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Nachruf
17.08.2022

So ein "Ping", das konnte nur Wolfgang Petersen

Ein begnadeter Handwerker der großen Kinobilder: Wolfgang Petersen, hier beim Dreh von "In The Line of Fire".
Foto: Publicity Still

Jeder, der "Das Boot" einmal gesehen hat, kennt zu diesem Ton die unvergesslichen Bilder. Kino von solcher Dichte gelang dem Regisseur auch mit Hollywood-Blockbustern.

Ist es das Resultat von Erfahrungen, dass der deutsche Film inzwischen wieder stärker auf seine Erzähler setzt, auf die detailversessenen Handwerker? Dass er inzwischen unterscheiden kann zwischen tatsächlichen und selbst ernannten Künstlern, zwischen solchen, die Pointen versauen oder sie formvollendet kredenzen? Immer wieder fällt einem der Unterschied auf, wenn man „Das Boot“ sieht, diesen über 40 Jahren alten, 1980 mit den vergleichsweise bescheidenen Mitteln der damaligen Technik gedrehten Film, der alles hat, was den meisten digital bearbeiteten Hochglanzstreifen heute gänzlich abgeht. Nicht einmal dafür hat Wolfgang Petersen den Oscar bekommen, diese nicht nur deshalb höchst umstrittene Auszeichnung, die die Academy stattdessen lieber an Eleven wie Florian Henckel von Donnersmarck vergibt. Muss man über Geschmack streiten? In diesem Fall eindeutig ja!

Jeder kennt es inzwischen: Die Kamera bewegt sich wackelig durch das U-Boot, vorbei an schwitzenden und angsterfüllten Gesichtern, das Licht flackert, nichts ist zu hören außer Tropfen. Dann fährt das Bild auf den Funkmaat Hinrich zu, der als Erster hört, was wir längst wissen, dass es nämlich kein Entkommen gibt. „Das Boot“, das nicht ohne Grund jüngst als Serie eine neue Generation eroberte, ist ein Monument des handwerklichen Erzählens, ein Wunderwerk an cineastischen Gewerken. Und man staunt selbst 2022 immer noch: So fantastisch können deutsche Schauspieler sein, so glaubhaft realistisch können Bilder entstehen, die diesen Thrill von der ersten bis zur letzten Minute transportieren. Ein perfektes Werk, das ultimative Drama, sowohl in puncto Schnitt, Licht wie Musik. Jedes Bild sitzt auf dem Punkt, jeder Ton – wie dieses unvergessliche „Ping“, das unheilverheißend durch das Boot hallt, bevor es gewaltig rumst. Petersens Kino ist dieses Ping. Ein einziger Ton, der für seine Arbeit steht und sein Leben überdauert.

Petersens Geniestreich: "Das Boot" mit (von links) Klaus Wennemann, Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer.
Foto: United Archives, dpa

Wolfgang Petersen: Was heute Peanuts sind, war damals ein hübscher Batzen Geld

Dass Deutsche zu so etwas in der Lage sein würden, wollte zunächst niemand glauben. Natürlich bot Autor Lothar-Günther Buchheim „Das Boot“ zunächst amerikanischen Regisseuren an. Doch irgendeine Fügung des Schicksals brachte plötzlich Wolfgang Petersen ins Spiel, Sohn eines Marineoffiziers und aufgewachsen in Hamburg. 32 Millionen D-Mark kostete die Bavaria-Produktion über die Fahrten eines U-Boots im Zweiten Weltkrieg – in jenen Jahren ein hübscher Batzen Geld. Dennoch geriet sie zu einem gefeierten internationalen Erfolg. Warum? Weil Petersen stets als Regisseur in die Rolle des Zuschauers zu schlüpfen verstand; ein empathischer Fantast, der seine Schauspielerinnen und Schauspieler dazu brachte, sich weiter als bei anderen zu öffnen.

So nimmt es kaum wunder, dass Petersens Karriere mit empfindsamen, bewegenden Fernsehfilmen begann, die die Brüche und inneren Zerrissenheiten ihrer Figuren thematisierten. Wie Nastassja Kinski, die 1977 im legendären „Tatort – Die Reifeprüfung“ eine minderjährige Gymnasiastin verkörperte, die ein Verhältnis mit ihrem Lehrer hat und als Teenager-Mörderin entlarvt wird. Für jede seiner verstörenden Rollen – neben Kinski noch Judy Winter und Christian Quadflieg – baute der Regisseur sorgsam ein dramaturgisches Gerüst aus Mitgefühl und Betroffenheit.

Über den Hügeln von Los Angeles durfte Petersen seine Träume verwirklichen

Oder im gleichen Jahr der Fernsehfilm „Die Konsequenz“, in der Wolfgang Petersen ebenfalls eine Beziehung schilderte, die es eigentlich so offiziell damals nicht geben durfte. Nachdem er Sex mit einem Jugendlichen hatte, sitzt der vom jungen Jürgen Prochnow gespielte Schauspieler im Knast, wo er sich während eines Theaterprojektes in den 16-jährigen Sohn des Gefängnisdirektors verlieben wird. Die ARD strahlte den Film über die Beziehung zweier schwuler Männer deutschlandweit aus, der Bayerische Rundfunk als Hüter der öffentlich-rechtlichen Moral sendete derweil ein Alternativprogramm.

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Nach dem „Boot“ folgte das Fantasy-Märchen „Die unendliche Geschichte“ (1984) und der Science-Fiction-Film „Enemy Mine“ (1985), alle in den Münchner Bavaria-Studios gedreht. Warum Wolfgang Petersen dann nach Hollywood ging, hat viele Gründe. Über allem steht wohl das Unbehagen über die hiesige Filmindustrie, die sich lieber zurückhielt, als mit fulminanten Budgets ein gewisses Risiko zu wagen. Aber über den Hügeln von Los Angeles durfte Petersen seine Träume tatsächlich verwirklichen.

Pathos, Muskeln, Kitsch – und doch großes Kino von Wolfgang Petersen

Bis der Deutsche so richtig in Amerika ankam, sollte es zwei mäßig erfolgreiche Filme dauern. Dann kamen ausschließlich sogenannte Blockbuster: 1993 „In The Line Of Fire“ mit Clint Eastwood als Leibwächter des US-Präsidenten, „Outbreak“ mit Dustin Hoffman, das den Schrecken einer Ebola-Epidemie nachzeichnet und im ersten Corona-Jahr ein furioses Comeback erlebte, oder „Air Force One“ mit Harrison Ford als nahkampferprobtem US-Präsidenten. In „Der Sturm“ ging George Clooney unter, 2004 zeigte „Troja“ Brad Pitt als Achilles mit kurioser Strähnchenfrisur auf dem Höhepunkt seiner Ausstrahlung, aber ohne je als Witzfigur wahrgenommen zu werden. Petersen gelang es, aus Kitsch, Pathos und geölten Muskeln eine Figur zu formen, um die jeder am Ende trauert. So etwas nennt man Kino. Großes Kino.

Bei Petersen durften die Stars auf eine ungebrochene, altmodische Art und Weise noch Stars sein, konnten sie nicht nur als Helden über sich hinauswachsen, sondern auch als Menschen. Für Glenn Close bleiben die Dreharbeiten mit Petersen für „Air Force One“ deshalb eine „besondere Erinnerung“. Close, die die Rolle der US-Vizepräsidentin einnahm: „Obwohl das Drehbuch aufregend und unglaublich intensiv war, erinnere ich mich an viel Lachen. An einen Mann voller Lebenslust, der tat, was er am meisten liebte.“

Nun ist leider damit Schluss. „Feierabend“, wie es der Kaleu alias Jürgen Prochnow im „Boot“ formulierte, als von überall her Wasser tropft. Wolfgang Petersen, der zuletzt die deutsche und die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, starb vergangenen Freitag im Alter von 81 Jahren in Kalifornien an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

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