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Interview
23.02.2024

Zum 125. Geburtstag: "Über seine Gefühle hat Erich Kästner nie geschrieben"

Erich Kästners Bücher wurden als eine der ersten von den Nationalsozialisten verbrannt. Dennoch blieb der Schriftsteller, geboren am 23. Februar 1899, in Deutschland. Rund 3000 Bilder aus dem Nachlass Kästners liegen im Marbacher Literaturarchiv.
Foto: Jonas Schöll, dpa

Für Erich Kästner bedeutete die NS-Diktatur eine Zäsur auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Ein Gespräch zum 125. Geburtstag mit Literaturkritiker Tobias Lehmkuhl.

Herr Lehmkuhl, in Ihrem Buch „Der doppelte Erich“ über den Schriftsteller Erich Kästner haben Sie sich auf die Jahre zwischen 1933 und 1945 konzentriert, ein Zeitraum, der für ihn einen großen Einschnitt bedeutete. In welcher Situation war Kästner, als die Nazis an die Macht kamen?

Tobias Lehmkuhl: Er war 1933 auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Er hatte als Journalist angefangen, war dann schnell auch erfolgreich mit Gedichten, die abgedruckt und vertont wurden. 1929 kam „Emil und die Detektive“, bald darauf „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ heraus. Er war einer der beliebtesten, bekanntesten und auch finanziell erfolgreichsten Schriftsteller Deutschlands und betrieb mit einer Sekretärin seine „kleine Versfabrik“, wie er es nannte, aber die war eigentlich eine „große Versfabrik“.

Literaturkritiker Tobias Lehmkuhl.
Foto: Bernhard Ludewig

Es konnte also gar nicht besser laufen für ihn.

Lehmkuhl: Ja, auch privat Er hatte in Berlin eine schicke Wohnung, er ging viel aus, er hatte viele Liebschaften, er reiste gerne in die Alpen und er spielte nach Möglichkeit jeden Tag Tennis. Er schrieb schwungvolle Literatur und führte ein schwungvolles Leben.

Und dann kamen die Nazis, die ihn als linksliberalen Schriftsteller schnell im Visier hatten. Seine Bücher gehörten zu den ersten, die verbrannt wurden. Warum blieb Kästner in Deutschland?

Lehmkuhl: Er war auf dem Höhepunkt seines Erfolges, und es wäre jedermann schwergefallen, das was man sich gerade erarbeitet hat, hinter sich zu lassen. Er hat sich sicherlich auch verschätzt darin, wie lange die Nazis an der Macht bleiben und was sie anrichten würden. Und dann gibt es die zwei Gründe, die er selbst genannt hat, nämlich dass er seine Mutter nicht alleine lassen wollte. Sie hatten ein sehr enges Verhältnis, schrieben sich täglich Briefe und es verband sie das berühmte „Wäscheband“, das heißt, er schickte ihr immer seine Wäsche zum Waschen. Er fürchtete, dass sie sich etwas antun könnte, wenn er Deutschland verlassen würde. Das war das Trauma seiner Kindheit, weil die Mutter das oft angedroht hatte.

Und der zweite Grund?

Lehmkuhl: Er wollte den Roman des Dritten Reiches schreiben. Das ist aber sicher der schwächste Grund gewesen, da gibt es auch nur wenige Ansätze. Er wollte Zeuge sein, aber ob er konkret 1933 wirklich Pläne hatte, mitzuschreiben, was in dieser Zeit passierte, um es dann irgendwann nach Ende der Nazi-Diktatur literarisch aufzuarbeiten, das wage ich zu bezweifeln. 

Wie überstand er diese Zeit? Er durfte ja nicht veröffentlichen. Ging er in die innere Emigration?

Lehmkuhl: Seine Bücher durften in der Schweiz veröffentlicht werden und wurden dann nach Deutschland importiert. Er hatte also Einnahmen aus dem Verkauf seiner Bücher. Und er hatte durch die bereits übersetzten Bücher auch Einnahmen aus dem Ausland. Er hat dann sehr schnell umgesattelt auf reine Unterhaltungsschriftstellerei, unter dem Pseudonym von Freunden Lustspiele verfasst, die recht einträglich waren. Der Begriff der „inneren Emigration“ ist für Kästner nicht passend, da er ja immer nach außen ging. Er saß weiterhin öffentlich in seinem Stammcafé am Kurfürstendamm, schrieb dort und redete mit den Menschen, die sich zu ihm setzten. Es war fast ein bisschen seine Lebensversicherung, so öffentlich zu sein. 

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1943 kam es dann zu der kuriosen Situation, dass er sogar für die Nazis arbeitete. Er schrieb unter dem Pseudonym Berthold Bürger das Drehbuch für den Film „Münchhausen“, ein Prestige-Projekt des Regimes zum 25-jährigen Jubiläum der Ufa. Wie kam es dazu?

Lehmkuhl: Es gab in Deutschland einfach keinen anderen Autor mehr, der die Fähigkeit hatte, so gewitzt und prickelnd zu schreiben, und Kästner hatte gute Kontakte zur Ufa. Seit Kriegsbeginn war es für Kästner finanziell eng geworden, deshalb nahm er die Anfrage gerne an und Josef Goebbels willigte unter der Bedingung ein, dass er nichts von Kästner als Drehbuchautor gewusst habe, wenn es herauskommen sollte. Aber als Hitler es erfuhr, war es endgültig für Kästner vorbei und von da an wurde es sehr, sehr schwierig für ihn.

Gibt es eigentlich Zeugnisse darüber, wie Kästner sich bei dieser Gratwanderung zwischen Ablehnung und Anpassung gefühlt hat, wie er damit zurechtkam?

Lehmkuhl: Über Gefühle hat Kästner nie geschrieben, auch seine Tagebucheinträge aus dieser Zeit sind rein sachliche Notizen, über Gespräche, Beobachtungen auf der Straße, über die Zeitungslektüre, das Kriegsgeschehen. Aber er hat das nie bewertet und schon gar nicht hat er seine eigene Arbeit reflektiert. Worüber er immer wieder mal geschrieben hat, und das ist auch der Aufhänger meines Buches und der Grund für den Titel „Der doppelte Erich“, ist, dass er mit sich selbst nicht im Reinen ist. Das war er zeit seines Lebens nicht, weil er immer diese starke Abhängigkeit von seiner Mutter hatte und weil er in der Welt der Literatur war, obwohl es da auch die wirkliche Welt gab. Diese Zerrissenheit war offenbar im Jahr 1940 besonders stark. Da hat er zwei „Briefe an mich selbst“ verfasst und darin hat er geschrieben, nicht zu wissen, wer er eigentlich ist, ein Fremdheitsgefühl und eine Gespaltenheit zu verspüren. Das zeigt sich für mich auch in seinem Werk, das reich ist an Doppelgänger- und Zwillingsfiguren, mit Masken- und Verwechslungsspielen.

Sie haben vorhin schon den großen Roman der Nazizeit angesprochen, es sollte ein Sittengemälde werden, ist aber nie geschrieben worden. Warum nicht?

Lehmkuhl: Er hat sich nach dem Krieg ja stark in den Dienst des Wiederaufbaus gestellt, war Feuilleton-Chef der Neuen Münchner Zeitung, auch P.E.N.-Präsident und ergriff sehr oft öffentlich das Wort, zum Beispiel auch auf Demonstrationen gegen das Wettrüsten im Kalten Krieg. Ich glaube, dass ihn die Zäsur 1933 zu einem ganz schlechten Zeitpunkt erwischt hat, weil er nicht nur auf dem Höhepunkt seines Erfolges, sondern auch seiner Schaffenskraft war. Daran zwölf Jahre später wieder anzuschließen und mit derselben Intensität weiterzuschrieben, war ihm wohl nicht mehr möglich. Er hat danach deutlich weniger und auch schwächer geschrieben. Ausnahmen sind das sehr schöne „Doppelte Lottchen“ und seine Jugenderinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“. Das ist wirklich sehr wenig. Aber dem steht sein Werk von vor 1933 gegenüber, das zeitlos und ganz große Literatur ist, weil Kästners Sprache immer noch frisch und sein Wortwitz ungeschlagen ist. 

Tobias Lehmkuhl: Der doppelte Erich – Kästner im Dritten Reich. Rowohlt, 340 Seiten, 24 Euro.
Foto: Rowohlt

Zur Person: Tobias Lehmkuhl, geboren 1976, arbeitet er als freier Journalist und Literaturkritiker, u. a. für Die Zeit, Deutschlandfunk und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2023 erschien sein Buch über Erich Kästner "Der doppelte Erich" (Rowohlt, 24 Euro).

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