644.000 zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Der Rest sollte zwar ebenfalls für solche genutzt werden, wurde es laut Bf3R letztlich aber nicht. Lea Schmitz zufolge wurden sie als überflüssig betrachtet und wohl aus ökonomischen Gründen umgebracht. 

Lengeling widerspricht. Die 644.000 Tiere seien getötet worden, um Tests mit ihren Organen und Geweben durchzuführen. Bei vielen der übrigen 2,5 Millionen Tiere sei nach der Narkose keine „Wiederherstellung der Lebensfunktion“ mehr möglich gewesen. Andere hätten nur noch mit Schmerzen weiterleben können und wurden daher aus Tierschutzgründen eingeschläfert. 

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Neben der Grundlagenforschung wurden weitere 17 Prozent der Versuchstiere laut Bf3R bei der Herstellung oder Qualitätskontrolle von medizinischen Produkten oder für toxikologische Sicherheitsprüfungen verwendet, wie sie etwa für Chemikalien oder Schädlingsbekämpfungsmittel vorgeschrieben sind. 14 Prozent kamen für die Erforschung von Erkrankungen bei Mensch und Tier zum Einsatz. In dieser angewandten Forschung werden Tiere laut Schmitz infiziert, um Krankheiten des Menschen zu untersuchen. „Dabei lassen sich die Ergebnisse aus Tierversuchen nur schwer auf den Menschen übertragen und bringen nicht den erhofften Durchbruch hinsichtlich dringend benötigter Therapien für Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson.“ 

Experte sagt: Zellkulturen sind eine gute Alternative ohne ethische Bedenken

Zwar hätten Tierversuche zu Fortschritten in Medizin und Biologie beigetragen, sagt Schmitz. Heute gebe es aber „aussagekräftigere tierversuchsfreie Methoden, mit denen sich Verbraucher- und Umweltschutz sicherstellen lässt“ und Tierleid vermieden wird, sagt Schmitz, wie beispielsweise im Labor nachgezüchtete Organe oder klinische Studien an Freiwilligen. 

Auch MPG-Experte Lengeling sagt: „Viele komplexe, zelluläre Prozesse lassen sich heute schon gut in Zellkulturen und sogenannten Organoid-Systemen erarbeiten.“ So entwickeln Forschende unter Federführung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Testsysteme auf Basis von Zellkulturen und künstlichen Geweben als Ersatzmethoden

Video: dpa

„Neben den ethischen Vorbehalten, mit denen Tierversuche verbunden sind, zeigen diese auch Nachteile bei der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Situation beim Menschen“, erklärt Stephan Reichl vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Technischen Universität Braunschweig. Manche Substanzen würden bei Tieren anders wirken als beim Menschen. Zellkulturen und nachgebildete Gewebe, die auf humanen Zellen basieren, seien daher „nützliche Alternativen, die nicht nur ethische Bedenken ausräumen, sondern manchmal auch bessere qualitative und quantitative Informationen liefern als Studien mit Versuchstieren“. 

MPG-Fachmann Lengeling betont jedoch: „Sobald aber mehrere Organsysteme miteinander wechselwirken und kommunizieren, ist man noch auf Versuche an lebenden Tieren angewiesen.“ Man könne aktuell noch nicht auf sie verzichten, denn jedes Medikament müsse aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche auf seine Wirkung überprüft werden. Zudem dürften Tierversuche laut Deutschem Tierschutzgesetz nur dann durchgeführt werden, wenn sie unerlässlich sind. 

Hier kritisiert der Tierschutzbund, dass die zuständigen Behörden die Anträge nur eingeschränkt prüfen dürften. Ob es keine andere Methode als den Tierversuch gibt und ob die Schaden-Nutzen-Relation passt, dürfe die Behörde nicht unabhängig von den Angaben der antragstellenden Forschenden prüfen. „Tierversuche zur Aus-, Fort- und Weiterbildung müssen in Deutschland noch nicht einmal – wie eigentlich von der EU vorgesehen –genehmigt, sondern den Behörden nur angezeigt werden“, merkt Schmitz an. 

Knochenbrüche oder Elektroden ins Gehirn: Tierversuche sind teils grausam

Tierversuche laufen unterschiedlich ab. Schmitz zufolge werden beispielsweise die Risiken von Chemikalien an Tieren getestet, indem sie ihnen – teils über längere Zeiträume – verabreicht werden. Versuche aus diesen Bereichen seien mit die grausamsten, da die Tiere hier gezielt Stoffen ausgesetzt werden, die gefährlich oder giftig sein können. Dabei könne es zu Verätzungen, Atemnot, Lähmungserscheinungen, Organversagen oder Blutungen kommen. 

In einem Labor wird eine Labormaus für einen Versuch vorbereitet.
Foto: Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild, dpa

Bei sogenannten Krankheitsmodellen werden Tiere laut der Tierschutzbund-Sprecherin künstlich infiziert oder verletzt, um bei ihnen Symptome zu erzeugen, die denen der Erkrankung des Menschen ähneln. „Für die Schlaganfallforschung werden beispielsweise Blutgefäße abgebunden. Um Knochenbrüche und deren Therapie zu erforschen, werden Schafen gezielt Knochenbrüche zugefügt“, berichtet Schmitz. Zudem implantiere man Affen Elektroden ins Gehirn, um Aufschluss über die Funktionsweise des menschlichen Hirns zu erhalten. Für die Aus- und Weiterbildung von Chirurginnen und Chirurgen übe man Operationstechniken an Schweinen.

Lengeling betont, dass nicht alle Tests an Tieren so ablaufen: „Im Jahr 2021 waren 63 Prozent aller Versuchstiere einer geringen, 24 Prozent einer mittleren und 6 Prozent einer schweren Belastung ausgesetzt.“ Laut der Universität Münster sind aber auch schon mittelstarke Verfahren welche, „bei denen die Tiere kurzzeitig mittelstarken Schmerzen, mittelschweren Leiden oder Ängsten oder lang anhaltenden geringen Schmerzen ausgesetzt waren“. Hinzu kommen Verfahren, „bei denen Belastungen aufgetreten sind, die eine mittelschwere Beeinträchtigung des Wohlergehens oder des Allgemeinzustands der Tiere verursacht haben“. 

Tierschutzbund fordert konsequenteres Handeln von der Bundesregierung

Doch wäre es möglich, gänzlich ohne Tierversuche auszukommen? „Der Fortschritt würde ohne Tierversuche nicht plötzlich aufhören. Auch jetzt arbeiten viele Forschenden ohne Tierversuche und liefern wichtige Erkenntnisse“, meint Schmitz vom Tierschutzbund. Zwar müssten sich Forschende umorientieren. „Aber mit ausreichender Förderung und Schulung lassen sich Wege entwickeln, mit denen ihre Fragestellungen ohne Tierversuche weiterbearbeitet werden können.“ Dafür sei allerdings ein Umdenken in der Gesellschaft sowie in Politik und Wissenschaft nötig.

Lengeling unterstreicht, dass es ohne Tierversuche keine moderne Medizin gäbe. „Die Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen wäre ohne Tierversuche erheblich niedriger.“ Schmitz vom Tierschutzbund leugnet das nicht, hält die Praxis aber für überholt: „Ethisch ist es nicht zu rechtfertigen, einem Lebewesen, das in vergleichbarer Weise wie der Mensch schmerzempfindlich und leidensfähig ist, so etwas anzutun.“ Daher fordere der Tierschutzbund von der Bundesregierung, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen. Darin steht: „Wir legen eine Reduktionsstrategie zu Tierversuchen vor. Wir verstärken die Forschung zu Alternativen, ihre Umsetzung in die Praxis und etablieren ein ressortübergreifendes Kompetenznetzwerk.“

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